Review

Wenn man zwanzig Dollar und eine Tasche voll mit Heroin in einem weitaus höheren Wert bei sich trägt, dann ist die Ironie unverkennbar und ein ganz mieser Tag vorprogrammiert. Mit „Tyler Cross“ erschuf Fabien Nury ein Szenario, das sich dem Gangster-/Mafia-Thema der 50er Jahre widmet – mit einem eiskalten Profi, der bereits im ersten Band der Reihe am falschen Ort zur falschen Zeit aufkreuzt.

Nach einem mehr oder weniger gescheiterten Auftrag findet sich Tyler Cross in der brütenden Sonne des Niemandslands wieder. Mit karger Ausrüstung unterwegs, gelangt er bald in die Stadt „Black Rock“. Diese befindet sich in den Händen eines Ölbarons und seiner Familie, dessen einzelne Mitglieder die Stadt auf ihre eigene Art und Weise steuern. Doch Tyler ist alles andere als willkommen und nebenbei soll sogar noch eine Hochzeit stattfinden, doch der Mittelsmann hat keinerlei Anlass zur Freude.

Das wohl Beste an „Tyler Cross – Black Rock“ ist, dass der Leser buchstäblich in die Story hineingeworfen wird. Nur ein paar Seiten erläutern die simplen Hintergründe, während es unterhaltsam ist zu beobachten, wie Tyler in ein Schlamassel nach dem anderen gerät, sichtlich genervter wirkt und zwischendurch immer wieder die Fassung verliert.

Auffallend für diesen Comic ist der minimalistische Stil, in dem die einzelnen Panels gestaltet wurden. Wenn auch nicht mit vielen Details bringen die Zeichnungen das Geschehen dennoch auf den Punkt und jedes Bild steht somit für sich selbst. Ebenfalls spiegeln sie das Retro-Gefühl der Story wider und bringen so zusätzlich die düsteren Intentionen bzw. die Atmosphäre des Plots zum Ausdruck, während es hierzu auch ein paar schön anzusehende, in sich geschlossene Variationen mit den Farbpaletten gibt.

Bei so einem Thema dürfen die klassischen Klischees wie Gewalt, Gangrivalitäten, Verrat und Frauen natürlich nicht fehlen – und „Tyler Cross – Black Rock“ bedient sie alle. So ist der Ausgang diverser Handlungen recht offensichtlich und man genießt eigentlich nur noch den visuellen Weg dorthin. Obwohl sich hier und da ein leichter Tarantino-Vibe einschleicht, fehlt es am Ende aber an individuellem Charakter, mit dem dieser Comic glänzen kann.

Dafür zeigt sich die Erzählweise von einer guten Seite. Es gibt immer wieder mal Sprünge zu anderen Charakteren und deren Hintergründe, nur um die darauffolgenden Szenen noch besser wirken zu lassen. Auch kleine Gimmicks werden eingebaut, um den Lesefluss frisch zu halten.
Daher zeugt der erste Band von „Tyler Cross“ von einem hohen Unterhaltungswert, weil er die Geschehnisse nicht unbedingt stumpf abhandelt, sondern sich auch mal die einen oder anderen Ausschweifungen vorbehält. Reichlich Action gibt es natürlich auch, wobei diese ihren Höhepunkt besonders am Ende des Comics findet. Hier merkt man dann auch, wie sich die visuelle Umsetzung immer weiter in die Gewalt hineinsteigert.

Gerade weil „Tyler Cross – Black Rock“ so kompakt gehalten ist und direkt auf den Punkt kommt, bietet der Band für den Leser einen gelungen Einstieg in die Reihe. Trotz gedrungener Atmosphäre gibt es zwischendurch auch mal etwas schwarzen Humor und besonders Tyler als Protagonist weiß trotz seiner Unnahbarkeit zu überzeugen. Es ist einfach spannend, ihm beim Meistern der Schwierigkeiten zu folgen, mit dem Hintergedanken, dass die großen Hürden erst noch bevorstehen.

Inhalt

Mit geraubtem Heroin der Mafia, 20 Dollar, einer Schrotflinte und einem Colt am Gürtel erreicht Tyler Cross ein kleines Nest in Texas, wo ein Öl-Tycoon und sein Sohn herrschen. In der kleinen Stadt Black Rock wird man sich noch lange an Tyler Cross erinnern …

Mit der Serie „Tyler Cross“ haben Nury und Brüno eine aufregende Hommage an den harten Gangsterfilm der Fünfziger Jahre geschaffen: Mit schönen Frauen, schmutzigen Geschäften und einem Protagonisten, der nur das Beste für sich sucht.

(Quelle: Carlsen Verlag)

Autor

Fabien Nury, geboren am 31. Mai 1976, ist ein französischer Comic-Buch Autor.

(Quelle: Wikipedia)

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 26.04.2016
Seitenzahl: 96
ISBN: 978-3-551-71288-8
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Carlsen Verlag

Copyright Cover: Carlsen Verlag



Über den Autor

Christopher