Review

Aus der Amazonenprinzessin Diana, bekannt als Wonder Woman, hat sich im Lauf ihrer Karriere schon einiges entwickelt, besonders die Ereignisse aus dem sechsteiligen Erzählzyklus von Brian Azzarello haben ihre Spuren hinterlassen und liefern für darauf aufbauende Erzählungen einige Vorzeichenwechsel. Ehepaar Meredith und David Finch übernehmen nun in „Wonder Woman – Göttin des Krieges“ den olympischen Fackelstab. Hoffentlich verbrennt sich Neuautorin Meredith Finch nicht an dieser großen Aufgabe die Finger …

Dank der einführenden Worte (von Christian Endres), erfährt der Leser zunächst nochmals die wichtigsten Eckdaten: Von der Amazonenprinzessin wurde Diana zur Königin, nachdem ihre Mutter Hippolyta in eine Lehmfigur verwandelt wurde, wobei Diana immer noch Hoffnung hat, diesen Zustand wieder rückgängig zu machen. Außerdem übernimmt sie nach ihrem Sieg über Ares auch die Rolle der Göttin des Krieges. Schließlich ist sie natürlich noch ein fester Bestandteil der Justice League (die auf den folgenden Seiten wieder stärker eingebunden werden soll), sowie die Frau an der Seite von Clark Kent alias Superman. (Kurz gesagt: Leser von Azzarellos Wonder Woman wissen also schon ganz genau, womit sich die Heldin wohl herumschlagen muss.)

Auch wenn eine (Halb-)Göttin mit ihren Superkräften natürlich andere Voraussetzungen hat als ein Normalsterblicher, hat Azzarello seiner Wonder Woman hier einiges zugemutet. Und genau an diesem neuralgischen Punkt setzt der erste Band der Finchs an.

Wonder Woman ist zerrissen zwischen all ihren Aufgaben. Unbekannte böse Mächte schlachten ganze Dörfer ab, ihre Amazonenschwestern rebellieren, weil Diana entschied, dass die Brüder und Söhne der Amazonen auf der Paradiesinsel leben dürfen, und die neue Rolle als Göttin des Krieges beherrscht sie ebenfalls nicht wirklich. Letzteres führt dazu, dass die Paradiesinsel regelmäßig von Ares‘ Kreaturen angegriffen wird. Während es an allen Ecken brennt (und Superman ihr auch nicht wirklich helfen kann), wird als Kirsche auf dem Sahnehäubchen hinter ihrem Rücken auch eine Intrige geplant: Die mysteriöse Donna Troy soll die neue Königin der Amazonen werden.

Eindrucksvoll wird hier bewiesen: Sogar bei Frauen hat Multitasking seine Grenzen. Wobei ehrlich gesagt Frau Finch hier mit den einzelnen Elementen erstaunlich gut jongliert.

Leseprobe aus "Wonder Woman - Göttin des Krieges 1" (Copyright: Panini Verlag)

Leseprobe aus „Wonder Woman – Göttin des Krieges 1“ (Copyright: Panini Verlag)

Mehrere Storystränge, actionreiche (und mitunter auch gewalttätige) Szenerien, eine gute Verknüpfung zu Azzarellos Vorarbeit und – besonders großartig dargestellt – der innere Kampf der Superheldin machen „Wonder Woman“ zu einem grandiosen Auftakt, dem es storytechnisch an nichts fehlt. Dass es sich bei dieser Geschichte erst um die zweite Veröffentlichung der Autorin handelt, zeugt dabei von einigem Talent.

Ebenfalls talentiert wie immer setzt David Finch diese starke und zugleich emotionale Heldin in Szene. Zugegeben, dabei spielen Schönheit und weibliche Rundungen keine untergeordnete Rolle, allerdings bekam Diana eben auch den Segen der Aphrodite. Damit macht auch die übermenschliche Darstellung der emanzipierten Protagonistin keinen Strich durch die Rechnung. Herausragend sind außerdem die zweiseitigen Panels, die es in cineastischer Manier so richtig krachen lassen. Aber auch sonst bestechen die Zeichnungen nicht nur durch die Schönheit der Protagonistin, sondern ebenfalls durch Detailreichtum und stimmungsvolle Hintergründe.

Kurz gesagt: Weder Meredith noch David Finch haben sich am heißen Eisen verbrannt. Diese Wonder Woman ist weder schmückendes Beiwerk noch stereotyp – sie setzt ihren eigenen Willen durch. Bitte mehr davon!

Handlung

Start der neuen Serie: Wonder Woman ist nicht nur Mitglied der Justice League, als Göttin des Krieges und Königin der Amazonen steht sie zudem vor mehr Herausforderungen denn je! Während ihre Schwestern Verrat an ihr üben und ihr den Thron streitig machen, kämpft Wonder Woman an der Seite von Batman und Co. gegen eine mysteriöse Gefahr, die die gesamte Menschheit bedroht …

Mit Superman, Batman und der Justice League.

(Quelle: Panini Comics)

Autorin & Zeichner

Meredith Finch
ist eine kanadische Comicautorin.
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David Finch
(*4. Juli 1971) ist ein kanadischer Comicautor und -zeichner.
David Finch – Homepage

Details

Format: Softcover
Veröffentlichung: 01.03.2016
Seitenzahl: 156
Storys: Wonder Woman 36-40, Annual 1
ISBN: 978-3957987648
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Comics



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer