Review

Für den vierten Band der neuen „Thor“-Reihe findet sich – nach einem kurzen Intermezzo – wieder das künstlerische Duo aus Autor Donny Cates („Crossover 1: Kinder lieben Ketten“) und dem deutschen Zeichner Nic Klein zusammen. Die Abwesenheit des Letzteren ist an der Vorgängerausgabe nicht spurlos vorübergegangen („Thor – König von Asgard 3: Familienkonflikte“).

Mit „Thor – König von Asgard 4: Der Gott der Hämmer“ kehrt Klein gerade zum rechten Zeitpunkt zurück, denn hier wartet eine epische, emotions- und actiongeladene Sammelausgabe, die es in sich hat wie ein Donnerhall. Wir weisen vorab darauf hin, dass die hiesige Besprechung nicht gänzlich ohne Spoiler auskommen wird. Wer den Band noch vollkommen „unbefleckt“ genießen möchte, kehrt besser zu einem späteren Zeitpunkt hierher zurück.

König der Asen gegen Gott der Hämmer

Der Donnergott Thor ist mittlerweile der Allvater, König der Asen („Thor – König von Asgard 1: Herr der Zerstörung“), und freilich – nach wie vor – Herr über seinen Hammer Mjolnir. Die Beziehung zwischen dem mächtigen Donnerer und der Uru-Waffe ist jedoch seit einiger Zeit – gelinde gesagt – angespannt („Der unwürdige Thor“, „Thor – Göttin des Donners 1“). Es ist wie in einer guten Ehe, mit vielen Höhen und Tiefen.

Doch plötzlich ist die zauberhafte Waffe aus den Schmieden Nidavellirs spurlos verschwunden und selbst die allsehende Sif kann ihn nicht aufspüren. Mjolnir macht schließlich selbst auf sich aufmerksam, denn der vermeintlich leblose Gegenstand aus Asgards Waffenkammer hinterlässt eine Spur aus Blut und Zerstörung in den 10 Welten. Die unberechenbaren Launen der Kriegswaffe haben sich zugespitzt und nunmehr hat es Thor mit einem „beseelten“ Mjolnir zu tun, der (neuen) Inkarnation eines alten Feindes.

Das Gefecht zwischen den alten Kampfgefährten fordert das Leben von Odin ein, seines Zeichens die wichtigste Gottheit im Pantheon der Wikinger. Mit dem Übergang der Odinkraft kommt es nicht nur endgültig zum Machtwechsel unter den „Alphatieren“, nein, Thor ist auch in der Lage, dem legendären Gott der Hämmer die Stirn zu bieten.

 Odin auf dem Thron von Asgard beerbt

Bereits dem ersten Sammelband von Donny Cates haben wir attestiert, nahtlos an Jason Aarons Erzählungen anzuschließen und die Geschichte von König Thor konsequent weiterzuerzählen – ein echtes Meisterstück! Nach nunmehr vier Ausgaben lässt sich konstatieren: Marvel ist es gelungen, mit dem neuen Kreativ-Team aus Donny Cates und Nic Klein unmittelbar zwei neue Asgard-All-Stars zu präsentieren.

Leseprobe aus „Thor – König von Asgard 4: Der Gott der Hämmer“. (Copyright: Panini Comics)

Für eine Ausgabe wie Der Gott der Hämmer“ gibt es Worte wie episch, ausufernd, bombastisch, erinnerungswürdig oder auch überlebensgroß. Der Kampf der alten Recken Thor und Mjolnir und deren besondere Beziehung zueinander bietet freilich bereits eine ganz besondere emotionale Fallhöhe und Dramatik. In einer vermeintlich aussichtslosen Situation gegen einen nunmehr bösartig-beseelten Hammer ist es schließlich das Ableben des geliebten und oftmals gleichermaßen verhassten allmächtigen Vaters, dass das Ruder herumzureißen vermag. Mit dem Übergang der Odinkraft ist der Machtwechsel ebenso endgültig wie schmerzhaft vollzogen. Nunmehr in einer angemessenen goldenen Rüstung gekleidet und einen purpurroten wallenden Mantel gehüllt, nimmt der schwermütige Thor endgültig seinen Platz als würdiger Herrscher ein. 

Und hier kommt Nic Klein ins Spiel, der die Ausgabe mit seinen ebenso märchenhaften wie actionreichen Bildern auf ein anderes Level zu heben vermag. Denn wahre Größe erlangt diese Ausgabe vor allem dadurch, dass es dem Künstler gelingt, die entsprechenden Emotionen und Gefechte stets ins rechte Bild und Licht zu rücken.

Anlässlich der Beerdigung Odins geben sich hier zum Abschluss die einflussreichsten „Thor“-Künstler die Klinke in die Hand. Ein Starensemble aus Jason Aaron, Dan Jurgens, J.M. Straczynski, Walt Simonson, Olivier Coipel und anderen erweist dem Allvater die Ehre.

Fazit

Das Vermächtnis von Jason Aarons unvergleichlicher „Thor“-Saga ist bei Donny Cates und Nic Klein in den besten Händen. Ausgabe um Ausgabe und sogar Kapitel um Kapitel hinterlässt dieses künstlerische Duo ein eigenes märchenhaftes Götterdrama, das in jeder Hinsicht würdig ist.


Thor – König von Asgard 4

Inhalt

Mjolnir ist verschwunden. Nicht einmal die alles sehende Sif kann ihn finden. Doch dann verursacht eine Waffe Furcht und Schrecken in den 10 Welten. Was weiß Odin über die Legende vom Gott der Hämmer? Und wem bringt sie den Tod?

(Quelle: Panini Comics)

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 11.10.2022
Originalausgaben: Thor (2020) 19–24
Seitenzahl: 188
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)