Review

Neues von der Familie der etwas anderen Art

Knapp zehn Jahre ist es jetzt her, dass mit The Umbrella Academy: Dallas“ das letzte Abenteuer des verrückten Superhelden-Teams erstmals in den USA erschienen ist. Der Ludwigsburger Cross Cult-Verlag hat hierzulande erst kürzlich die ersten beiden Bände als neue Editionen („The Umbrella Academy 1 & 2“) auf den Markt gebracht, Netflix eine Serien-Adaption der Comic-Reihe präsentiert und nunmehr folgt mit „The Umbrella Academy 3: Hotel Oblivion“ auch die dritte Comic-Auskopplung.

Verantwortlich ist wieder das kongeniale Künstler-Duo aus dem My Chemical Romance-Sänger und hiesigen Autor Gerard Way sowie dem brasilianischen Comic-Zeichner Gabriel Bá. Die stimmungsvoll pastelligen Farben steuert Kolorist Nick Filardi bei.

Bad Times at the Hotel Oblivion

Dereinst hat Sir Reginald Hargreeves, das außerirdische Genie und der Ziehvater der sieben Superhelden der Umbrella Academy, ein ganz besonderes Hochsicherheitsgefängnis eingerichtet: Das Hotel Oblivion. In diese Taschendimension hat der wohlhabende Gönner die seltsamsten und gefährlichsten Gegner seiner adoptierten und schlagkräftigen Kinder verbannt.

Das Superhelden-Team um Spaceboy, Diego oder auch Nummer 5 ist derweil mal wieder in alle Winde verstreut. Die einzelnen Heldinnen und Helden haben mit ihren ganz eigenen Problemen zu kämpfen.

Als ein Schurke jedoch alle Insassen aus dem Vergessenheits-Weltraumgefängnis befreit, müssen sich die Zöglinge und Wunderkinder des Sir Reginald Hargreeves doch wieder zusammenraufen, um die tödlichsten Feinde des Universums zu besiegen. 

Hargreeves‘ Roboter-Ehefrau versucht unterdessen, die gebrochene Vanya wieder in die Superhelden-Familie zu integrieren …

Bewertung

„The Umbrella Academy 3: Hotel Oblivion“ hat viel von dem typischen Charme der Reihe aus der Feder von Autor Gerard Way.
Klischees, popkulturelle Referenzen, verrückte Figuren und eine komplexe und verschachtelte Erzählweise zeichnen auch diesen Titel aus.

Leseprobe aus „The Umbrella Academy 3: Hotel Oblivion“ (Copyright: Cross Cult)

Dabei sehen wir die Superhelden-Familie hier nur selten als Einheit im Kampf gegen das Böse. Vielmehr tummeln sich die Wunderkinder primär in Zweiergrüppchen in unterschiedlichen Abenteuern. Diese laufen erst spät in der Ausgabe auf einen gemeinsamen Showdown hinaus, der dann allerdings leider etwas überhastet wirkt.

Gerard Ways große Stärke, die komplexe und verschachtelte Erzählweise, erscheint hier zuweilen gleichzeitig wie ein großes Problem. Unnötig kompliziert und unnötig ausschweifend kommt diese Episode leider bisweilen daher.

Die einzelnen, tollen Zutaten der Geschichte – insbesondere das Hochsicherheitsgefängnis für die gefährlichsten Kriminellen des Universums – verbinden sich nicht zu einem durchgehend überzeugenden Kapitel, zu oft bleibt es nur bei (popkulturellen) Versatzstücken und Zitaten. 

Visuell ist allerdings auch die dritte Ausgabe dank Gabriel Bá eine echte Wucht. Der Zeichner nutzt Stil und Setting des Abenteuers wieder voll aus und beglückt den Leser mit großartigen Bildern.

Fazit

„Hotel Oblivion“ kann das hohe Niveau von „Apocalypse Suite“ und „Dallas“ nicht durchgehend halten. Way hat zwar – wie gewohnt – viel Material und gute Ideen im Gepäck, belässt es aber zu oft bei Ansätzen und Versatzstücken.

Gabriel Bá weiß die Superhelden-Mär in visueller Hinsicht allerdings auf dem sehr hohen Niveau der Vorgänger zu inszenieren und hat mit der Serie seine ganz eigene Bildsprache gefunden.

 

Comic-Trailer

Inhalt

Mit dem Netflix-Erfolg kommt auch die preisgekrönte Comicserie zurück!

Nach hochgelobten, eigenen Projekten kehren Gerard Way (My Chemical Romance, Doom Patrol) und Gabriel Bá (Two Brothers, Daytripper) endlich mit dem jüngsten Kapitel über die bizarren Schicksale ihres einstigen Superhelden-Teams zurück.

Als die Zahl der Irren mit Superkräften wuchs, die alle Sir Reginald Hargreeves Wunderkinder bekämpfen wollten, entwickelte er die ultimative Lösung. Doch nun holt die Vergangenheit seine Zöglinge wieder ein …

(Quelle: Cross Cult)

Autor & Zeichner

Der brasilianische Comic-Zeichner Gabriel Bá und sein Zwillingsbruder Fabio Moon sind seit frühester Kindheit als Zeichnerduo aktiv und haben schon an etlichen Projekten zusammengearbeitet.

Nach ihrem Abschluss an der Kunsthochschule haben sie zusammen das Fanzine „10 Pãezinhos“ herausgegeben und später für den US-amerikanischen Verlag AIT den Comic „Smoke and Guns“ kreiert, ein Bandenkrieg-Epos im Zigaretten-Verkäuferinnen-Milieu. 2006 veröffentlichten sie bei Dark Horse die autobiografisch angehauchte Graphic Novel „De:Tales: Stories of Urban Brasil“, die von Booklist als eine der zehn wichtigsten Comicpublikationen des Jahres ausgezeichnet wurde. „De:Tales“ wurde ebenfalls für den EISNER Award als „Bester Comic 2006“ nominiert.

Unter zahlreichen anderen Projekten hat Gabriel Bá als Zeichner für „Casanova“ mit Autor Matt Fraction und die Miniserie „The Umbrella Academy“ gearbeitet, für die er zusammen mit dem Autor und Sänger der US-Band MY CHEMICAL ROMANCE Gerard Way mit dem EISNER Award ausgezeichnet wurde.

„Comics sind wie Poesie“, ist sein Leitspruch. Denn: „In einem Gedicht ist ein Wort stets mehr als ein Wort, und in einem Comic kann ein Bild mehr als Bild sein.“ Gabriel Bá zeichnet derzeit an der zweiten Staffel von „The Umbrella Academy“, und wird zusammen mit seinem Bruder in die frühen Tage des HELLBOY-Universums abtauchen und sich für die grafische Umsetzung von B.U.A.P. 1947 aus der Feder Mike Mignola und Josh Dysart verantwortlich zeichnen.

Als Leadsänger und Texter der immens erfolgreichen Musikgruppe MY CHEMICAL ROMANCE gehört Gerard Way zu den Pop-Größen der amerikanischen Alternative-Szene und wird nicht nur von Fachpresse und der Emo-Community frenetisch gefeiert. Denn mittlerweile hat sich der 1977 in Neward, New Jersey geborene Way auch als Comic-Autor einen Namen gemacht, wobei nur wenige wissen, dass der Musiker bereits vor seinem Erfolg im Pop-Bizz eine Karriere in der Comic-Branche angestrebt hat.

Im Juli 2008 hat sich sein Traum erfüllt; der Rockstar hat den verdienten EISNER-Award, den „Oscar“ der Comic-Branche, für UMBRELLA ACADEMY entgegengenommen.

(Quelle: Cross Cult)

Details

Format: Hardcover
Veröffentlichung: 27.09.2019
Seitenzahl: 192
ISBN: 978-3-959811-64-4
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Cross Cult

Copyright Cover: Cross Cult



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)