Review

Der Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag hat bereits seit geraumer Zeit seine „111 Gründe, …“-Serie etabliert. Für fast alle Themen gibt es ein solches Buch, welches 111 Gründe aufzeigt, das darin behandelte Thema zu mögen, zu rechtfertigen oder auszuüben. Wir haben uns bereits mit dem großartigen Werk „111 Gründe, das Böse zu lieben“ auseinandergesetzt (hier geht es zum Review) und waren entsprechend voller Vorfreude, als „111 Gründe, einen Mord zu begehen“, geschrieben von der Moderatorin, Schauspielerin und Autorin Yvonne de Bark, im Briefkasten lag.

Doch bereits auf den ersten Seiten machte sich Ernüchterung breit, die sich im weiteren Verlauf leider bestätigte und intensivierte. Dieses Buch ist relativ langweilig und entlockte mir persönlich beim Lesen lediglich hin und wieder ein müdes Lächeln. Doch warum ist das so?

Im Gegensatz zu „111 Gründe, das Böse zu lieben“, bei dem allerlei Bösewichte aus Kunst, Kultur, Film und Literatur liebevoll analysiert und beschrieben wurden, also ein Buch, welches tatsächlich nicht nur unterhalten hat, sondern auch Wissen vermittelte, ist „111 Gründe, einen Mord zu begehen“ recht plump.

Es werden 111 mehr oder weniger alltägliche Situationen beschrieben und wie man diese mit der endgültigsten aller Lösungen, einem Mord, lösen kann. Dabei hat die Autorin ziemlich krampfhaft versucht, eine entsprechende Todesart für das jeweilige Problem zu finden. Beispiele gefällig? Ein Arbeitskollege leert den Papierhäksler nicht? Er stirbt durch diesen. Der Hausmeister streut den Gehweg nicht? Ein abgesägter Eiszapfen, der mittig in seinem Schädel landet, löst das Problem. Die Nachbarn schauen zu laut „Die Simpsons“? Man schlachte sie ab und übergieße sie mit gelber Farbe.

Dieses – nicht wirklich anspruchsvolle Niveau – zieht sich durch das gesamte Buch und wird nicht einmal konsequent umgesetzt. Denn hin und wieder verzichtet (oder vergisst?) Yvonne de Bark schlicht anzugeben, durch welche kreative Todesart ein Problem gelöst werden sollte und beschreibt nur ein Alltagsproblem.

Yvonne de Bark (Copyright: Yvonne de Bark)

Yvonne de Bark (Copyright: Yvonne de Bark)

Man kann also sagen, dass „111 Gründe, einen Mord zu begehen“ nur eine Auflistung gängiger Probleme des Alltags ist, die nach Kategorien wie „Beruf“, „Familie“ etc. sortiert sind. Der amüsante Part soll hierbei durch die Mordmethoden repräsentiert werden, was leider nicht wirklich funktioniert. Zumal es zudem recht fragwürdig ist, wozu man ein Buch braucht, in dem steht, worüber man sich im Alltag aufregen kann, wenn man sich ja ohnehin fast durchgehend über irgendwas im Alltag aufregt.

„111 Gründe, einen Mord zu begehen“ ist ein Buch, das versucht amüsant zu sein, welches streng genommen aber keinen Sinn besitzt und zumindest meinen Humor nicht getroffen hat. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass es ein passendes Geschenk für Menschen ist, die sich ständig über irgendetwas aufregen und bei denen man sonst keine Idee für ein passendes Präsent hat.

Inhalt

„Am liebsten würde ich ihn/sie umbringen!“ Sie sind überall! Die Kleingeld zählenden Rentner an der Kasse. Die Parkplatzwegschnapper vor einem wichtigen Termin. Die laut telefonierenden Kollegen im Büro. Die Tortillachipsesser und Colaschlürfer im Kino in der Reihe hinter uns. Es sind die vielen kleinen Dinge, die in uns den Wunsch wecken, zum Amokläufer zu werden. Aber wir müssen die Contenance bewahren und unsere aufsteigende Mordlust im Zaum halten. Doch was tun mit unserer aufgestauten Wut und der anschwellenden Halsschlagader? Wie oft haben Sie schon der Strafzetteldistributorin im Geiste Ihre Autotür »versehentlich« in die Eingeweide gerammt? Oder der Schwiegermutter für ihre hilfreichen Tipps Putzmittel als Erfrischungsgetränk angeboten? Yvonne de Bark hat es für Sie getan. Sie lässt den Dampf ab, den Sie tagtäglich so tapfer innehalten. Bitterböse und schwarzhumorig lässt sie ein Opfer nach dem anderen über ihre Feder springen.

(Copyright: Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag)

Autorin

Yvonne de Bark ist Schauspielerin, Bloggerin und Autorin. Sie lebt mit ihren zwei Kindern in der Nähe von Köln. Nach ihrem Sport- und Englischstudium auf Lehramt war sie in zahlreichen TV-Produktionen (u. a. Die Motorad-Cops, Alarm für Cobra 11, Unter uns, Ein Fall für ZweiI) auf den Bildschirmen der Republik zu sehen. Während sie sich als Autorin bisher auf humorvolle Erziehungsratgeber spezialisierte (u. a. Pimp your Kid), zeigt sie sich in ihrem mittlerweile siebten Buch von ihrer diabolischen Seite.

(Copyright: Schwarzkopf & Schwarzhopf Verlag)

Yvonne de Bark – Homepage

Details

Format: Broschiert
Vö-Datum: 01.10.2014
Seitenzahl: 328
ISBN: 978-3-8626654-02-4
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag

Copyright Cover: Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.