Review

Zum Glück haben sie es wieder getan. Volker Klüpfel und Michael Kobr haben mit „Grimmbart“ endlich den langersehnten achten Band der Krimireihe um ihren kauzigen Kommissar Kluftinger veröffentlicht.

Dieses Buch setzt die Erfolgsgeschichte des kultigen Ermittlers in der gleichen, enorm hohen Qualität fort, die schon die ersten sieben Bände ausgemacht hat. Erneut ist es vor allem die Kombination aus überspitzten Allgäu-Klischees, intelligentem Witz und einem spannenden Mordfall, welche die Leser an dieses Buch fesseln wird.

Kluftinger ist in „Grimmbart“ gleich mit zwei großen Baustellen beschäftigt: Zum einen die Hochzeit seines Sohnes mit seiner japanischen Freundin und zum anderen ein mysteriöser Mordfall in einem alten Schloss, bei dem ein Gemälde eine ungewöhnliche Schlüsselrolle spielt.

Der Krimiplot ist hervorragend ausgearbeitet und überzeugt insbesondere durch immer wieder integrierte überraschende Wendungen. Zudem setzt das Autorenduo auf klassische Ermittlungsarbeit, was vor allem Fans „klassischer“ Krimis begeistern dürfte. Überraschende Wendungen in der Ermittlung werden mit Kluftingers Instinkt begründet, wodurch die Handlung stets plausibel und nachvollziehbar bleibt. Generell gilt, dass – obwohl der Fall sehr bizarr ist – Klüpfel und Kobr es hervorragend verstehen, ihren Fall authentisch wirken zu lassen, was für viel Vergnügen beim Lesen sorgt.

Doch auch die Nebenhandlung hat es in sich. Wie in den ersten Bänden spielt nämlich auch das Privatleben des Protagonisten eine sehr wichtige Rolle in diesem Buch. Neben den bereits etablierten permanenten Konflikten zwischen Kluftinger und Dr. Langhammer ist es in diesem Buch die Hochzeit seines Sohnes, die den Kommissar auf Trab hält. Dabei werden banalste Situationen wie beispielsweise der Kauf eines Anzuges zu einem Feuerwerk der Gags ausgebaut, welches sich über mehrere Seiten erstreckt, trotzdem aber hervorragend in dieses Buch passt. Zudem werden auf humorige Art und Weise die Konflikte zwischen Kluftinger und den japanischen Eltern der Braut beschrieben, was ebenfalls regelmäßig für Lachtränen sorgt.

Volker Klüpfel & Michael Kobr (Copyright: Finepic / Helmut Henkensiefken)

Volker Klüpfel & Michael Kobr (Copyright: Finepic / Helmut Henkensiefken)

Doch „Grimmbart“ sackt zu keinem Zeitpunkt ins Lächerliche ab, da die Komik dieses Buches niemals überzogen oder plump wirkt. Die Autoren setzen eher auf situationsbedingten Humor, der in der einen oder anderen Art jedem in seinem Alltag widerfährt. Bei Kluftinger ist es halt ungewöhnlich oft der Fall.

Wie bereits in den ersten Bänden ist es von der ersten bis zur letzten Seite eine Freude, dieses Buch zu lesen und am Ende wird man bei der Aufklärung des Falles mit einem grandiosen Finale belohnt.
Wer noch keinen Band dieser Reihe gelesen hat, kann dennoch bedenkenlos zugreifen, denn wie bei allen Kluftinger-Romanen handelt es sich auch bei „Grimmbart“ um eine in sich abgeschlossene Geschichte. In die Rahmenbedingungen kommt man relativ schnell rein, da die Charaktere allesamt so genial ausgearbeitet wurden, dass sie sich selbst erklären können. Doch Vorsicht: Diese Reihe besitzt ein unglaubliches Suchtpotenzial, sodass der spätere Kauf der fehlenden Bände so gut wie sicher ist.

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Inhalt

Kluftingers neuer Fall führt ihn ins Schloss in Bad Grönenbach, wo ihn allerlei Merkwürdiges erwartet: Die Frau des Barons wurde nicht nur ermordet, sondern auch noch wie auf einem uralten Familienporträt hergerichtet. Auf dem Gemälde ist ein Mann mit seltsam gelben Augen zu sehen. Und der Baron verschwindet immer wieder im schlosseigenen Märchenwald. Auch privat geht es bei Kluftinger märchenhaft zu: Sein Sohn heiratet, und zur Feier haben sich die Schwiegereltern aus Japan angesagt. Zum Glück lässt Kluftingers Intimfeind Langhammer nicht lange auf sich warten, um dem Kommissar bei dieser kulturellen Herausforderung zu helfen.

(Copyright: Droemer Verlag)

Autoren

Volker Klüpfel teilt mit Kluftinger den Heimatort Altusried. Doch den ehemaligen Journalisten hat es beruflich nach Augsburg verschlagen. Dort lebt er nach wie vor mit seiner Familie, auch wenn ihn sein Beruf nun nicht mehr in die Kulturredaktion der Augsburger Allgemeinen, sondern an seinen Autoren-Schreibtisch führt. Studiert hat Klüpfel, Jahrgang 1971, Politik und Geschichte in Bamberg, arbeitete dann bei einer Zeitung in den USA und vertreibt sich seine Zeit mit Sport und Theater – entweder als Zuschauer oder als Mitspieler bei den Freilichtspielen in Altusried. Wie Kommissar Kluftinger.

Michael Kobr, geboren 1973 in Kempten im Allgäu, studierte Germanistik und Romanistik in Erlangen. Er arbeitete nach dem Staatsexamen an verschiedenen Realschulen in Bayern, momentan aber ist er beurlaubt – um sich dem Schreiben der Romane, den Shows und der Familie widmen zu können. Kobr wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern im Allgäu.

(Copyright: Droemer Verlag)

Kluftinger – Homepage
Kluftinger – Facebook

Reihe

Die „Kommissar Kluftinger Reihe“:

– Milchgeld
– Erntedank
– Seegrund
– Laienspiel
– Rauhnacht
– Schutzpatron
– Herzblut
– Grimmbart

Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 20.09.2014
Seitenzahl: 480
ISBN: 978-3-426-19938-1
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Droemer Verlag

Copyright Cover: Droemer Verlag



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.