Review

Fulminant startete die neue „Wonder Woman“ von Ehepaar Meredith und David Finch. Dabei gelang es, sowohl auf die vorherigen Entwicklungen von Brian Azzarello einzugehen, als auch ihren eigenen Fingerabdruck zu hinterlassen. Nach der ersten Bewährungsprobe von „Wonder Woman – Göttin des Krieges“ geht es für die Amazonenkönigin, Königin und Mitglied der Justice League nun auf in Runde 2.

Zentrales Element dieser Erzählung bleibt dabei weiterhin der innere Zwist, den Diana mit sich selbst ficht. Dennoch versucht sie, der verlorenen Tochter Donna Troy eine Richtung zu weisen. Sich von alten Fehlern und Wegen abzuwenden, neue Hoffnung zu schöpfen – das scheinen beide Frauen gut gebrauchen zu können. Allerdings fruchten die Versuche kaum.

Währenddessen lenkt sich Wonder Woman mit etwas typisch Weiblichem ab: Ein neues Outfit. Der Haus- und Hofschmied des Olymps Hephaistos schuf ihr eine Rüstung, welche Diana als die Frau zeigt, die sie geworden ist. (Glücklicherweise erwächst aus diesem pathetischen Monolog und der recht flachen Idee eine wirklich vernünftige Rüstung! Endlich muss die Heldin nicht mehr im Badeanzug Bösewichte vermöbeln!)

Nachdem sich beim Leser die Aufregung über weniger nackte Haut gelegt hat, geht es storytechnisch endlich in die Vollen. Nach und nach wird ein neuer Antagonist enthüllt, ein junger Bursche, der Diana nach der Göttlichkeit trachtet. Anscheinend stellt er sich dabei – auch dank mysteriöser Unterstützung – äußerst geschickt an, denn mehr als einmal gelingt es dem Jüngling, Wonder Woman zu übertölpeln. Diese ist allerdings auch etwas abgelenkt, denn Donna gelang die Flucht aus dem olympischen Gefängnis. Mal wieder versucht sich die unerfahrene Göttin aufzuteilen, dabei scheint ihr alles jedoch nicht ganz gelingen zu wollen. Nach vielen mütterlich erhobenen Zeigefingern und diplomatischen Gesprächen folgt dann das Grande Finale auf offener Straße. Statt anschließend die übrigen Fragezeichen auf den letzten Seiten zu klären, endet der Band mit einem kleinen Gekabbel von Wonder Woman und Cheetah (und ohne die optische Unterstützung von David Finch).

Storytechnisch muss man an dieser Stelle also leider ein paar Abstriche machen. Manches bleibt einfach unklar, auch wenn das natürlich nachgeholt werden kann. Warum allerdings Wonder Woman immer zurückhaltender und unsicherer wird, erschließt sich nicht so recht; schließlich will sie auf der einen Seite unschuldige Leben beschützen, vermag aber gegen einen wild umherschießenden Bösewicht nicht einmal die Faust zu erheben. Zähneknirschend muss der Leser hier zusehen, wie zwar einiges Blut tropft, es aber immer die falschen trifft. Obwohl Meredith Finch an einigen Stellen durchaus Mut im Umgang mit der Amazone und ihrer Mythologie bewiesen hat, leidet Wonder Woman in Band 2 eindeutig an Ladehemmung. Die „Göttin des Krieges“ scheint noch nicht vollständig erwacht zu sein.

Wenige, dafür nur lobende Worte bleiben schließlich für die Zeichnungen. Jede Seite besticht durch ein ausgewogenes Maß an Schönheit und Kraft. Auch die emotionale Seite, welche durch die Story bereits enthüllt wird, vermag er durch entsprechende Mimik zu unterstützen. Optisch darf es also gerne genau so weitergehen – nur die Story und ganz besonders die persönliche Entfaltung der „Göttin des Krieges“ bedürfen noch einiger Entwicklung. Mal sehen, wie es im nächsten Band weitergeht.

Handlung

Wonder Woman ist die Göttin des Krieges – und die neue Herrscherin der Amazonen, nachdem sie all ihre Gegnerinnen aus dem Feld geschlagen hat. Darum erhält sie eine neue Rüstung! Doch dann taucht ein bisher unbekannter Gegner auf – Ägeus, der mit göttlicher Macht und goldenen Pfeilen Jagd auf sie macht. Und Donna Troy gelingt die Flucht zur Erde.

(Quelle: Panini Comics)

Autorin & Zeichner

Meredith Finch
ist eine kanadische Comicautorin.

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David Finch
(*4. Juli 1971) ist ein kanadischer Comicautor und -zeichner.

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Details

Format: Softcover
Veröffentlichung: 07.06.2016
Seitenzahl: 172
Storys: Wonder Woman 41-47
ISBN: 978-3957987389
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Comics



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer