Review

Mord im Schatten der Bäume

Vor elf Jahren sind sie gelandet. Riesige baumartige Türme bzw. Strukturen.

Sind es Lebewesen oder unbelebte Dinge? Keiner weiß es so genau.

Jedenfalls steht die gesamte Welt im Schatten der „Bäume“, das ist zum Alltag geworden. Die Menschen versuchen derweil irgendwie, Kontakt mit den riesengroßen außerirdischen Wesen/Strukturen aufzunehmen oder zumindest herauszufinden, was deren Beweggründe oder Motive sind.

Diese multiperspektivische Geschichte von Autor Warren Ellis führte uns bereits zu den Orkney-Inseln, nach New York City, Italien oder auch China.

Im finalen Band „Trees 3: Drei Schicksale“ richtet sich der Fokus nun auf ein abgelegenes russisches Dorf namens Toska. Der Blickwinkel stammt von der ortsansässigen Polizeibeamtin Klara Voranova. Im Schatten des dortigen „Mammutbaums“ ist es zu einem Mord gekommen. Voranova nimmt die Ermittlungen auf, während etliche Bewohner des Dorfes scheinbar mehr wissen, als sie sagen.

Trotz aller Widrigkeiten und Schwierigkeiten verfolgt die Ermittlerin hartnäckig diverse Spuren, wobei sie fortwährend vom Geist ihres verstorbenen Lebenspartners und der Vergangenheit heimgesucht wird.

Schwülstiger Erguss ohne Tiefgang

Im Hinblick auf den Abschlussband dieser zunächst – scheinbar – aufwendig arrangierten mysteriösen Handlung können wir uns recht kurzfassen. Denn den größeren roten Faden suchen wir hier vergeblich.

Die letzte Story funktioniert vornehmlich als spannender Kriminalfall mit einigen Wendungen und mit einer toughen, eigenwilligen Ermittlerin. In diesem Zusammenhang sind die Atmosphäre der Geschichte und die düstere unheilvolle Stimmung besonders hervorzuheben. Diese profitieren von den starken Zeichnungen Jason Howards.

Leseprobe aus „Trees 3: Drei Schicksale“. (Copyright: Cross Cult)

In Anbetracht der Erzählweise und des Aufbaus der Geschichte ist das alles jedoch dürftig.

Weder der hiesige Riesenbaum noch die üblichen Bäume überall auf der Erde spielen für den Ausgang eine erhebliche Rolle. Man könnte auch sagen: Die gigantischen Strukturen sind für die Geschichte unerheblich und werden nicht tiefgreifend thematisiert.
Allenfalls werden hier noch weitere Fragen aufgeworfen, als dass Ansätze für eine Lösung oder Erkenntnis angeboten werden.

Angereichert wird dies noch durch besonders vage und vermeintlich bedeutungsschwangere Anspielungen und Verweise auf den französischen Existenzialismus nach Jean-Paul Sartre. Eine Einbettung mit Tiefgang und Wucht erfolgt nicht.

Am Ende des Tages erzählt Ellis eine Geschichte, die unterschiedliche Blickwinkel beleuchtet und Mysterien angeht, die indessen nicht ansatzweise offenbart werden.

Fazit

Eine aussichtsreiche Geschichte und Comic-Reihe, die zum Ende hin leider schwächelt. Außer einem Mord im Schatten des Baumes bleibt hier nicht viel Erinnerungswürdiges.


Trees 3: Drei Schicksale

Inhalt

Mord im Schatten der Bäume

In einem abgelegenen russischen Dorf namens Toska wird eine Leiche an den Wurzeln des Baumes gefunden, der dort vor elf Jahren gelandet ist. Polizeibeamtin Klara Voranova, die immer noch von den Ereignissen der Vergangenheit heimgesucht wird, ahnt nicht, dass dieser Mord alles verändern wird … und was sie im Schatten des Baumes wirklich erwartet.

(Quelle: Cross Cult)

Autor

Warren Ellis
(*16. Februar 1968) ist ein englischer Autor zahlreicher Comics, Bücher und Drehbücher. Außerdem ist Ellis eine sehr aktive Online-Persönlichkeit. Er lebt in Southend-on-Sea in England.

(Quelle: Wikipedia)

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Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 14.07.2021
Seitenzahl: 128
ISBN: 978-3-96658-233-9
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Cross Cult

Copyright Cover: Cross Cult



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)