Review

Diana in der Endzeit

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber nach der verkorksten zweiten (Kino-)Verfilmung über die Prinzessin von Themyscira, „Wonder Woman 1984“, bin ich doch mehr als froh, mich wieder Daniel Warren Johnsons Arbeit an Wonder Woman zu widmen.

Mit dem Band „Wonder Woman: Dead Earth 4 (von 4)“ liegt nunmehr das Finale der Black Label-Reihe vor und dieses verlangt der Amazone herzzerreißende Entscheidungen ab.

Eine bizarre Szenerie

Zu Beginn der Saga erwachte Wonder Woman in einer menschenverlassenen Bat-Höhle aus dem Kälteschlaf, ohne Erinnerung, wie sie dorthin gekommen war („Wonder Woman: Dead Earth 1 (von 4)“). Anschließend streifte sie durch die Einöde einer Mad Max-artigen Welt, einem Albtraum aus Gewalt, Blut, Ödnis und Pervertierung.

Erst nach einiger Zeit fand sie heraus, dass vor etlichen Jahren ein verheerender Krieg zwischen den Menschen und ihrem Volk der Amazonen gewütet hatte. In diesem gnadenlosen Gefecht schossen die Menschen schließlich Atomraketen auf Themyscira ab, wodurch ein Großteil der Zivilisation ausgelöscht wurde und die Amazonen sich in abstoßende Monster verwandelten. Die tief verstörte Amazonenprinzessin gab dem Mann aus Stahl die Schuld an den Ereignissen, schlug ihn mit bloßen Händen zu Brei und nahm ihm das Leben („Wonder Woman: Dead Earth 3 (von 4)“).

Vor der neuerlichen Entscheidungsschlacht zwischen den verbliebenen Menschen und den Amazonenmonstern besinnt sich Diana wieder auf ihre angestammte Rolle als Vermittlerin zwischen den Völkern. Bewaffnet mit Supermans Rückgrat und reitend auf einem geflügelten Pferd zieht sie in den Kampf gegen ihre Mutter Hippolyta sowie ihre Amazonen-Schwestern.

Verschwitztes und verdrecktes Finale

Daniel Warren Johnson legt ein für seine postapokalyptische Wonder Woman-Saga passendes Finale vor.

Leseprobe aus „Wonder Woman: Dead Earth 4 (von 4)“. (Copyright: Panini Comics)

Die Prinzessin von Themyscira nimmt ihre frühere Rolle als Hoffnungsträger der Menschheit wieder an – symbolisch ausgestattet mit dem Rückgrat des Stählernen, der diese Rolle so lange ausgefüllt hatte. Dabei war Diana selten in ihrer ruhmreichen Geschichte so wenig eine Prinzessin und so sehr eine brachiale Kriegerin wie bei Johnson. Auf einer gnadenlosen Endzeitoberfläche ist Wonder Woman – in jeder Hinsicht glaubhaft – der Spitzenprädator. Und dennoch hat der Autor und Zeichner ein feines Gespür für die menschlichen Zwischentöne seiner Figur. Er vernachlässigt nicht die innere Zerrissenheit Wonder Womans angesichts der Entwicklung des Konflikts.

Zugegebenermaßen ist die Endzeit-Saga womöglich ein Buch zu lang, wodurch sich der Showdown bisweilen wie ein sehr langer Epilog anfühlt. An der einen oder anderen Stelle hätte die Geschichte entweder etwas gestrafft werden können oder etwas mehr Fleisch auf den Rippen vertragen. An dem positiven Gesamteindruck, den die Wonder Woman-Saga hinterlässt, vermag dies aber nichts zu ändern. Insbesondere visuell ist Daniel Warren Johnson bis zum Ende eine herrliche Abwechslung vom Mainstream-Allerlei, die perfekt mit der endzeitlichen, hemmungslosen Heldenreise harmoniert.

Fazit

Von Anfang bis Ende ein gekonnt inszeniertes Endzeitspektakel mit einer „Bad Ass“-Wonder Woman.


Wonder Woman: Dead Earth: Bd. 4 (von 4)

Inhalt

Das große Finale der eigenständigen postapokalyptischen Wonder Woman-Saga unter dem Black Label

Um die tote Erde nach dem Untergang der Zivilisation zu retten, stürzen sich Diana und ihre Verbündeten in die letzte Schlacht zwischen Amazonen und Menschen .…

(Quelle: Panini Comics)

Künstler

Daniel Warren Johnson
ist ein Comicautor, Künstler und Illustrator. Er arbeitete an Titeln für Verlage wie Marvel, DC, Dark Horse und Image. Seine aktuelle Serie ist „Extremity“, ein Sci-Fi-/Fantasy-Titel.

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Details

Format: Hardcover
Veröffentlichung: 09.02.2021
Originalausgaben: Wonder Woman: Dead Earth 4
Seitenzahl: 52
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Comics



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)