Review

Der gute Sheriff jagt den bösen Ganoven durch halb Nordamerika und ganz nebenbei wird noch die hübsche Indianerin gerettet? Klingt erst mal ganz schön nach einem Klischee. Aber auch wenn das zunächst die Grundzutaten von „Devil’s River“, dem neusten Roman von Thomas Thiemeyer, sind, würzt er den klassischen Eintopf noch mit ein paar okkulten Geheimzutaten.

Doch zunächst in die Gegenwart. Die Britin Eve, erfolgreiche Medizinstudentin und Verlobte eines Anwalts, muss den schmerzlichen Verlust einer Seelenverwandten – ihrer Oma Lizzy – verkraften. Diese hinterlässt ihr ein kleines Häuschen in London und eine Kiste mit Erinnerungsstücken. Herzstück ist ein Buch, das die Familiengeschichte der beiden Frauen wiedergeben soll und für ziemlichen Wirbel in der Familie sorgen wird.
Wie schon Bastian in der unendlichen Geschichte vergräbt sich die trauernde Eve mit ein wenig Proviant auf dem Dachboden ihres neuen Heims, um so tief in die Geschichte einzutauchen, bis sie selbst ein Teil davon wird.

Die Geschichte in der Geschichte spielt dann nicht mehr im Großstadtdschungel, sondern endlich im Wilden Westen Kanadas. Typisch für Thiemeyer gilt es jetzt erst einmal, einige Personen kennenzulernen:
Da wäre zunächst River vom Stamm der Ojibwe, die Kräuter suchend anscheinend eine Katastrophe in ihrem Dorf ausgelöst hat.
Hinzu gesellt sich Nathan Blake, ein Intellektueller, der auf seiner Reise quer durchs Land reihenweise blonde hübsche Frauen ermordet. So auch die Frau eines Bürgermeisters, der sich anschließend mit einem bunten Team „Gesetzeshüter“ auf die Jagd nach dem Mörder macht.
Im Laufe der Geschichte bilden schließlich River und Nathan ein ungewöhnliches Team, um ungewöhnlichen Morden auf die Spur zu kommen. Auch wenn der gut aussehende Kriminelle immer wieder gegen die attraktive Heilerin argumentiert, scheinen dunkle Mächte, finstere Flüche und grausame Rituale nicht von menschlicher Hand zu stammen … Wer oder was ist wirklich die Gefahr, die hinter den beiden Hobby-Detektiven her ist?

Diese Frage in der durchaus gelungenen Mischung aus mysteriöser Stimmung, makaberen Leichenspielen, nebeligen Gruselszenen und sogar einer Prise Romantik sorgt während des Lesens für angenehme Gänsehaut. Nichts, was Horror- oder Splatter-Fans begeistern könnte, aber für eine warme Sommernacht genau das Richtige. Wären da nicht die Einschübe aus der Gegenwart! Während die Geschichte in der Geschichte stimmungsvoll ist, wird nicht nur Eve, sondern auch der Leser vom ständigen Hereinplatzen von Eves Familie gestört. Vor allem sind diese Personen für sie nur unheimlich unangenehm und für den Leser schlicht farblos, sodass diese Rahmenhandlung mehr als gut verzichtbar ist.

Thomas Thiemeyer (Copyright: die arge lola, Kai Loges + Andreas Langen)

Thomas Thiemeyer (Copyright: die arge lola, Kai Loges + Andreas Langen)

Sagte ich außerdem am Anfang noch, dass sich Thiemeyer nicht an Klischees bedient, muss ich das jetzt doch ein wenig zurücknehmen. Fast umfassend widmet sich der Autor hier den klassischen Westernthemen: Von der Rache für erlittenes Unrecht über Indianerkriege zur Outlaw sowie Marshal’s Story bis hin zum allgemeinen Leben in der damaligen Gesellschaft ist alles dabei. Sogar der Bau der Eisenbahnen wird thematisiert. Da ist es vermutlich nur natürlich, dass es hier bei dem einen oder anderen Charakter oder der einen oder anderen Wendung keine wahnsinnigen Überraschungen gibt.

Schade ist außerdem, dass der Autor bei der sprachlichen Gestaltung noch etwas mehr Stimmung hätte verbreiten können. Lesenswert ist dabei der Umgang mit indianischen Namen, ein bisschen schwach hingegen die bisweilen gestelzte Ausdrucksweise der einfachen Leute.

Alles in allem wirkt „Devil’s River“ daher etwas hölzern und unrund.
Wer für zwischendurch seichte Unterhaltung sucht, kann hier gerne zugreifen. Wer jedoch in die Untiefen indianischer Flüche oder britischer Familiengeheimnisse eintauchen will, sollte lieber zu etwas anderem greifen.

Video

Handlung

Es bedarf eines Ungeheuers, um ein Ungeheuer zu töten …

Kanada 1878. River, eine junge Frau vom Stamm der Ojibwe, muss miterleben, wie ihr Dorf von etwas heimgesucht wird, das kein Mensch sein kann. Die Hütten von einer gewaltigen Kraft zerstört, Männer und Frauen grausam ermordet, scheint eine uralte Legende zum Leben erwacht zu sein. River schwört Rache – und verbündet sich mit einem gesuchten Mörder.

England 2015. Durch den Tod ihrer Großmutter aufgerüttelt, begibt sich die Studentin Eve auf die Spur eines Familiengeheimnisses, das in der kanadischen Wildnis wurzelt …

(Quelle: Knaur Verlag)

Autor

Thomas Thiemeyer, geboren 1963, studierte Geologie und Geographie, ehe er sich selbständig machte und eine Laufbahn als Autor und Illustrator einschlug. Mit seinen Wissenschaftsthrillern und Jugendbuchzyklen, die etliche Preise gewannen, sich über eine halbe Million Mal verkauften und in dreizehn Sprachen übersetzt wurden, ist er mittlerweile eine feste Größe in der deutschen Unterhaltungsliteratur. Der Autor lebt mit seiner Familie in Stuttgart.

(Quelle: Knaur Verlag)

Thomas Thiemeyer – Homepage
Thomas Thiemeyer – Facebook

Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 02.03.2015
Seitenzahl: 512
ISBN: 978-3-426-51715-4
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaur Verlag

Copyright Cover: Knaur Verlag

 



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer