Review

Mit der „Scheibenwelt“ hat Terry Pratchett ein (im wahrsten Sinne des Wortes) fantastisches Universum geschaffen, das bisher in zahlreichen Veröffentlichungen an Charme und Komplexität gewann. Auch „Toller Dampf voraus“ ist ein Scheibenwelt-Roman. Dies steht zumindest auf dem Cover des beim Manhattan Verlag erschienenen Buches, doch zutreffend ist diese Aussage nur bedingt.

Fans wissen und schätzen den Stil des Autors, der oft genug mit seiner Sprachgewandtheit und seinem englischen Humor aus der Masse an Fantasyautoren herausstach.
Jene Fans sind es nun aber, die ein langes Gesicht ziehen werden – insbesondere ob der wenig gelungenen Übersetzung.

Neulingen hingegen dürfte dies – wegen mangelnder Vergleichsmöglichkeiten – nichts ausmachen?!
Dies mag zwar stimmen, jedoch empfiehlt es sich nicht, mit „Toller Dampf voraus“ in das Scheibenwelt-Universum einzusteigen.
Zu trocken, zu langatmig, zu wenig humorvoll und zu wenig „Pratchett-artig“ fällt der Roman in deutscher Ausgabe aus.
Dazu lassen sich die ewig langen und oft verkompliziert angelegten Sätze nur selten flüssig lesen. Die Gags zünden nicht, sind teilweise kontextlos und sehr einfach gehalten. Vom Talent und Sprachgefühl Pratchetts ist nicht viel spürbar und man wird sich fragen, wie der Autor mit solchen Veröffentlichungen so erfolgreich sein kann. Ein Bild, das fälschlicherweise entsteht, indem ihm die deutsche Fassung wenig gerecht wird.
Wer also des Englischen einigermaßen mächtig ist, sollte sich „Toller Dampf voraus“ in ebenjener Sprache zu Gemüte führen.

Die Idee hinter dem Werk ist nämlich durchaus lesenswert. Obwohl sehr technisiert ausgerichtet, also vermutlich eher ein Roman, der die Männerwelt begeistert, entwickelt sich die Handlung kontinuierlich. Man trifft auf die unterschiedlichsten Charaktere, darunter auch Altbekannte, die kurze Auftritte genießen. Das Gefühl, mit „Toller Dampf voraus“ in der Scherbenwelt angekommen zu sein, entsteht jedoch nicht.

Terry Pratchett (Copyright: Robin Matthews)

Terry Pratchett (Copyright: Robin Matthews)

Tiefgründige Botschaften und/oder Bezüge zum aktuellen Zeitgeschehen, die immer wieder in Pratchett-Romanen zu finden sind, gibt es auch hier. Der gestörte Lesefluss verhindert aber ein genaueres Erkennen und darüber Nachdenken. Insgesamt wirkt der Inhalt durch diese unschöne Ablenkung und den zähen Lesegenuss zu profan und öde. Es werden sich viele wahrscheinlich bis zur letzten Seite durchkämpfen müssen. Ein Umstand, den kein Pratchett-Buch verdient hat.

Ernüchternd fällt damit das Fazit für „Toller Dampf voraus“ aus. Mehr als gut gemeinte 2 Punkte sind leider nicht drin und die Empfehlung geht eindeutig an die englische Originalfassung.

Inhalt

Der Fortschritt dampft durchs Land – und auf der Scheibenwelt geht’s rund

Die Bewohner Ankh-Morporks, der größten Stadt der Scheibenwelt, sind allerlei Wunder gewöhnt – doch angesichts des rauchenden, glühenden Ungeheuers, das da vor ihnen steht, erstarren sie vor Ehrfurcht: Die Dampflokomotive hält Einzug auf der Scheibe. Lord Vetinari ist erst skeptisch, beschließt jedoch schnell, sich mithilfe Feucht von Lipwigs das eiserne Ungetüm lieber untertan zu machen. Und so wird bald überall fleißig am Schienennetz gebaut. Fast überall: Eine radikal konservative Splittergruppe von Zwergen nutzt das Feuerross, um der herrschenden Schicht mächtig Dampf zu machen …

(Quelle: Manhattan)

Autor

Terry Pratchett, geboren 1948, fand im zarten Alter von 13 Jahren den ersten Käufer für eine seiner Geschichten. Heute zählt der kleine Mann mit dem großen schwarzen Schlapphut zu den erfolgreichsten Autoren Großbritanniens und ist einer der populärsten Fantasy-Autoren der Welt.
Seit 1983 schreibt er Scheibenwelt-Romane. Inzwischen widmet er sich ganz seiner Schöpfung, und seine Gemeinde wird täglich größer. Dabei ist er zweifellos der Autor mit dem skurrilsten ehemaligen Beruf: Er war jahrelang Pressesprecher für fünf Atomkraftwerke beim Central Electricity Generating Board. Nach eigener Auskunft hat er nur deshalb noch kein Buch darüber geschrieben, weil es ihm ja doch keiner glauben würde. Seinen Sinn für Realsatire hat der schrille Job jedenfalls geschärft.
Von seinen Scheibenwelt-Romanen wurden weltweit rund 80 Millionen Exemplare verkauft, seine Werke sind in 37 Sprachen übersetzt. Für seine Verdienste um die englische Literatur wurde ihm sogar die Ritterwürde verliehen.
Umgeben von den modernsten Computern (und so durch ein Stück Schnur mit dem Rest der Welt verbunden) lebt Terry Pratchett mit seiner Frau Lyn in der englischen Grafschaft Wiltshire.

(Quelle: Manhattan)

Terry Pratchett – Homepage
Terry Pratchett – Facebook

Details

Format: Paperback, Klappenbroschur
Vö-Datum: 03.11.2014
Seitenzahl: 448
ISBN: 978-3-442-54751-7
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Manhattan

Copyright Cover: Manhattan



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde