Review

Ein Vermächtnis 

Jüngst war es tatsächlich so weit: Jason Aaron hat den Staffelstab überreicht und die Geschicke des Donnergotts in die – überaus fähigen – Hände von Marvels Shootingstar Donny Cates („Thor – König von Asgard 1: Herr der Zerstörung“) übergeben. Dabei dürfte sich Aaron gefühlt haben, wie ein Vater, dessen Nachwuchs sich langsam abnabelt.

So ganz konnte sich der derzeitige Avengers-Autor („Avengers 1: Galaktische Götter“, „Avengers 2: Die mächtigsten Helden der Welt?“) indessen auch nach rund sieben Jahren nicht von Asgard und den damit zusammenhängenden Figuren trennen. Denn Aaron setzt gemeinsam mit Autoren-Kollege Al Ewing seine Arbeit an Thors Freundin und Ex-Geliebten Jane Foster fort.

Vor einer Weile war Jane Foster noch Thor

Unter den Fittichen von Jason Aaron war Jane Foster jedoch noch weit mehr als eine junge Ärztin und Thors gute Freundin – sie war Thor, die Göttin des Donners, und Herrscherin über den machtvollen Uru-Hammer Mjolnir. Als der Odinsohn von seinem Hammer – und vor allem sich selbst – für unwürdig befunden wurde, vertrat Jane Asgards größten Krieger gar in den Reihen der Avengers („Avengers 1: Neue Helden“, „Thor #1“). Außerdem ging sie – einstweilen – eine Liaison mit dem seinerzeitigen Captain America Sam Wilson ein und überwand den Krebs.

Mit seiner Version von Thor Jane Foster lieferte Aaron nicht weniger als die Vorlage für Taika Waititis kommenden Film „Thor: Love and Thunder“.

Die letzte der Walküren

Nun warten jedoch neue Prüfungen und Herausforderungen auf die kampferprobte Jane. Im Zuge des Marvel-Crossovers „War of the Realms“ starben die Walküren samt Brunnhilde im Gefecht gegen den grausamen Dunkelelf Malekith; jene Wesen, die die gefallenen Krieger vom Schlachtfeld in die heiligen Hallen von Walhall führen. Nach dem Sieg verwandelte sich der Hammer aus einer alternativen Realität in einen Armschmuck bzw. in die Allwaffe Undrjarn und damit Jane Foster in die neue Heldin Valkyrie, die letzte der Walküren.

Im Auftaktband „Valkyrie – Jane Foster 1: Strahlender Todesengel“ bekam sie es dann gleich mit dem schurkischen Bullseye zu tun, der sich im Besitz eines machtvollen mystischen Artefakts befand.

Im nunmehr aktuellen Band „Valkyrie – Jane Foster 2: Kampf um Asgard“ gesellt sich zu den obigen Autoren noch die neue norwegische Co-Autorin Torunn Grønbekk hinzu. Dabei verfrachten Aaron, Ewing und Grønbekk die frischgebackene Heldin gleich in aufreibende Abenteuer: Als Valkyrie muss sie – gemeinsam mit Dr. Strange und anderen „Supermedizinern“ – den Tod alias Mistress Death vor ihrem eigenen Ableben retten; außerdem muss sie ein Komplott von Thors Bruder Tyr verhindern, der endlich die Rolle des Allvaters übernehmen und den Thron von Asgard besteigen will. Als Privatperson darf sich Jane Foster derzeit auch um die Toten kümmern. Aufgrund ihrer Überforderung mit dem neuen Doppelleben wird die Ärztin in die Leichenhalle strafversetzt.

Jason Aaron und Jane Foster bleiben uns erhalten

Leseprobe aus „Valkyrie – Jane Foster 2: Kampf um Asgard“.
(Copyright: Panini Comics)

Und das ist auch gut so. Den neuen Abenteuern rund um die Valkyrie merkt man die jahrelange Erfahrung an, die Jason Aaron mittlerweile mit einer Figur und Heldin hat, die er wahrscheinlich wie kein anderer geprägt hat. Routiniert schreibt der Autor mit Al Ewing und Torunn Grønbekk die nächsten Kapitel in der Geschichte von Jane Foster. Dabei sind diese im bekannten und bewährten Stil in Szene gesetzt. Die Erzählungen sind hinreichend düster und episch; wobei Valkyries sprechendes und geflügeltes Pferd Mr. Ross immer mal wieder für comic relief sorgt.

Bemängeln möchte man nur, dass das Kreativ-Team offenbar selbst nicht genug auf die Popularität und die gewachsenen Fähigkeiten seiner Heldin vertraut. Gefühlt in jedem Kapitel wird die neue Valkyrie den LeserInnen vorgestellt („Mein Name ist Jane Foster. Ich habe den Krebs besiegt und (…)“ und so weiter und so fort). Das ist schlicht nicht nötig. Im Übrigen erstaunt bisweilen die Überforderung von Jane. So hat diese zwar eine neue Rolle eingenommen, war aber immerhin eine ganze Weile eine abgeklärtere Hammerschwingerin, als es der Donnergott höchstselbst jemals war. Unter Bezugnahme darauf wäre die gesamte Figurenentwicklung wesentlich konsequenter und man gäbe der Heldin ihre angemessene Größe.

Die hiesigen Zeichnungen von CAFU, Pere Pérez sowie Ramon Rosanas haben womöglich nicht ganz die hervorragende Qualität derer eines Russell Dauterman oder eines Esad Ribic; sie sehen aber dennoch durchweg sehr gut aus. Für die Geschichte, die Heldin und deren Identität wäre es dennoch wünschenswert, dass nicht derart viele Künstler am Werk wären.

Fazit

Nachdem Donny Cates gekonnt den König von Asgard übernommen hat, führt Jason Aaron mit seinen Kolleginnen und Kollegen souverän die Geschicke von Jane Foster als neuer Valkyrie vor göttlicher Kulisse weiter.

Valkyrie: Jane Foster: Bd. 2: Kampf um Asgard

Inhalt

Thors gute Freundin Jane Foster ist die neue Valkyrie, die als Heldin über die Toten wacht. Als Mistress Death, der Tod des Marvel-Universums, zu sterben droht, tun sich Jane und Dr. Strange mit anderen Super-Medizinern zusammen und reisen ins Totenreich. Darüber hinaus stehen das Schicksal von Allvater Thor und allen Menschen der Erde auf dem Spiel …

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Jason Aaron
(geboren 1973) ist ein amerikanischer Comic-Autor.

(Quelle: Wikipedia)

Jason Aaron – Homepage | Jason Aaron – Facebook | Jason Aaron – Twitter

Al Ewing
ist ein britischer Comicautor.

Al Ewing – Twitter

Details

Format: Softcover
Veröffentlichung: 20.10.2020
Originalausgaben: Valkyrie 6-10
Seitenzahl: 116
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Comics



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)