Review

Wie die Geier umkreisen die Zamonien-Fans Walter Moers und hoffen endlich auf „Das Schloss der Träumenden Bücher“. Warum endete „Das Labyrinth der träumenden Bücher“ auch bloß mit einem riesigen Cliffhanger? Tja, stattdessen kam „Prinzessin Insomnia“, das zumindest mich überhaupt nicht mitgenommen hat. Von daher bin ich immerhin froh, dass „Weihnachten auf der Lindwurmfeste oder: Warum ich Hamoulimepp hasse“ mit Illustrationen von Lydia Rode, nun ein bisschen zamonisches Zauberpulver verstreut.

Ein weiteres Zamonien-Werk in schöner Optik

Damit liegt ein weiteres Zamonien-Werk, eine Übersetzung eines Briefes von Hildegunst von Mythenmetz an seinen alten Freund Hachmed Ben Kibitzerin gebundener Form vor.

Auffällig wie immer: Schön sieht das (zugegeben nicht besonders umfangreiche) Buch aus mit seinen knapp 100 Seiten – und jede einzelne im typischen Stil illustriert. Zu sehen gibt es dieses Mal beispielsweise Pflansekten, Felsengeiereier, Rostige Gnome und Trilobitensuppe.

Mit den vorangestellten Seiten zu den beteiligten Personen und den taxonomischen Tafeln am Schluss gibt es rund 45 Seiten mit mehr Bild als Text zum Stöbern.

Weihnachten auf der Lindwurmfeste

Hildegunst selbst gibt zunächst Auskunft über den Anlass seines Briefes: Während er sich auf der zamonischen Nordmeerinsel Eydernorn zur Kur befindet, besinnt er sich darauf, dass gerade, als er den Brief verfasst, auf der Lindwurmfeste Hamoulimepp gefeiert wird. Hamoulimepp wäre wohl am ehesten mit unserem Weihnachtsfest vergleichbar, stellt Übersetzer Moers fest. Es gibt traditionelles Essen, Geschenke, berauschende Getränke, Sagen, Märchen und noch einiges mehr, über das sich ein Lindwurm von Welt so aufregen kann.

Da wäre beispielsweise eine Verpackungsunsitte: Die Geschenke, welche der Hamouli gemeinsam mit dem Mepp und den Wichteln bringt ‑ natürlich nur den braven Lindwurmkindern! ‑ werden in bemalten Felsengeiereiern untergebracht. Diese gigantische Raubvogelart, welche die Lindwurmfeste einst in Scharen bevölkert hat, ist nun vom Aussterben bedroht. Das kommt uns doch irgendwie bekannt vor, oder?

Man kann beim Lesen schon nachfühlen, warum sich Moers an Weihnachten erinnert fühlt. Jeder kennt wohl mindestens einen Weihnachtsbrauch, der ihn in den Wahnsinn treibt. Wobei bei vielen Lesern vermutlich Weihnachtsfreude überwiegt; wer würde denn sonst ein Buch zum Thema Weihnachten kaufen?

>Grinch< Hildegunst

Hildegunst ist allerdings eher ein Grinch, gelinde gesagt. Gut, am Schluss findet er doch ein, zwei nette Nettigkeiten an Hamoulimepp, aber zuvor muss man einige Nervigkeiten ertragen. Dennoch ist die Lektüre kurzweilig, was nicht zuletzt an Moers selbst liegt, denn hier trifft er mal wieder den Grad zwischen Sprachfreuden und Auflistungen, ohne selbst ins Nervige abzudriften (wie es bisweilen bei „Prinzessin Insomnia“ der Fall war).

Wermutstropfen: Die Kürze

Wermutstropfen dieses Mal: Die Kürze.
Warum ist es so wenig? Nur 100 Seiten, davon fast die Hälfte mit (zugegeben schönen!) Zeichnungen, und die übrige Hälfte auch eher dezent beschrieben.

Fazit

„Weihnachten auf der Lindwurmfeste“ ist daher ein gelungener literarischer Snack zur Weihnachtszeit.
Sogar ein Geschenk bringt das Büchlein mit, denn auf den letzten Seiten dürfen wir – in einer Leseprobe zu „Der Bücherdrache“ – kurz zurück nach Buchhaim!

Trailer

Inhalt

Als Walter Moers den Briefwechsel zwischen Hildegunst von Mythenmetz und dem Buchhaimer Eydeeten Hachmed Ben Kibitzer sichtete, stieß er auf einen Brief, in dem der zamonische Autor ein Fest schildert, das Moers frappierend an unser Weihnachtsfest erinnert hat. Die Lindwürmer Zamoniens begehen es alljährlich und nennen es „Hamoulimepp“. Während dieser drei Feiertage steht die Lindwurmfeste ganz im Zeichen der beiden Figuren „Hamouli“ und „Mepp“, die unserem Weihnachtsmann und dem Knecht Ruprecht verblüffend ähneln. Außerdem gehören zur Tradition Hamoulimeppwürmer, Hamoulimeppwurmzwerge, ungesundes Essen, ein Bücher-Räumaus, ein feuerloses Feuerwerk und vieles andere mehr. Laut Moers, kein Freund der Weihnachtsfeierei, gibt dieser Brief von Mythenmetz einen profunden Einblick in die Gebräuche einer beliebten zamonischen Daseinsform, der Lindwürmer. Nie war Weihnachten so zamonisch.

(Quelle: Penguin Verlag)

Autor

Walter Moers
ist der Schöpfer vieler erfolgreicher Welten und Charaktere. Von ihm stammen unter anderem die Comicwelten um „Das kleine Arschloch“ und dem „Alten Sack“, „Adolf, die Nazisau“ und die Figur des Käpt`n Blaubär. Seit fast 20 Jahren schreibt er fantastische Romane, die auf dem Kontinent Zamonien spielen. Dazu gehören unter anderem die internationalen Bestseller „Die 13 ½ Leben des Käpt`n Blaubär“, „Die Stadt der Träumenden Bücher“ und zuletzt „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“. „Prinzessin Insomnia“ ist der siebte Zamonienroman.

(Quelle: Knaus Verlag)

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Details

Format: Hardcover, Pappband mit Schutzumschlag
Vö-Datum: 23.11.2018
Seitenzahl: 112
ISBN: 978-3-328-60071-8
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Penguin Verlag

Copyright Cover: Penguin Verlag



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer