Review

Es ist bereits die vierte große Figur des „Detective Comic“-Kosmos, die ihre eigene „Schwarz & …“-Ausgabe erhält. Die Rede ist von „Wonder Woman – Schwarz & Gold“, einer massiven Anthologie im Megaband Paperbackformat.

Die schiere Anzahl von 30 Autor:innen und ebenso vielen Zeichner:innen lässt vermuten, wie umfangreich diese Ausgabe ist.

Verantwortlich für die Geschichten sind: John Arcudi, Becky Cloonan, A.J. Mendez, Amy Reeder, Nadia Shammas, Che Grayson, Rachel Smythe, Mariko Tamaki, Tillie Walden, Stephanie Williams, Aimee Garcia, Janet Harvey Nevala, Nnedi Okorafor, Paula Sevenbergen, Robert Venditti, Paul Azaceta, Andrew Constant, Sina Grace, Andrew MacLean, Sherri L. Smith, Sanya Anwar, Kurt Busiek, Josie Campbell, Peter J. Thomasi, Trung Le Nguyen, Michael W. Conrad, Christos N. Cage, Marguerite Sauvage, Liam Sharp und Dr. Sheena Howard.
Schon diese Liste lässt das eine oder andere Fan-Herz höherschlagen, denn es sind wirklich namhafte Autor:innen in diesem Werk vertreten.

Die Zeichner:innen sind ebenso zahlreich und prominent. Dabei sind auch viele neue Künstler:innen, die jedoch teilweise sagenhaft gute Bilder präsentieren.
Es zeichnen: Morgan Beem, Becky Cloonan, Ming Doyle, Amy Reeder, Ryan Sook, Corin Howell, Jamie McKelvie, Rachel Smythe, Tillie Walden, Ashley A. Woods, Jack T. Cole, Steven Epting, Sebastian Fiumara, Megan Levens, Inaki Miranda, Paul Azaceta, Andrew MacLean, Leonardo Romero, Nicola Scott, Colleen Daran, Christian Alma, Sanya Anwar, Carlos D’Anda, Benjamin Dewey, Trung Le Nguyen, Noah Bailey, Kevin Maguire, Marguerite Sauvage, Liam Sharp und Jamal Campbell.

Was und warum?

Diese Anthologie startete 2021 als Verneigung und zum Anlass des 80-jährigen Jubiläums der Figur Wonder Woman.

Sie enthält 30 unterschiedliche, wenn auch im Kern sehr typische Wonder Woman Geschichten.
Die Prinzessin der Amazonen aus Themyscira hat sich in ihrer langen Geschichte schon so mancher Bedrohung gegenüber behaupten müssen. So geht auch die Anthologie in manchen Geschichten auf die frühen Erlebnisse während des Krieges ein. Verluste, die sie wegen ihres langen Lebens erleiden musste, und schockierende Ungerechtigkeit bekämpfte sie seit jeher. Immer in ihrer Hand ist das goldene Lasso, mit dem sie ihre eingefangenen Gegner zur Wahrheit zwingt und das in einem Kapitel auch eine Origin-Story erfährt.

Prinzessin Diana bewegt sich in diesen vielen Episoden zwischen dem Olymp, dem Hades, der Erde und anderen sphärischen Orten. Die jeweilige Geschichte vermittelt ihren unbezwingbaren Kampfgeist für die Gerechtigkeit und die Schwächeren, die sich aus eigener Kraft nicht wehren können. Es scheint daher ganz natürlich, dass sie gegen Konzerne, die fortschreitende Klimakrise, Gewalt von Despoten und gegen misogyne Einstellungen ihr Schild und Schwert erhebt. Die Künstler:innen präsentieren eine große Vielfalt an Einblicken in die Welt der Amazone, ohne dabei die Schattenseiten der nahezu Unsterblichkeit auszulassen und auch über zerstörte Hoffnungen zu reden. Selbst so etwas wie die Pandemie der letzten Jahre findet seine künstlerische Verarbeitung in dieser Anthologie.

Stilistisch extrem vielfältig

Die Figur Wonder Woman ist vielleicht nicht von jeder Person die liebste. Dennoch bietet sich diese Anthologie ganz ausgezeichnet an, um einige Künstler:innen zu entdecken.

Leseprobe aus „Wonder Woman – Schwarz & Gold“. (Copyright: Panini Comics)

Es ist immens vielfältig und unterschiedlich, was die Zeichner:innen zeigen und welche Stile und Ideen ihre Umsetzung finden. Das dabei allem übergeordnete Motto des „Schwarz & Gold“ wird grandios umgesetzt und unterstreicht in sehr vielen Panels, wie wenig es eigentlich braucht, um visuell einen guten Comic zu erschaffen.

Von Cartoon über Fotorealismus, etwas CG-Look oder dämonischer Gothic-Optik bis hin zu einer minimalistischen Illustration findet sich alles in diesem massiven Paperback.

Man kann nur staunen, wie viele der äußerst talentierten Zeichner:innen noch keine große Aufmerksamkeit erhielten und nicht häufiger auf Covern zu lesen sind. Doch bestimmt wird sich dies genau mit dieser Anthologie ändern. Es sei aus künstlerisch-zeichnerischer Perspektive und mit Blick auf den häufig vertretenen Mainstream-Look in Superheldencomics sehr zu hoffen.

Fazit

„Wonder Woman – Schwarz & Gold“ macht unfassbar viel Spaß und ist eine wahre Freude fürs Auge. Diana ist eine sehr dankbare, im Kern optimistische Figur, die in ihren facettenreichen Kapiteln eben genau das verkörpert. Man wird von der Tiefe der Probleme in den Episoden erfasst, es nimmt mit und doch scheint jeder Konflikt lösbar. Solch vielseitig schöne Bilder mit Geschichten von Top-Autor:innen funktionieren schlichtweg exzellent. Zwar bleibt nach dem Lesen der gesamten Anthologie mehr ein Gefühl als konkrete Handlungen zurück. Das braucht es allerdings auch nicht, denn die Emotion ist zumeist stärker als der Verstand. Eine Empfehlung für jeden Fan und Interessierte der Figur Wonder Woman. So kompakt und künstlerisch divers wird es sie wohl selten wieder geben.


Wonder Woman – Schwarz & Gold

Handlung

Die Storys dieser Anthologie für alte und neue Fans setzen auf eine ganz besondere Optik und in jederlei Hinsicht auf Vielfalt. Sie zeigen die mutige Amazonen-Prinzessin aus unterschiedlichen und teils neuen Perspektiven: als Kriegerin im Reich der alten Götter, als Kämpferin für Gerechtigkeit im Zweiten Weltkrieg, als Verfechterin der Gleichberechtigung in der modernen Welt, als Superheldin an der Seite von Gefährten wie Batman und immer auch von ihrer menschlichen Seite!

(Quelle: Panini Comics)

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 10.05.2022
Originalausgaben: Wonder Woman: Black and Gold 1–6
Seitenzahl: 276
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Lars Hünerfürst
Musiker, Texter und Mensch, lebend in Berlin.