Review

Vincent Voss ist ein deutscher Autor, der – absolut zu Unrecht – noch relativ unbekannt ist. Wir haben uns bereits ausführlich sein Buch „Töte John Bender!“ angeschaut (das entsprechende Review findet ihr hier) und nun wird es Zeit für ein früheres Werk dieses Autors, nämlich „172,3“.

Hierbei handelt es sich nicht um eine Radiofrequenz, sondern um eine Gewichtsangabe, denn in diesem Buch spinnt Vincent Voss einen ziemlich irren Gedanken. Was wäre, wenn sich das Gewicht, welches man bei einer Diät verliert, irgendwo irgendwie manifestieren würde? Diese Frage muss sich der Autor im Vorfeld der Arbeit an diesem Buch gestellt haben. Das Ergebnis ist extrem lesenswert.

Viktor Vogel ist ein ganz normaler Mensch, der eine wundervolle Familie besitzt und auch mit seinem Job als Berufsschullehrer sehr zufrieden ist. Nur eines stört ihn: Sein Gewicht! Vogel wiegt 172,3 Kilogramm und ist aufgrund dieser Zahl massiven Anfeindungen im Alltag ausgesetzt. Doch eines Tages hat er genug davon. Bei einem Picknick mit seiner Frau schwört er sich, dass er nun abnehmen wird. Unglücklicherweise verletzt er sich während dieses Schwurs im Wald, was für ihn nicht absehbare Folgen hat. Er meldet sich bei den Weight Watchers an und verliert tatsächlich immer mehr Gewicht. Komischerweise plagen ihn mit zunehmendem Gewichtsverlust merkwürdige Fantasien und nach einiger Zeit sterben in seinem Umfeld immer mehr Menschen auf merkwürdige Art und Weise …

Vincent Voss (Copyright: Vincent Voss)

Vincent Voss (Copyright: Vincent Voss)

So weit die Story dieses Buches. Abgesehen davon, dass die Idee wirklich gut ist, wurde die Geschichte hervorragend ausgearbeitet. Vincent Voss nimmt sich auf den ersten Seiten viel Zeit, dem Leser seine Figuren vorzustellen, was dafür sorgt, dass man sich perfekt mit ihnen identifizieren kann. Dieser Prozess fällt keineswegs langweilig aus, sondern ist recht unterhaltsam verpackt. Ab einem gewissen Punkt macht sich dann der Horror in „172,3“ breit. Dies passiert sehr schleichend, was zwei Effekte zur Folge hat: Zum einen kann man sich immer mehr mit dem Protagonisten identifizieren, da dieser auch nicht wahrhaben möchte, was da passiert. Zum anderen wird man ziemlich effektiv an dieses Buch gebunden, da man „172,3“ spätestens dann, wenn wundersame Dinge passieren, nicht mehr aus der Hand legen kann.

Obwohl „172,3“ ziemlich fiktional ist und auch Dämonen eine zentrale Rolle in diesem Buch spielen, hat Vincent Voss sehr viel Wert darauf gelegt, seine Story durchgehend glaubhaft zu halten. Entsprechend verhalten sich die Figuren, was wiederum ein ziemlich geniales Leseerlebnis nach sich zieht, denn man beginnt sich unweigerlich zu fragen, was wäre, wenn die Geschichte einen Funken Wahrheit beinhaltet.

Obwohl dieses Buch – für Horrorliteratur-Maßstäbe – recht langsam beginnt, fließt in „172,3“ eine Menge Blut. Dies passiert aber erst dann, wenn die Handlung eskaliert. Jedoch ist das Buch bis dahin nicht langweilig – ganz im Gegenteil: „172,3“ macht von der ersten bis zur letzten Seite jede Menge Spaß.

Zusätzlich zur Geschichte findet man in „172,3“ immer wieder wirklich gut gelungene Zeichnungen, welche die gerade ablaufende Szene schön einfangen. Diese sorgen dafür, dass man sich das Geschehen auch bildlich ziemlich gut vorstellen kann.

Inhalt

Vor langer Zeit … lag Unheil über einem kleinen Dorf bei Lübeck. Dunkle Mächte – in Gestalt eines fleischgewordenen Wunsches – bedrohten die Dorfgemeinschaft und trieben sie zu einem grausamen Mord. Heute … wiegt Viktor Vogel 172,3 Kilogramm. Er wagt einen letzten Versuch, endlich abzunehmen und besiegelt diesen Schwur unfreiwillig mit seinem Blute an jenem unheiligen Ort. Erneut erwacht das Böse und nährt sich an Viktors Pfunden. Unheimliche Vorkommnisse begleiten fortan sein Leben und Viktor begreift: Abnehmen kann tödlich sein! Für ihn und alle, die er liebt!

(Copyright: Luzifer Verlag)

Autor

Meine Abirede hat mich 1992 zum Schreiben gebracht. Aufgabe im Deutsch Leistungskurs war, eine freie Interpretation der Lorelei von Heinrich Heine vorzustellen. Diese hat es bis zum Abschlussfest gebracht. Seitdem schreibe ich. Ich studierte in Hamburg Kulturwissenschaften, bin Geschäftsführer eines gemeinnützigen Vereins der in der Kinder-und Jugenpflege tätig ist und Vater zweier Kinder. Mein Studium und meine zahlreichen Tätigkeiten (Tankwart, Aushilfe in einer Aluminiumverarbeitung, Marktverkäufer, Pflegehelfer auf einer akutpsychiatrischen Station, SAP-Logist in einem Telekommunikationsunternehmen, Call-Center-Agent, Pädagoge, Sänger einer Terrorjazzband, Altenpfleger, Bestatter, Türsteher, Fotografenassistent und Bodygard, Packer) haben mich zu Erlebnissen und Beobachtungen geführt, von denen ich beim Schreiben zehre. Ich lebe glücklich mit meiner Familie im Norden Hamburgs und mag mich gerne gruseln.

(Copyright: Vincent Voss)

Vincent Voss – Homepage

Details

Format: Broschiert
Vö-Datum: 20.06.2012
Seitenzahl: 234
ISBN: 978-3-943408-06-5
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Luzifer Verlag

Copyright Cover: Luzifer Verlag



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.