Review

Thunder In Her Veins

Die Disney-/Marvel-Premieren im Heimkino kommen immer zügiger.
Während „Thor: Love and Thunder“ von Regisseur Taika Waititi erst ab dem 6. Juli 2022 auf den heimischen Leinwänden zu bewundern war, ist dieser bereits letzte Woche – zur Feier des Disney+ Days am 8. September – auf dem hauseigenen Streamingdienst international veröffentlicht worden. Überschaubare zwei Monate plant der Mäuse-Konzern nur noch für den Leinwandbesuch ein – das Zeitfenster schmilzt.

Erheblich mehr noch als „Thor: Tag der Entscheidung“ (Originaltitel: „Thor: Ragnarok“) dürfte der neue MCU-Beitrag Waititis das Publikum spalten. Überaus klamaukig, albern und bisweilen völlig überdreht geht es hier zu. Es ist die Handschrift, die der Filmemacher und die Marvel Studios hinsichtlich des Donnergotts auserkoren haben. Die Gestaltung zielt auf kurzweilige Unterhaltung und Vergnügen. Für das Mainstream-Publikum und unbedarfte Lacher reicht das aus.

Enttäuscht sein werden vor allem leidenschaftliche Anhänger von Jason Aarons jetzt schon legendärem Thor-Comic-Run („Thor: Gott des Donners – Götterschlächter“, „Thor: Gott des Donners 2 – Die letzten Tage von Midgard“, „Der unwürdige Thor“). Diese langjährige Reihe rund um Gorr, den Götterschlächter, den unwürdigen Odinsohn, der seinen Hammer Mjolnir nicht mehr anheben kann, sowie über Dr. Jane Foster alias Mighty Thor, Göttin des Donners, zeichnete sich durch überwiegend ernsthaften Anspruch und eine ebenso epische wie märchenhafte Erzählung aus. Die Überschneidungen mit dieser gefeierten Thor-Saga beschränken sich im Wesentlichen auf den erinnerungswürdigen Schurken Gorr und die Göttin des Donners.

Wer sich einen aufrichtigeren Ansatz wünscht oder schlicht erstmals einen Großteil der Inspirationsquelle für den aktuellen Film lesen möchte, der kann sich beispielsweise auf die Hardcover-Neuauflage „Thor – Göttin des Donners 1“ stürzen. Hier findet ihr die Geschichte um den unwürdigen Sohn Odins und die mysteriöse Frau, die den machtvollen Uru-Hammer wie niemand zuvor beherrscht.

Wie ein Donnerhall

Jason Aarons („Avengers 7: Das Zeitalter von Khonshu“) bahnbrechendes Epos über Asgard, Thor, seine Eltern – Allmutter Freya und Allvater Odin – sowie die wesentlichen Schurken wie Gorr und Malekith haben wir immer wieder über den grünen Klee gelobt (z.B. hier: „Thor – König von Asgard 1: Herr der Zerstörung“). Und das bleibt auch so.

Die vorliegende Hardcover-Ausgabe lohnt sich vor allem, um nachzulesen, wie die an Krebs erkrankte Jane Foster zur würdigen Mjölnir schwingenden Donnerin wird.

Einblick in „Thor – Göttin des Donners 1“. (Copyright: Panini Comics)

Selten wurde die Fortentwicklung einer tradierten Figur im Vorfeld derart kritisch beäugt und hinterfragt; nur um anschließend überaus warmherzig in die Arme geschlossen zu werden. Über Jahre hinweg hat Autor Jason Aaron eindrucksvoll und glaubhaft die Geschicke des Donnergottes sowie der Göttin des Donners geleitet und schließlich ein herausragendes Epos zum Abschluss gebracht. Diese Abenteuer aus und über Asgard bleiben wie moderne Märchenbücher in Erinnerung.

Ebenso stimmig wie die märchenhaften Erzählungen war auch die jeweilige visuelle Inszenierung.

Während das düster gemalte Artwork und die blassen Farben von Esad Ribic, z.B. im Rahmen der „Götterschlächter“-Saga, besonders maskulin, kraftstrotzend und robust daherkamen, zeichnen sich die vorliegenden Zeichnungen eines Russell Dauterman zwar auch durch Action, Dynamik und reichlich Energie, insbesondere aber auch durch einen eleganten und femininen Anstrich aus. Hierdurch ergibt sich innerhalb der Reise durch diese donnernde Reihe ein schöner Kontrast zwischen den Episoden.

Fazit

Leser:innen, die sich nach einem weniger klamaukigen Thor sehnen und auf alberne Verballhornungen des Mythos verzichten können, sind bei der gefeierten Comic-Saga um Thors Nachfolgerin in den besten Händen.


Thor – Göttin des Donners 1

Inhalt

Der Sohn Odins ist seines Hammers unwürdig. Nun liegt Mjolnir auf dem Mond und keiner kann ihn heben. Doch als Malekith und Frostriesen die Erde bedrohen, greift eine mysteriöse Frau nach dem Hammer und der Macht. Und nicht einmal der Allvater kennt die wahre Identität der neuen Göttin des Donners.

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Jason Aaron
(geboren 1973) ist ein amerikanischer Comic-Autor.

(Quelle: Wikipedia)

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Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 21.06.2022
Originalausgaben: Thor, Thor (2014) 1-8, Thor (2014) Annual 1
Seitenzahl: 228
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)