Review

Batman Shooting Star Scott Snyder auf Abwegen. Zusammen mit Zeichner Sean Murphy heimste Snyder im letzten Jahr für „The Wake“ den Eisner Award für die beste Comic-Mini ein. Das lässt schon mal die Zunge schnalzen, bei dem schicken Hardcover-Band, den Panini Comics der kompletten Miniserie spendiert hat.

Snyder ist den deutschen Lesern vor allem für seine hochgelobte Arbeit an der aktuellen Batman Serie bekannt, die er seit mehrjähriger Kollaboration mit Zeichen-Ikone Greg Capullo („Spawn“) in die heimischen Wohnzimmer flattern lässt. Für Vertigo Comics schrieb er zusammen mit Stephen King an „American Vampire“ und konnte auch diese Serie als großen Erfolg verbuchen. Andere Arbeiten an Titeln wie „Swamp Thing“, „Batman Eternal“ oder „Superman Unchained“ sind nur weitere Gründe, ihn als einen der aktuell wichtigsten Autoren bei DC Comics anzusehen.

Brenzlige Situation in Meerestiefe (Copyright: Vertigo Comics)

Brenzlige Situation in Meerestiefe (Copyright: Vertigo Comics)

„The Wake“ ist mit einer Handlung von 10 US Heften abgeschlossen und teilt sich dabei in zwei Geschichten auf.
Im ersten Teil des Bandes geht es um die Meeresbiologin „Dr. Lee Archer“, die sich auf die Erforschung und Deutung von Walgesängen spezialisiert hat. Eines Tages tritt Homeland Security (US-Heimatschutzministerium) an sie heran, um sie zu einem Einsatz auf einer Unterwasser-Bohrinsel, tief unter der Meeresoberfläche, zu rufen und dort die Entdeckung eines grauenvollen Naturphänomens zu untersuchen.
Der zweite Teil handelt gut 200 Jahre später. Die Erde ist nach unzähligen Flutkatastrophen zum Großteil von Wasser bedeckt. Die letzten Überlebenden versuchen sich mit letzten Mitteln vor den Gefahren des Meeres zu schützen, um so der gänzlichen Ausrottung zu entgehen. Die junge Abenteurerin „Leeward“ erhält zufällig einen seltsamen Funkspruch von einer gewissen „Dr. Lee Archer“, der offenbar aus der Vergangenheit zu stammen scheint. Woraufhin die junge „Leeward“ versucht, der mysteriösen Herkunft der Nachricht auf den Grund zu gehen.

Wie sich hieraus bereits vermuten lässt, gehören beide Geschichten eng zusammen. Snyder versucht sehr deutlich, immer wieder mit kinematographischen Stilistiken zu spielen und „The Wake“ systematisch zu einem komplexen Blockbuster aufzubauen. So arbeitet er unentwegt mit Horror-Elementen, reichlich Action, Endzeit-Thematiken und vereinzelt auch etwas schwarzem Humor. Das gelegentliche Einbauen von Szenen-Fetzen aus menschheitsgeschichtlichen Zeitebenen sowie mehr oder weniger überlieferten Mythen und Sagen unserer Historie soll die stringente Handlung dabei wohl anwürzen und mit einigen Sprüngen nach links und rechts etwas komplexer gestalten. Das funktioniert so weit recht gut. Snyder lässt sich dabei jedoch nicht allzu viel Zeit und so kommt es gelegentlich vor, dass man besonders im ersten Teil des Bandes das Gefühl von etwas zu viel Bombast verspürt. Wer Logikfehler sucht, wird sie auch finden, so wie manche Charaktere nicht immer glaubhaft agieren.

Das Highlight der Geschichte ist ganz klar das Artwork von Sean Murphy. Trotz des auf den ersten Blick allgegenwärtigen Minimalismus, schafft es Murphy überraschend detailreich zu erzählen und mit tollen Farben und Panels die unterschiedlichen Szenen großartig einzufangen. Von der düsteren Unterwasserstation, bis hin zur grell beleuchteten Wasser-Ödnis, Murphys Bilder sind immer ausdrucksstark und blitzschnell auf den Punkt gebracht.

Nette Gesellschaft (Copyright: Vertigo / Panini Comics)

Nette Gesellschaft (Copyright: Vertigo / Panini Comics)

Das Patchwork aus Horror, Action und mythologischen Erzählungen geht auf und so wirkt „The Wake“ wie ein filmischer Mix aus „Alien“, B-Movie Perlen à la „Split Second“ oder auch „Waterworld“. Snyders Blockbuster Comic ist für Fans der angesprochenen Titel genau so interessant, wie für Freunde einfacherer, aber qualitativer Comic-Unterhaltungs-Lektüre. Ein Meilenstein wurde hier sicher nicht geschaffen und ob es dafür gleich einen Eisner Award hätte geben müssen, liegt wohl im Auge des Betrachters. Dennoch bekommt man mit dem für den Preis fast schon üppigen 228 Seiten Hardcover genug für sein Geld, dass „The Wake“ in jedem Comicregal einen Platz finden dürfte.

Inhalt

Als die Meeresbiologin Lee Archer vom US-Heimatschutzministerium um Hilfe gebeten wird, lehnt sie ab. Doch das „Bitte“ war rein rhetorisch. Kurz darauf befindet sie sich am Polarkreis auf einer Unterwasser-Bohrinsel voller Wissenschaftler, die kurz vor einer unglaublichen Entdeckung stehen. Doch dann geht etwas fürchterlich schief und die Station wird zur Todesfalle …

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Scott Snyder

(* 1976 in New York City) ist ein US-amerikanischer Schriftsteller.Snyder jobbte nach seinem College-Abschluss zunächst bei Disney World in Florida. Zur Zeit studiert er an der Columbia University in New York. Er schreibt Kurzgeschichten, die jetzt auch gesammelt in Deutschland in dem Werk Happy Fish erschienen sind. 2012 schrieb er zusammen mit dem Zeichner Yanick Paquette, am DC Comic Swamp Thing und mit den Zeichner Rafael Albuquerque „American Vampire“ für Vertigo.

(Quelle: Wikipedia)

Scott Snyder – Twitter

Sean Murphy

ist ein amerikanischer Comiczeichner, bekannt für seine Arbeiten an  „Teen Titans“, „Hellblazer: City of Demons“, „Shaun of the Dead“ und anderen.

(Quelle: Wikipedia)

Sean Murphy – Homepage

Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 17.02.2015
Originalausgaben: US The Wake 1-10
Seitenzahl: 228
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics / DC-Vertigo

Copyright Cover: Panini Comics / DC-Vertigo



Über den Autor

Emu
Emu
“Only nothing is impossible.” - Grant Morrison