Review

„Verleumdet“ ist der mittlerweile dritte Roman von Thomas Enger aus seiner „Henning Juul“-Reihe.
Wie schon in den ersten beiden Bänden spielt Thomas Enger mit verschiedenen Handlungssträngen, die zunächst einmal nichts miteinander zu tun zu haben scheinen. Erst im Verlauf des Buches bekommen die einzelnen Geschichten einen Bezug zueinander.

Erneut steht Henning Juul nicht automatisch im Mittelpunkt des Buches, denn Enger hat sich dazu entschieden, nicht – wie im Genre üblich – einen Ermittler als Hauptfigur einzusetzen, sondern einen desillusionierten Journalisten, der nach einem Brand, bei dem er seinen einzigen Sohn verloren hat, komplett aus der Bahn geworfen wurde. Dementsprechend kantig ist Engers Protagonist dann auch. Durch diesen Background ergeben sich sehr viele Methoden, einen spannenden Charakter zu schaffen, die Thomas Enger nahezu perfekt ausgenutzt hat. Henning Juul ist auf jeden Fall eine Figur, in die sich der Leser sehr gut hineinversetzen kann. Es fällt recht leicht, seine Entscheidungen und Aktionen nachzuvollziehen.

Thomas Enger (Copyright:  Camilla Stephan)

Thomas Enger (Copyright: Camilla Stephan)

Der Stil von Enger ist wie auch in den vorigen Bänden streckenweise recht anstrengend, da der Autor dazu neigt, sich in nicht unbedingt relevanten Details zu verzetteln. Diese sind zwar sehr anschaulich aufbereitet, bremsen das Lesetempo jedoch unnötig.
Allerdings ist der Autor durch seine Detailverliebtheit auch in der Lage, Situationen und Schauplätze sehr plastisch zu beschreiben, sodass man sich diese vor dem geistigen Auge gut vorstellen kann. Selbst, wenn man noch nie in Norwegen war, kann man sich ausmalen, wie es in den in „Verleumdet“ beschriebenen Orten aussieht.

Was extrem schade ist, ist die Tatsache, dass eine der Kernfragen des zweiten Bandes dieser Reihe nicht beantwortet wird. Als Leser möchte man unbedingt erfahren, wie es nun zu dem verheerenden Brand in Juuls Vergangenheit gekommen ist, aber diese Antwort – ohne Spoilern zu wollen – wird man in diesem Buch nicht finden. Man kann Enger jetzt vorwerfen, dass es sich hierbei um einen stumpfen Marketingtrick handelt, um seine Leser anzuhalten, auch den nächsten Juul-Roman zu kaufen, doch vermutlich hat es einfach nicht in den ohnehin schon komplexen und vielschichtigen Plot gepasst.

Wie bei vielen norwegischen Autoren ist auch Thomas Engers Veröffentlichung nicht unbedingt einfacher Stoff. Er verfasst tendenziell anspruchsvolle Thriller, die nicht mal eben nebenbei gelesen werden können, da man sich schon recht intensiv auf dieses Buch konzentrieren muss. Tut man dies allerdings, wird man mit einem ziemlich guten Buch belohnt, welches viele unerwartete Wendungen und teilweise böse Überraschungen bereithält und einige Stunden Lesespaß verspricht.

Klappentext

Ein brutaler Killer:
In einem Pflegeheim wird eine alte Frau ermordet aufgefunden. Der Täter muss rasend vor Wut gewesen sein.

Eine anonyme Drohung:
Justizministerin Trine Juul-Osmundsen wird der sexuellen Nötigung bezichtigt. Eine beispiellose Medienhetze beginnt. Dann die Botschaft: Treten Sie zurück, sonst kommt alles ans Licht.

Die Suche nach der Wahrheit:
Henning Juul soll den Mord im Pflegeheim untersuchen, doch auch seine Schwester Trine braucht dringend Hilfe. Henning macht eine Entdeckung, die niemals bekannt werden darf. Und dann schlägt der Killer erneut zu.

(Quelle: Blanvalet Verlag)

Autor

Thomas Enger, Jahrgang 1973, studierte Publizistik, Sport und Geschichte und arbeitete in einer Online-Redaktion. Nebenbei war er an verschiedenen Musical-Produktionen beteiligt. Sein Thrillerdebüt „Sterblich“ war hierzulande wie auch international ein sensationeller Erfolg. Er lebt zusammen mit seiner Frau und zwei Kindern in Oslo.

(Quelle: Blanvalet Verlag)

Thomas Enger – Homepage
Thomas Enger – Facebook
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Serie

Die „Henning Juul“-Reihe:

– Sterblich
– Vergiftet
– Verleumdet

Details

Format: Klappenbroschur
Veröffentlichung: 11.11.2013
Seitenzahl: 416
ISBN: 978-3-7645-0479-3
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Blanvalet Verlag

Copright Cover: Blanvalet Verlag



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.