Review

Thomas Thiemeyer. Ein Autor, der sich bekanntlich nicht mit einem Literaturgenre zufriedengibt, sondern fast alles mixt, was die Kreativität hergibt. Dabei muss man ihm lassen: Die Verknüpfung von Mythen und Sagen mit realen Elementen in Kombination mit historischen oder archäologischen Anteilen liefert als Grundlage einigen Unterhaltungswert. Diese unverkennbare Note eines „Thiemeyers“ weist auch sein jüngster Roman „Babylon“ auf.

Babylon, oder der Turm zu Babel, ein geheimnisumwitterter Ort, der bisher als verloren galt. Allerdings finden sich mitten im Irakkrieg in der irakischen Wüste Hinweise auf seinen Verbleib. Zur Untersuchung dieser antiken Stätte wählt Finanzier Norman Stromberg das Archäologenehepaar Hannah Peters und John Evans aus, die den Auftrag auch unter den widrigsten Umständen – mehr oder weniger begeistert – annehmen. Zu dieser Reisegruppe gesellen sich, neben der vierjährigen Tochter des Ehepaars, im Verlauf der Handlung noch eine Reporterin, eine US-Militärvertreterin, ein Soldat, ein IS-Kämpfer, ein fanatischer Moslem und zwei Dromedar-Züchter. Unfreiwillig kämpft sich diese Truppe durch die antike Tempelanlage, an deren Ende eine wirklich große Überraschung wartet.

Damit ist der Hauptteil der Story auch bereits umrissen. Bevor es jedoch ans Eingemachte geht, muss sich diese „Suicide Squat“ erst einmal zusammenfinden. Diesen verschlungenen Pfaden widmet der Autor ungefähr die Hälfte des Buches. Einerseits erhält der Leser dadurch ein paar Einblicke in das Leben der Beteiligten, gleichzeitig liegt hier eine der größten Schwachstellen dieses Buches. Nicht mal die teilweise absurd-stereotypen Vorstellungen vermiesen hier den Lesespaß, sondern Thiemeyers Versuch, dem IS, also den Terroristen, den Fanatikern und den Kriegstreibern das Gesicht eines liebevollen Vaters und gewitzten Strategen zu geben. Unbestreitbar lässt sich die derzeitige weltpolitische Lage nicht in Gut und Böse, Schwarz und Weiß aufteilen. Darüber dann allerdings einen fiktiven Roman zu verfassen, ist ein Spiel mit dem Feuer, zumal es einfach nicht gelingen will, diese charakterliche Wende des IS-Kämpfers glaubhaft rüberzubringen. Selbst wenn man sich also von den Bedeutungsvarianten zu lösen vermag, überzeugt dieser Storystrang nicht.

Wenn man sich von diesem streitbaren Thema und der fast babylonischen Kombination unterschiedlichster Genreanteile lösen und auf „Babylon“ einlassen kann, bekommt man auf den über 500 Seiten trotzdem unterhaltsame und spannende Momente. Gerade eingefleischte Fans des Autors werden sich sicherlich auch über diese Geschichte freuen.

Thomas Thiemeyer (Copyright: die arge lola, Kai Loges + Andreas Langen)

Thomas Thiemeyer (Copyright: die arge lola, Kai Loges + Andreas Langen)

Apropos eingefleischt! Auch wenn weder der Klappentext noch andere Informationen auf oder im Buch es vermuten lassen, sind einige Protagonisten bereits früher im Thiemeyer-Kosmos aufgetaucht: Der Archäologin Hannah Peters widmete der produktive Autor bereits 2004, 2009 und 2014 Romane. Auf wen dieser Name keinen Wiedererkennungswert hat, kann allerdings trotzdem beruhigt zugreifen, denn die relevanten Fakten werden dezent untergestreut. Das gelingt Thiemeyer in diesem Rahmen wirklich gut.

Unterm Strich zeigt sich damit: Ja, dieser „Babylon“ hat Stärken und Schwächen. Dennoch wird er seine Fans finden – sei es, bei eingefleischten Lesern oder bei denjenigen, die außerhalb ihres Stammgenres mal etwas Neues ausprobieren wollen. Da hilft nur selber lesen.

Video

Handlung

Das irakisch-syrische Grenzgebiet. Zweistromland, Wiege der Zivilisation. Heute eine der gefährlichsten Krisenregionen der Erde.
Ausgerechnet hierhin entsendet Multimilliardär Norman Stromberg die Archäologen Hannah Peters und ihren Mann John Evans. Der Auftrag: die Erkundung eines der rätselhaftesten Zeugnisse der Menschheitsgeschichte. Hannah und ihr Team stoßen auf ein pyramidenartiges Bauwerk, das sich in immer engeren Spiralen hinunter in die Erde schraubt. Ein Schlund der Hölle, der fatal an Dantes Unterwelt erinnert. Was immer in der tiefsten seiner Kammern erwacht ist – ein vorzeitlicher Mechanismus oder eine uralte rachsüchtige Gottheit –, es hat das Ende der Menschheit eingeläutet.

(Quelle: Knaur Verlag)

Autor

Thomas Thiemeyer,
geboren 1963, studierte Geologie und Geographie, ehe er sich selbständig machte und eine Laufbahn als Autor und Illustrator einschlug. Mit seinen Wissenschaftsthrillern und Jugendbuchzyklen, die etliche Preise gewannen, sich über eine halbe Million Mal verkauften und in dreizehn Sprachen übersetzt wurden, ist er mittlerweile eine feste Größe in der deutschen Unterhaltungsliteratur. Der Autor lebt mit seiner Familie in Stuttgart.

(Quelle: Knaur Verlag)

Thomas Thiemeyer – Homepage
Thomas Thiemeyer – Facebook

Details

Format: Klappenbroschur
Vö-Datum: 01.03.2016
Seitenzahl: 528
ISBN: 978-3-426-65363-0
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaur Verlag

Copyright Cover: Knaur Verlag



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer