Review

In „Year Zero 1“ erzählt Autor Benjamin Percy („Wolverine – Im Dunkel der Nacht“) eine grenzüberschreitende und multiperspektivische Geschichte. Und zwar wirft er einen global angelegten Blick auf das Leben nach einer Zombie-Apokalypse, veranschaulicht durch fünf ganz unterschiedliche Schicksale. Bei aller Globalität beschäftigt sich der Auftakt dieser neuen Serie indessen vor allem mit dem Mikrokosmos des Innenlebens seiner Hauptfiguren.

Verschiedene Gesichter der Zombie-Apokalypse

Zunächst begegnen wir der Wissenschaftlerin Sara Lemons in einer Polarforschungsstation. Diese untersucht dort die Tiefen des Antarktis-Eises.

Außerdem treffen wir auf den einsamen und auf sich selbst gestellten Straßenjungen Daniel Martinez in Mexico City. Daniel hat im wahrsten Sinne des Wortes zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel.

Mit Saga Watanabe gehen wir in Tokio auf die Pirsch; der japanische Auftragskiller muss für Schulden aufkommen, die er nicht verursacht hat. Und noch dazu stammt der stoische Mörder von den Samurai ab.

Dann ist da noch eine fortschrittliche und selbstbewusste Frau, die Muslima Fatemah Shah, die als Armeeübersetzerin in Kabul tätig ist. Dort stützt die afghanische Militärhelferin insbesondere ihre inländischen Leidensgenossinnen.

Und schließlich ist da noch der eigenbrötlerische und einsame amerikanische Prepper B.J. Hool, der seit Jahren Klimawandel, Atomkrieg, Pandemien, sprich den Weltuntergang, hat kommen sehen. Daher hat er sich in seinen Keller zurückgezogen und harrt der Dinge – bzw. Apokalypsen -, die da kommen.

Diese Menschen und ihre Schicksale haben auf den ersten Blick freilich wenig bis gar nichts gemeinsam. Und doch sehen sie sich eines Tages plötzlich mit einer Zombie-Apokalypse konfrontiert – einer existenzgefährdenden Gefahr, aber auch einem großen Gleichmacher.

Eine menschliche Geschichte 

Von dem schwer bewaffneten Wohnmobil auf dem Cover der ersten Ausgabe und von dem Schlagwort „Zombie-Apokalypse“ sollte man sich ebenso wenig beirren lassen wie von der verlagsseitigen Beschreibung: „eine atemberaubende Story, in der sich Horror, Action sowie menschliches Drama gekonnt die Waage halten.“
Zwar sehen wir hier die Erde in Zeiten der Apokalypse. Allerdings spielen Zombies, Horror und auch Action vorliegend eher eine untergeordnete Rolle. Um ehrlich zu sein, einen Zombie bekommt man kaum einmal zu Gesicht.

Im Fokus stehen vielmehr die fünf Überlebenden, die unterschiedlicher wohl nicht sein könnten. Ben Percy arbeitet hier Figuren aus vielen verschiedenen Ländern und Ecken der Erde mit gänzlich verschiedenen Wertvorstellungen und Glaubensrichtungen heraus. Da gibt es Wissenschaftler, Traditionsbewusste, Vordenker, Gläubige, Nihilisten und Zyniker. Jeder und jede ist dabei auch ein Produkt seiner/ihrer Erziehung, der jeweils hervorgebrachten Kultur und Zivilisation. Und das Ganze kommt zwar – am Rande – im Gewand eines Horror-Comics daher, schockiert, ekelt und gruselt aber nicht. Vielmehr ist „Year Zero“ bislang vom Ansatz her eine moderne humanistische Figurengeschichte.

Leseprobe aus „Year Zero 1“. (Copyright: Cross Cult)

Der Erzählstil von Percy ist dabei insofern ungewöhnlich, als dass er sich den Figuren nicht in einzelnen Kapiteln, sondern immer nur in sehr kurzen Abschnitten widmet, um dann ruckartig zum nächsten zu springen. Dadurch gestaltet sich die Lektüre durchaus abwechslungsreich und kurzweilig – wie ein globales Mosaik aus einzelnen Bruchstücken. Allein, die verschiedensten Teile wollen sich (derzeit) noch nicht recht zusammenfügen, um ein größeres Ganzes zu bilden. Außer der todbringenden Apokalypse gibt es keine wirklichen Gemeinsamkeiten oder Überschneidungen; die einzelnen Geschichten laufen eher nebeneinander her, statt ineinanderzugreifen.

Der Zeichenstil von Ramon Rosanas („Valkyrie – Jane Foster 2: Kampf um Asgard“) ist sehr ansehnlich, gehört aber womöglich nicht in das alleroberste Regal der etablierten Comic-Stars. Das Artwork gewinnt allerdings durch die eigenwillige Kolorierung von Lee Loughridge („Deadly Class 1: Die Akademie der tödlichen Künste“) erheblich an Klarheit und Schönheit dazu.

Fazit

Horror und Action kommen in dieser Zombie-Apokalypse als klares Understatement daher. Streng genommen laufen hier kaum bis keine Zombies herum. Dies ist eine Geschichte über Menschen. Völlig unterschiedliche Menschen – mit ganz verschiedenen Charaktereigenschaften und sehr subjektiv-persönlichen Moral- und Glaubensvorstellungen. Wer gerne Endzeit liest und nicht unbedingt den nächsten Apokalypse-Reißer braucht, der darf einen Blick riskieren.


Year Zero 1

Handlung

Sitte, Moral und Glaube in Zeiten der Apokalypse

Ein japanischer Auftragskiller, ein mexikanisches Straßenkind, eine afghanische Militärhelferin, eine Polarforscherin und ein amerikanischer Prepper – fünf Überlebende einer schrecklichen globalen Epidemie, die sich auf ihre besonderen Fähigkeiten und Instinkte verlassen müssen, um sich einen Weg durch eine Welt voll wandelnder Toter zu bahnen.

In einem dichten Geflecht der Erzählung wirft YEAR ZERO einen allumfassenden Blick auf die verschiedensten Länder dieser Welt in einer Zombieapokalypse. Der Comic ringt mit dem Konzept von Sitte, Moral und Glauben, während die fieberhafte Suche nach Ursprung und Heilung der Pandemie beginnt.

(Quelle: Cross Cult)

Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 30.04.2021
Seitenzahl: 144
ISBN: 978-3-96658-338-1
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Cross Cult

Copyright Cover: Cross Cult



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)