Review

Ein dunkles Geheimnis

Eiji ist an sich ein zurückhaltender und schüchterner Junge. Offenbar gibt es jedoch Facetten an ihm, die ihm bislang verborgen geblieben sind.

Am Morgen nach einer feucht-fröhlichen Feier erwacht der Student neben einer ausgesprochen hübschen jungen Frau, die ihn mit verliebten Blicken anhimmelt. Doch das ist nicht alles. Das fremde Mädchen behauptet gar nunmehr seine Freundin zu sein. Ein Zustand, gegen den sich Eiji keine Sekunde zur Wehr setzt. Warum auch, schließlich hätte es ihn nicht besser treffen können.

In der Folge häufen sich allerdings Ereignisse, die für den vermeintlichen Normalo unerklärlich bleiben. So soll er sich angeblich geprügelt haben. Überdies verschwinden sogar komplette Tage aus seiner Erinnerung. Sein gesamter Zustand wird zunehmend besorgniserregend.

Von einem aufdringlichen Reporter erfährt Eijis Freundin, dass dessen verstorbener Vater ein berüchtigter Serienmörder war. Sie steht jedoch zu ihm und ist nicht bereit, ausgehend von den Taten des Vaters, den Sohn zu verschmähen.

Als Eiji jedoch Verdächtiger in einem aktuellen Mordfall wird, ist sich der Student selbst nicht mehr so sicher, ob sein ständiger Gedächtnisverlust wirklich ein Glücksfall ist.

Ein souveräner Thriller mit gutem Tempo 

Sowohl die gesamte Prämisse als auch der Klappentext von „The Killer Inside 1“ von Hajime Inoryu und Shota Ito machen gleich neugierig – jedenfalls, wenn man sich für Psychothriller oder das Horror-Genre erwärmen kann.

Die geweckten Erwartungen kann der Auftakt der Serie indessen nur teilweise erfüllen. Größere Überraschungen bleiben – jedenfalls nach Buch 1 – zunächst aus. Das liegt einerseits daran, dass der Titel „The Killer Inside“ doch schon einen gewissen Schatten vorauswirft. Je nach Seh- bzw. Lesegewohnheiten und -erfahrungen sieht man den „Twist“ eigentlich von Beginn an – jeden Augenblick – um die Ecke rollen. Insofern ist andererseits auch bereits das Cover verräterisch, das den jungen Eiji zeigt. Dessen Gesicht durchzieht ein großer Spalt, der eine finstere Seite offenbart. Auch in der Handlung werden überall Spuren und Hinweise gestreut, die allesamt in eine Richtung gehen.

Leseprobe aus „The Killer Inside 1“. (Copyright: Carlsen)

Vermeintlicher Spoileralarm (!): So ist es dann meines Erachtens keine sonderliche Offenbarung, wenn eine Mitschülerin Eiji gegenüber von einer dissoziativen Identitätsstörung spricht.

Interessanter wiederum ist der Aspekt, woher das mysteriöse Mädchen von dessen Abspaltung des Bewusstseins Kenntnis hat. In der Beziehung dieser beiden Figuren ist ebenso noch Potenzial verborgen, wie in der Beziehung von Eiji zu seinem verstorbenen Vater, dem berüchtigten Serienmörder. Diese Aspekte werden allenfalls angerissen und bleiben überwiegend noch im Dunklen.

Zu Jubelsprüngen verleitet einen das Ganze somit noch nicht. Dessen ungeachtet ist der Auftakt zu dieser Thriller-Serie relativ spannend, solide und souverän inszeniert. Mit Eiji wartet ein nahbarer und recht authentischer Akteur auf die Leserschaft, der – im Normalfall – von Selbstzweifeln, Ängsten und Unsicherheiten gezeichnet ist. Ferner wird der regelmäßige Gedächtnisverlust der Hauptfigur immer wieder wirksam ausgespielt und birgt große Ungewissheit und – ein Stück weit – die erhoffte Unvorhersehbarkeit.

Fazit

Der Auftakt verspricht zunächst einen soliden Psychothriller, der sich mehr durch die Ausführung und Inszenierung und weniger durch besonders überraschende Wendungen auszeichnet. Das Artwork gerät ausgesprochen ansehnlich und lässt einen gerne durch das Buch blättern.

Wir sind gespannt, wo der angekündigte Gang in die Unterwelt hinführen wird.


The Killer Inside 1: Ein mörderischer Mystery-Thriller

Inhalt

Band 1 des mörderischen Psychothrillers mit Horrorelementen

Auf den ersten Blick scheint Eiji ein ganz normaler Student zu sein, doch er hat ein Geheimnis: sein verstorbener Vater war ein berüchtigter Serienmörder, der für seine extreme Grausamkeit bekannt war.
Eines Tages wacht Eiji neben einem schönen fremden Mädchen auf, das anscheinend in ihn verliebt ist und behauptet, seine Freundin zu sein, doch eigenartigerweise kann er sich nicht an sie erinnern. Die letzten Tage scheinen wie aus seinem Gedächtnis gelöscht, und es fühlt sich an, als hätte jemand anders die Kontrolle übernommen.
Zur selben Zeit findet die örtliche Polizei eine aufs Übelste verstümmelte Leiche, und für sie besteht kein Zweifel: Eijis Vater ist zurück … doch kann das wirklich sein?

(Quelle: Carlsen)

Details

Format: Taschenbuch
Veröffentlichung: 03.08.2021
Seitenzahl: 224
ISBN: 978-3-551-71946-1
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Carlsen Verlag

Copyright Cover: Carlsen Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)