Review

Science-Fiction-Experte und Chef-Futurologe

Dass der 1968 geborene Engländer Warren Ellis ein hervorragender und referenzreicher Comic-Autor sowie ein Erzähler großer Geschichten ist, dürfte unstreitig sein („James Bond 007: Eidolon (Band 2)“, „Karnak: Der Makel in allen Dingen“). Umso überraschender war es jüngst, eine komplette Batman-Miniserie, abgeschlossen in zwei Bänden, von Ellis zu lesen, die über durchschnittliches Niveau nicht hinaus reichte („Batmans Grab 2“).

Nun widmen wir uns mit dem zweiten Band dessen eigenständiger Science-Fiction-Serie „Trees“ wieder seiner besonderen Leidenschaft und Kernkompetenz. Denn hier verdingt sich der Erschaffer wieder einmal als Science-Fiction-Experte und Chef-Futurologe.

Die Prämisse der Öko-Sci-Fi-Serie ist dabei die Folgende:

Zehn Jahre nachdem sie gelandet sind. Überall auf der Welt. Tatenlos standen sie auf der Erdoberfläche wie Bäume, stumm verharrten sie in ihrer allumfassenden, erdrückenden Präsenz. Vor zehn Jahren lernten wir, dass intelligentes Leben in den Weiten des Universums tatsächlich existiert – doch sie sahen die Menschen weder als lebendig noch als intelligent an…“

(Aus dem Klappentext von „Trees 2: Zwei Wälder“, Cross Cult)

Verschiedene Perspektiven im Schatten der Bäume

Die Welt steht im Schatten der „Bäume“, das ist zum Alltag geworden. Und dennoch versuchen die Menschen nach wie vor, Kontakt mit dem riesengroßen außerirdischen Leben aufzunehmen oder zumindest herauszufinden, was deren Beweggründe oder Motive sind.

Band 1 näherte sich diesem Szenario der nahen Zukunft noch aus vier unterschiedlichen Perspektiven. Alle Figuren mit gänzlich abweichenden Lebensmodellen, verbunden mit persönlichen Zielen und Wünschen. Erfrischenderweise beschränkt sich Warren Ellis im zweiten Band primär auf zwei Handlungsstränge, was sowohl der besseren Lesbarkeit und Übersichtlichkeit als auch der Tiefe der Figuren und der gesamten Stimmigkeit der Geschichte zugutekommt.

Einerseits geht es hier um den designierten Bürgermeister von New York City. Dieser war bei der Ankunft der „Bäume“ vom Versagen der Polizei derart enttäuscht, frustriert und wütend, dass er nunmehr anscheinend auf Rache sinnt. Der genaue Plan des Politikers liegt allerdings noch im Verborgenen.

Leseprobe aus „Trees 2: Zwei Wälder“. (Copyright: Cross Cult)

Andererseits steht die junge Biologin Dr. Joanne Creasy im Fokus der Ereignisse. Jene hat im Auftaktband mit einem Forschungsteam unerwartet entdeckt, dass die Bäume keinesfalls friedvoll schlummern, sondern eine furchtbare Bedrohung für die Menschheit bedeuten. Diese sondern einen gefährlichen schwarzen Mohn ab, der an unnatürlichen Orten wächst und auch sonst nichts Gutes bedeutet. Von der Regierung wird Dr. Creasy auf die Orkney-Inseln geschickt, um den dortigen Baum zu untersuchen, ein Frühwarnsystem zu errichten und, wenn nötig und möglich, den Untergang der Welt abzuwenden.

Das Für und Wider

Warren Ellis‘ Serie lebt bislang vor allem von einer gewissen Grundspannung, Undurchsichtigkeit und Mysteriösität. Die Beschränkung auf zwei Perspektiven erleichtert den Zugang zu Figuren und Geschichte und entschlackt die Handlung. Sie wirft indes gleichzeitig die Frage auf, was aus der jungen Frau in Italien sowie der weltoffenen Gesellschaft in der Kulturzone in China geworden ist. Auch über die gewaltigen Bäume, die überall auf der Welt stehen, wissen wir noch herzlich wenig. Und dennoch sieht man dem Fortgang des außergewöhnlichen Plots gespannt entgegen.

Die Landung der „Trees“ kann freilich als eine Art Rache der Natur interpretiert werden; dies wird akzentuiert durch das gekonnte Artwork von Jason Howard, der insgesamt, aber vor allem in diesem Kontext passende Bilder findet. So sehen wir etwa in einem Panel – vielsagend – einen menschlichen Schädel, durch den die schwarzen Blumen wachsen.

Fazit

Noch ist nicht ganz klar, wo die Reise hingeht. Warren Ellis wirft der Leserschaft allerdings immer wieder Brocken hin, um gespannt und interessiert am Ball zu bleiben. Die Stärken liegen in den ruhigen Momenten. Eine Serie, die mit Blockbuster-Science-Fiction-Mainstream nichts zu tun hat und sich vor allem für eine aufwendig arrangierte mysteriöse Handlung interessiert.


Trees 2: Zwei Wälder

Inhalt

Sci-Fi-Spektakel mit frischen Ideen!

Zehn Jahre nach der Landung. Überall auf der Welt. Sie stehen nur da, wie Bäume. Keine Reaktion, kein Kontakt. Zehn Jahre, seit wir Klarheit haben: Es gibt intelligentes außerirdisches Leben, das uns aber nicht als lebendig oder intelligent wahrnimmt.
Das Leben im Schatten der „Bäume“ hat sich bereits normalisiert. Doch langsam aber sicher zeigt sich, dass die Bäume weder inaktiv noch ungefährlich sind.

(Quelle: Cross Cult)

Autor

Warren Ellis
(*16. Februar 1968) ist ein englischer Autor zahlreicher Comics, Bücher und Drehbücher. Außerdem ist Ellis eine sehr aktive Online-Persönlichkeit. Er lebt in Southend-on-Sea in England.

(Quelle: Wikipedia)

Warren Ellis – Homepage | Warren Ellis – Facebook | Warren Ellis – Twitter

Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 12.05.2021
Seitenzahl: 128
ISBN: 978-3-96658-229-2
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Cross Cult

Copyright Cover: Cross Cult



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)