Review

Vergesst Gamera, Godzilla und Co., seit Kurzem greift „Frankensteins blutige Teufelspranke“ nach euch, denn das Trashothek-Ensemble meldet sich mit ihrem dritten Teil ihrer „Grusel Hörspiel Comedy“-Serie zurück.

Der verheißungsvolle Titel trifft aber nicht im Mindesten das, was einen dann erwartet. Ein „traditionsreiche[s] Frankenstein Monster-Abenteuer ganz ohne Frankenstein“ heißt es somit passend im Hörspiel-Klappentext.

Zwölf Tracks, umrahmt von Prolog und Epilog, entführen den geneigten Hörer der gepflegt trashigen Horror-Comedy – nach den Teilen „Blutige Zeche in Bottrop“ und „Kreuzfahrt der blutigen Skelette“ – dieses Mal nach Düsseldorf. Und als wenn das für einige nicht schon gruselig genug wäre, greift das Trashothek-Team auf Elemente des Kaiju-Genres (japanische Riesenmonster) zurück; geschickt im Kontext des am Veröffentlichungstag des Hörspiels tatsächlich stattgefundenen Japan-Tags integriert, sodass dem Hörspiel auch kleine, aber feine Portionen Lokalkolorit und Authentizität verpasst wurden.

Doch auf „Frankensteins blutige Teufelspranke“ lauern nicht nur japanische Riesenmonster auf den Konsumenten, auch gibt es erneut zahlreiche Anspielungen auf bekannte Genrefilm- und -hörspielklassiker. Hinzu kommen bei den Sprechern hochkarätige Namen wie Santiago Ziesmer, die deutsche Stimme von SpongeBob, und Hennes Bender.

Authentisch statt amateurhaft und trotzdem den Trash-Faktor immer durch Skurrilität, Ironie, Unkonventionelles und Humor beibehaltend, so gibt sich auch die dritte Folge der Trashothek, die zudem zahlreiche Originalaufnahmen aus Düsseldorf in ihre aktuelle Episode verarbeitet hat. Dies haben sie ebenso professionell bewältigt wie die Sprecher ihre Arbeit.

Zwar hört man den Geräuscheffekten zeitweilig noch an, dass hier mit weniger Budget gearbeitet wird, als es die Platzhirsche im Hörspielbereich zur Verfügung haben; insgesamt hat man sich aber auch diesbezüglich gesteigert, während ein passender Soundtrack und witzige Tracktitel wie „Ups!“ oder „Der will doch nur spielen“ dieses sympathische Manko schnell vergessen lassen, zumal es sich wunderbar in die trashige Note der Produktion einfügt.

Trashothek - die Macher: Sascha Menge und Thorsten Anders (Copyright: Trashothek)

Trashothek – die Macher: Sascha Menge und Thorsten Anders (Copyright: Trashothek)

Sympathie ist außerdem ein gutes Stichwort, das sowohl auf die Produktion als auch auf die Beteiligten zutrifft. Bestätigt wird dieser Eindruck auch in den angefügten „Outtakes“, die erneut für einige herzliche Lacher sorgen werden.

Schon längst sind die Trashothek-Hörspiele, die sowohl durch das Coverdesign als auch inhaltlich immer wieder eine kleine unterschwellige Hommage an alte Gruselheftchen und Hörspiele darstellen und daher auch im modernen Produktionsgewand einen gewissen Retro-Charme versprühen, kein Geheimtipp mehr – oder sollten es zumindest nicht sein, denn nicht nur ihre Qualität kann seit der ersten Folge mit Veröffentlichungen renommierter Verlage mithalten, auch die Leidenschaft und diverse Film- bzw. Genrekenntnisse sind den Verantwortlichen stets anzuhören. Somit bietet die Trashothek horriblen Klamauk mit Substanz. Und das beweisen sie auch im dritten Teil „Frankensteins blutige Teufelspranke“.

Eine vierte Episode ist unter dem Titel „Blutige Hölle der Stuka Zombies“ bereits in Planung, bis diese jedoch erscheinen wird, empfehlen wir dringend, einen Blick respektive Ohr in das aktuelle Geschehen von „Frankensteins blutige Teufelspranke“ zu riskieren. Es ist mehr als lohnenswert und unterhaltsam, allerdings schadet es nicht, sich selbst ein wenig im Fantasy- und Gruselbereich auszukennen, um alle Sidekicks auch gebührend feiern zu können.

Inhalt

Düsseldorf am Wochenende des Japan-Festes. Sascha und Thorsten, die beiden unerschrockenen Trashreporter, freuen sich auf ihr Interview mit einem der größten Kaiju-Experten ever. Thorsten ist diesmal besonders aufgeregt, denn er ist mit seiner Emailfreundin Keiko aus Tokyo verabredet. Alle Udon-Nudeln scheinen in Butter zu sein, bis die Nachricht einschlägt, dass ein riesiges Monster an den Kasematten aus dem Rhein entstiegen ist!

Grün! Wie schafft es eine Aktivistengruppe wohlmeinender Verbessermenschen, eine verheerende Handlungskette in Gang zu setzen, an dessen Ende die vollständige Zerstörung rechtsrheinischer Konsumkultur steht?

Gelb! Warum werfen sich Thorsten & Sascha vor eine alte Museums-Straßenbahn? Wird die Entführung des Triebwagens Nr. 123 das Blatt endlich wenden können?

Tod! Eile ist angebracht in diesem traditionsreichen Frankenstein Monster-Abenteuer ganz ohne Frankenstein. General Ostholz hat bereits den schwitzigen Finger auf dem roten Knopf und wartet nur noch auf seinen Hubschrauber …

(Quelle: Trashothek)

Tracklist

01 Prolog
02 Der Besuch
03 Ingojira
04 Tschüss Kasematten
05 Monster in echt?
06 Luxus Terror
07 Märchenstunde
08 Ups!
09 Der will doch nur spielen
10 Roboschrott
11 Bombenstimmung
12 Epilog
13 Outtakes

Serie

01 Blutige Zeche in Bottrop
02 Kreuzfahrt der blutigen Skelette
03 Frankensteins blutige Teufelspranke
04 Blutige Hölle der Stuka Zombies (in Planung)

Details

Trashothek – Homepage
Trashothek – Facebook
Trashothek – Twitter

Format: Hörspiel
Veröffentlichung: 30.05.2015
Spielzeit: 72:39
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Trashothek

Copyright Cover: Trashothek



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde