Review

Nur Zähne, Augen und Zunge! 

Der neue Oberschurke Meridius („Venom: Erbe des Königs 1“) und die geheimnisvolle Gruppe (?) „Absent Throne“ haben einen Pakt mit der skrupellosen Life Foundation geschlossen. Nach den Ereignissen aus „King in Black“ („King in Black 4: Wiederauferstehung“, „Venom 8: Der König in schwarz“) bilden diese eine Vereinigung, welche die Symbionten aus dem Volk der Klyntar für ihre Waffentechnologie nutzen wollen.

Durch die finstere Symbiose mit dem Venom-Symbionten ist dem jungen Dylan Brock die Flucht aus der Gefangenschaft bzw. aus dem Labor gelungen. Sein Vater Eddie hatte ihm hinsichtlich der folgenschweren Symbiose mit dem Alien aus dem Zeitstrom missverständliche Botschaften hinterlassen. Angesichts seiner verzweifelten Situation weiß Dylan nicht mehr, wem er trauen kann und wem nicht. Einzig die Symbionten Sleeper, der vorzugsweise als Katze in Erscheinung tritt, sowie Venom, Eddies „Anderer“, begleiten den Jungen. Dylan findet Unterschlupf in der Bar eines ehemals gesetzlosen Bikers und gerät dort in einen „Rocker-Krieg“. In diesem Zusammenhang tritt der Nachwuchsheld wahrlich das Erbe seines Vaters an und tritt als brutaler Antiheld und tödlicher Beschützer auf.

Unterdessen sehen wir in den weiteren Kapiteln Eddie, der nach seinem vermeintlichen Ableben durch den gesamten Zeitstrom wandelt. Eine Begegnung mit Kang dem Eroberer sorgt nur sehr vorübergehend für Klarheit. Nach und nach stellt Eddie fest, dass seine gottgleichen Fähigkeiten ihm nicht helfen können; er ist im Zeitstrom gefangen. Außerdem offenbart sich eine Wahrheit über Meridius, die ihn in den Wahnsinn zu treiben droht.

Aus einem anderen Blickwinkel 

Dylan und Eddie Brock, allerhand Symbionten, Kang der Eroberer, Zeitreisen, ein Biker-Bandenkrieg – die Autoren Al Ewing und Ram V tischen auch im zweiten Band der neuen Reihe reichlich Figuren und Themen auf. Angesichts dessen, dass die „Venom“-Serie unter dem Vorgänger Donny Cates heiß wie Höllenfeuer war, muss man jedoch auch konstatieren, dass vorliegend eine gewisse ernüchternde Abkühlung einsetzt. Aber der Reihe nach.

Recht unvermittelt gelingt Dylan Brock nach der Verbindung mit Venom die Flucht aus der Gefangenschaft. Als neuer „Tödlicher Beschützer“ gerät der junge Mann zwischen die Fronten eines Bandenkriegs. Zugegebenermaßen treiben diese Kapitel die Handlung nicht erheblich vorwärts oder geraten sonderlich inhaltsreich. Dessen ungeachtet geht es hier actiongeladen zu und das Ganze wirkt wie eine – überschaubare – Hommage an Eddies Zeit in San Francisco („Venom: Tödlicher Beschützer“). Im Fokus steht dabei auch der Konflikt zwischen Dylan und Venom in Sachen Identitätskrise und Rollenfindung. Es stellt sich die Frage, ob sie Held, Antiheld oder Superschurke sein wollen.

Leseprobe aus „Venom: Erbe des Königs 2 – Durch Raum und Zeit“. (Copyright: Marvel Comics)

Der Titel des zweiten Sammelbandes – „Venom: Erbe des Königs 2 – Durch Raum und Zeit“ – macht im Übrigen bereits klar, wohin die Reise hier (auch künftig) geht. Allerspätestens mit dem Auftauchen von Kang dem Eroberer wissen wir, dass Zeitreisen auch in dieser Storyline (wieder einmal) eine erhebliche Rolle spielen werden. Ich bin über die Geschehnisse innerhalb des sogenannten „Zeitstroms“ nicht sonderlich begeistert. Denn wenn ein erzählerisches Stilmittel im Rahmen des Marvel-Kosmos überstrapaziert und überproportional häufig eingesetzt wird, dann ist es ohne jeden Zweifel die Bewegung in der Zeit. So sehen wir vorliegend einen Großteil des in Band 1 bereits Gelesenen aus Eddies neuem Blickwinkel, da er nach und nach versteht, dass er ein Gefangener des Schicksals ist. Wie zuletzt bereits bedauert, hätte ich den früheren Antihelden gerne – zumindest eine Weile – in seiner neuen Rolle als König in Schwarz gesehen. Wie gewonnen, so zerronnen. Jetzt ist Eddie Brock erst einmal wieder in der angestammten Rolle unterwegs: einsam, verzweifelt und zunehmend zornerfüllt wie rachsüchtig.

Nicht unter den Tisch fallen soll hier, dass Al Ewing und Ram V auch einen netten Twist in petto haben, der Meridius, das Monster Bedlam und die anderen Symbionten in dem „Garten“ am Ende des Universums betrifft. Angesichts der weitreichenden Folgen dieser Erkenntnis soll hier aus Spoiler-Gründen nicht weiter darauf eingegangen werden, mit welchem Wissen Eddie nunmehr in der Zukunft des Symbionten-Schwarmbewusstseins verweilt.

Fazit 

Zeitreisen können immer wieder für fesselnde und komplexe Geschichten sorgen. Bisweilen gelingt das auch im Hinblick auf den Neustart der „Venom“-Serie. Nichtsdestotrotz lässt sich eine gewisse Enttäuschung über die Fortsetzung der Ereignisse seit dem epischen Crossover „King in Black“ nicht verhehlen. Denn kaum ein erzählerisches Stilmittel ist im Rahmen des Marvel-Kosmos derart überstrapaziert, wie das Reisen durch Raum und Zeit. Angesichts der neuen Rollen von Dylan und Eddie Brock hätte es hier sicherlich auch vielfältige andere Anknüpfungspunkte gegeben.


Venom: Erbe des Königs 2

Inhalt

Der junge Dylan Brock hat sich mit dem Venom-Symbionten verbunden – jetzt jagen ihn die Life Foundation und der brutale Monster-Symbiont Bedlam! Dylans Vater Eddie, der King in Black, ist indes am Ende der Zeit gestrandet. Dort schmiedet der böse Meridius Pläne für Venom, die den gesamten Zeitstrom betreffen. Und jetzt trifft Eddie auch noch auf den Zeitreisenden Kang.

(Quelle: Panini Comics)

Details

Format: Softcover
Veröffentlichung: 06.12.2022
Originalausgaben: Venom (2021) 6–10
Seitenzahl: 116
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Comics



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)