Review

The Umbrella Academy

„Es beginnt einfach großartig: mit einem gewaltigen Schwinger. (…) Das lebhafte, souveräne Tempo, der Humor und Einfallsreichtum, die verknappten, süffisanten Erzähltexte, die sich mit den Dialogen elegant verbanden, und so ein ironisch gefärbtes Ganzes ergaben, lasen sich wie das Werk eines Altmeisters.“

(aus dem Vorwort von Grant Morrison, in The Umbrella Academy 1: Weltuntergangs-Suite)

„Als ich die Geschichte in diesem Band gestern noch einmal gelesen habe, erkannte ich, dass ich am meisten die Mischung aus Begeisterung und Selbstsicherheit in der Stimme des Autors schätze.

(aus dem Vorwort von Neil Gaiman, in The Umbrella Academy 2: Dallas)

Wer von solchen Koryphäen der Comic-Welt wie Grant Morrison und Neil Gaiman geadelt wird, der muss doch vieles richtig gemacht haben. Adressaten der Lobpreisungen sind „Umbrella“-Autor und My Chemical Romance-Sänger Gerard Way sowie der brasilianische Comic-Zeichner Gabriel Bá.

Deren erste Auskopplungen zu „The Umbrella Academy“ erschienen hierzulande erstmals in den Jahren 2009/10. Anlässlich der Veröffentlichung der gleichnamigen Netflix-Originalserie erscheint nunmehr eine Neuauflage bei Cross Cult im größeren Format, die wir unter die Lupe nehmen wollen.

Weltuntergangs-Suite

In seiner Erzählung entführt uns Gerard Way in eine Welt, in der ein Wrestler gegen einen extraterrestrischen Tintenfisch kämpft. Und in ebendieser Welt werden 43 außergewöhnliche Kinder geboren. In allen Fällen handelt es sich offenbar um eine unbefleckte Empfängnis. Von diesen 43 Kindern adoptiert Sir Reginald Hargreeves alias „Das Monokel“, ein exzentrischer Milliardär und unerkannter Außerirdischer, sieben Kinder. Dies tut er, um die Welt zu retten. Seine Kinder zieht er lieblos im Verborgenen groß – eher Mentor als Vater -, einzig mit dem Anspruch der Weltrettung.

Jahre später treffen sich die mittlerweile erwachsenen Super-Sprösslinge Luther/Nummer 1, Diego/Nummer 2, Allison/Nummer 3, Klaus/Nummer 4, Five/Nummer 5 sowie Vanya/Nummer 7 anlässlich des Todes ihres Ziehvaters Sir Reginald Hargreeves wieder. Die chaotische Patchwork-Familie der Umbrella Academy ist zerstritten, aber muss sich zusammenraufen, um das Böse zu bekämpfen.

Dallas

Die zweite Ausgabe steht ganz im Zeichen von Zeitreisen und im Fokus steht Nummer Fünf. Insbesondere geht es um die Ermordung des beliebten US-Präsidenten John F. Kennedy sowie die fiktiven Hintergründe der Tat. Die skurrile Familie muss sich hier abermals zusammenraufen.

Dabei haben sie mit diversen Problemen zu kämpfen: Psychopathische Mörder mit Cartoon-Masken, dem Vietnamkrieg und einem übergewichtigen Leader Luther / Nummer Eins alias Spaceboy. 

Vom wandelnden Eiffelturm bis hin zu toten Präsidenten

Leseprobe aus „The Umbrella Academy 1: Weltuntergangs-Suite“. (Copyright: Cross Cult)

Im Erfolgscomic von Gerard Way und Zeichenstar Gabriel Bá ist einiges geboten. Way spielt besonders gekonnt mit Referenzen und Seitenverweisen auf die Comic-Welt. Dabei ist „Umbrella Academy“ – vergleichbar mit der aktuell laufenden Serie „Black Hammer“ von Jeff Lemire – zugleich eine Liebeserklärung und Verneigung vor dem Genre wie virtuos erzählte, eigenständige Superhelden-Geschichte. Die wilde Patchwork-Familie mit ihren unterschiedlichen Charakteren liefert schrille und verrückte Unterhaltung.

Dies spiegelt sich auch im cartoonigen Artwork von Zeichner Gabriel Bá und den pastelligen, grandiosen Farben von der Legende Dave Stewart wider. Gerade der visuelle Reiz, den die Serie mitbringt, kommt in der Netflix-Serie viel zu kurz, die relativ schlicht und blass daherkommt.

Anzumerken ist, dass Gerard Way seine Erzählung durchaus komplex anlegt und rasant abfeuert. Deshalb verlangt „Umbrella Academy“ nach einem durchweg aufmerksamen und interessierten Leser. Die Bücher lassen sich jedenfalls nicht schlicht am Abend „weglesen“.

Fazit

Gerade im Vergleich zum oben genannten, aktuellen Superhelden-Dauerbrenner „Black Hammer“ kann „The Umbrella Academy“ nicht mit derart starken Charakteren bzw. gut ausgeleuchteten Figuren glänzen. Die Reihe zeichnet sich indes durch ihre ungebändigte Erzähllust, ihre Liebe zum Genre und große visuelle Brillanz aus.

 

Trailer

Inhalt

Die Neuauflage der extravaganten Superhelden-Hitserie – jetzt im größeren Format!
Passend zum Start der Serie bei Netflix!

In einer alternativen Realität, in der John F. Kennedy nie ermordet wurde, werden eine Reihe Kinder mit übernatürlichen Fähigkeiten geboren. Sieben von ihnen werden adoptiert und wachsen gemeinsam auf, um eines Tages die Welt zu retten. Sie sind die Umbrella Academy.

Mit Hilfe ihres Mentors, dem reichen Erfinder und heimlichen Außerirdischen Sir Reginald Hargreeves, haben die Mitglieder der Umbrella Academy während ihrer Kindheit lange das Böse bekämpft – doch heute ist die chaotische Patchwork-Familie zerbrochen, das Team aufgelöst, und jeder hat seinen eigenen Weg gesucht. Doch als Hargreeves plötzlich verstirbt, kreuzen sich die Wege der nun erwachsenen Helden erneut …

THE UMBRELLA ACADEMY vermengt Comic-Klischees, popkulturelle Referenzen und einen ausgeprägten literarischen Spieltrieb zu einer sehr unterhaltsamen, postmodernen Superhelden-Mär.

(Quelle: Cross Cult)

Autoren

Der brasilianische Comic-Zeichner Gabriel Bá und sein Zwillingsbruder Fabio Moon sind seit frühester Kindheit als Zeichnerduo aktiv und haben schon an etlichen Projekten zusammengearbeitet.

Nach ihrem Abschluss an der Kunsthochschule haben sie zusammen das Fanzine „10 Pãezinhos“ herausgegeben und später für den US-amerikanischen Verlag AIT den Comic „Smoke and Guns“ kreiert, ein Bandenkrieg-Epos im Zigaretten-Verkäuferinnen-Milieu. 2006 veröffentlichten sie bei Dark Horse die autobiografisch angehauchte Graphic Novel „De:Tales: Stories of Urban Brasil“, die von Booklist als eine der zehn wichtigsten Comicpublikationen des Jahres ausgezeichnet wurde. „De:Tales“ wurde ebenfalls für den EISNER Award als „Bester Comic 2006“ nominiert.

Unter zahlreichen anderen Projekten hat Gabriel Bá als Zeichner für „Casanova“ mit Autor Matt Fraction und die Miniserie „The Umbrella Academy“ gearbeitet, für die er zusammen mit dem Autor und Sänger der US-Band MY CHEMICAL ROMANCE Gerard Way mit dem EISNER Award ausgezeichnet wurde.

„Comics sind wie Poesie“, ist sein Leitspruch. Denn: „In einem Gedicht ist ein Wort stets mehr als ein Wort, und in einem Comic kann ein Bild mehr als Bild sein.“ Gabriel Bá zeichnet derzeit an der zweiten Staffel von „The Umbrella Academy“, und wird zusammen mit seinem Bruder in die frühen Tage des HELLBOY-Universums abtauchen und sich für die grafische Umsetzung von B.U.A.P. 1947 aus der Feder Mike Mignola und Josh Dysart verantwortlich zeichnen.

Als Leadsänger und Texter der immens erfolgreichen Musikgruppe MY CHEMICAL ROMANCE gehört Gerard Way zu den Pop-Größen der amerikanischen Alternative-Szene und wird nicht nur von Fachpresse und der Emo-Community frenetisch gefeiert. Denn mittlerweile hat sich der 1977 in Neward, New Jersey geborene Way auch als Comic-Autor einen Namen gemacht, wobei nur wenige wissen, dass der Musiker bereits vor seinem Erfolg im Pop-Bizz eine Karriere in der Comic-Branche angestrebt hat.

Im Juli 2008 hat sich sein Traum erfüllt; der Rockstar hat den verdienten EISNER-Award, den „Oscar“ der Comic-Branche, für UMBRELLA ACADEMY entgegengenommen.

(Quelle: Cross Cult)

Details

Format: Hardcover
Veröffentlichung: Band 1: 12.02.2019 / Band 2: 26.02.2019
Seitenzahl: Band 1: 192 / Band 2: 192
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Cross Cult

Copyright Cover: Cross Cult



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)