Review

Die Jagd nach Paperman und dessen Rachefeldzug gehen weiter.
Im zweiten Band von „Prophecy“ geht Tetsuya Tsutsui mehr auf die Ermittlungen der Polizei sowie auf die ersten aktiven Auswirkungen auf die Bevölkerung ein.
Und auch wenn es Ansichtssache ist, aber das Cover des Mangas ist weniger spektakulär als das erste. So etwas macht zwar nicht direkt eine Aussage über den Band an sich, aber schaut man sich das vorläufige Cover des dritten „Prophecy“-Teils beim Carlsen Verlag an, stellt man fest, dass selbst jenes den Plot besser widerspiegelt.

Anders als der erste Band beginnt vorliegender deutlich schwächer. Papermans erste Attacke gilt der amerikanischen Umweltschutzorganisation „Protectors Of The Sea“, die in den öffentlichen Medien keinerlei Mitleid für die Opfer einer Tsunami-Katastrophe in Japan gezeigt haben. Die Mitglieder dieser Organisation zeigen klare Parallelen zu der realen „Sea Shepherd Conservation Society“, dessen Kampf gegen die Walfänger in der Fernsehserie „Whale Wars“ ausgestrahlt wurde. Da die Umweltschützer in „Prophecy“ bei der japanischen Bevölkerung keinen guten Ruf genießen, unterstützen viele anonyme Stimmen im Netz Papermans Aktion.

Doch dieser Handlungsstrang wirkt in diesem Band von „Prophecy“ total überflüssig.
Erst mal, warum sind diese Umweltschützer überhaupt in Japan? Die können doch davon ausgehen, dass sie da nicht gerade herzlich willkommen sind. Der Manga geht aber darauf auch nicht weiter ein.
Dann wirkt es erst so, als ob der Autor den Leser in die Zwickmühle bringen will, mit wem er jetzt sympathisieren soll. Seine Meinung wird aber durch Dialoge und die allgemeine Darstellung der Figuren stark beeinflusst, sodass man am Ende auf der Seite der Japaner steht.
Und auch der Cyberanschlag mit entsprechenden Folgen ist nicht wirklich spektakulär. Allein die Versuche der Polizei, Paperman auf frischer Tat zu erwischen, sind unterhaltsam. An diesem Punkt zeigt sich auch die Auswirkung der „Prophezeiungen“ auf verschiedene Individuen. Unter anderem wird ein Paperman von einem Beteiligten direkt mit den Ereignissen konfrontiert. Dies sorgt beim Plot für ein paar interessante Abzweigungen, aber ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren.

Tetsuya Tsutsui (Copyright: Laurent Koffel)

Tetsuya Tsutsui (Copyright: Laurent Koffel)

Es sind weniger die zusammenhängenden Abläufe, als mehr die kleineren Details, die Tsutsui in seiner kleinen Welt in „Prophecy 2“ geschehen lässt. Beispielsweise eine Debatte über eine verstärkte Kontrolle des Internets, wie es sie auch in unserer Gesellschaft unter anderem gab. Ebenso zeigen sich die ersten Trittbrettfahrer der Paperman-Bewegung.

In Band zwei beschäftigt man sich auch wieder mit dem Character-Developement. Dieses Mal geht es wieder etwas mehr um einen der Papermen „Gates“, dessen Charakterzüge sich ausgerechnet in einer erniedrigenden Polizeiaktion live entladen. Aber zu seiner Verteidigung, diese Szene wurde wirklich so gut dargestellt, dass man sich selbst vor Wut die Faust ballt. Etwas mehr erfahren wir über „Nobita“, durch Flashbacks, Monologe und Ereignisse in seinem Alltag.

Rückblickend ist Band 2 von „Prophecy“ im Großen und Ganzen ok. Viele der Handlungsstränge wirken ein wenig durcheinander geworfen und mit der Anlehnung an reale Ereignisse hat sich Tsutsui etwas verzettelt. Dennoch hat sich an der zeichnerischen Darstellung nichts geändert, sodass man über den einen oder anderen schwächeren Handlungsstrang hinwegsehen kann. Die Ausarbeitung der Charaktere ist aber wirklich gelungen. Als Leser hat man eine Menge Mitleid mit Nobita. Das geht sogar so weit, dass man am Ende vom zweiten Band einen Cliffhanger erwarten darf, der die ganze Sache noch einmal in eine andere Richtung lenken kann. Grund genug, auf den dritten Band gespannt zu sein.

Handlung

Die Soko „Cybercrime“ des Tokyoter Police Departments steht unter Druck: Ein Mann – getarnt mit einer Zeitungsmaske – stellt Videos online, in denen er Rache für nicht ausreichend gesühnte Verbrechen ankündigt. Tags darauf werden die Prophezeiungen wahr. Wer ist der Unbekannte? Wie geht er vor? Was ist sein Motiv? Für die Ermittler beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Während die Lösung des Falls nur schleppend vorangeht, wächst das Interesse der Online-Gemeinde an dem mysteriösen Web-Robin-Hood; bis die User selbst zunehmend in die Geschehnisse verwickelt werden.

(Quelle: Carlsen Verlag)

Autor

Tetsuya Tsutsui ist ein japanischer Mangaka.
Als freier Schriftsteller veröffentlichte er die meisten seiner Werke auf seiner Homepage. Im Jahr 2012 veröffentlicht der japanische Verlag Shūeisha sein Manga „Prophecy“.

(Quelle: Wikipedia)

Tetsuya Tsutsui – Homepage

Details

Format: Großtaschenbuch
Veröffentlichung: 17.03.2015
Seitenzahl: 210
ISBN: 978-3-551-79802-2
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Carlsen Verlag

Copyright Cover: Carlsen Verlag



Über den Autor

Christopher