Review

Bereits 2016 veröffentlichten der Autor José Manuel Robledo und sein langjähriger Freund und Zeichner Marical Toledano den ersten Band der nun bei Cross Cult neu aufgelegten „Tebori“-Trilogie.

Diese im großen Albumformat aufgelegte kleine Reihe spielt im Yakuza-Millieu und verfolgt den Werdegang des äußerst talentierten Tätowierers Yoshi.

Die Themen und spoilerfreie Handlung

Yoshis Geschichte beginnt in den späten 90ern. Zu dieser Zeit ist er noch aktives Mitglied einer Motorradgang, die auch vor Gewalt anderen Gangs gegenüber nicht zurückschreckt.

Durch ungeplante Schicksalsschläge wird er zu dem Meister Tätowierer Seijun gebracht, um dort ein gesetzestreuer Mensch zu werden und etwas mit seinem Leben zu machen. Nur einige Jahre später ist er bereits Geschäftsführer und hart arbeitender Tätowierer, der auch die ausschließlich auf händischer Arbeit basierende Tebori-Technik erlernt hat. Da der Meister Seijun seine Arbeit niederlegen möchte, darf und muss nun Yoshi in die Welt der Tattoos der Yakuza einsteigen und stößt dabei auf die merkwürdigsten Geschichten, Motive und Menschen.

Der erste Band von „Tebori“ führt die Figuren ein und gibt einem das Gefühl, die Kultur des Tattoos in Japan und seinem zwischen Moderne und Traditionen verhafteten Daseins mitzuerleben. Durch die vielen japanischen Worte, die im Glossar des Comics erklärt werden, bekommt man den Eindruck einer authentischen Erzählung, die noch mehr als bloße plakative Oberfläche abbildet. Der Comic erzählt ein Stück japanische Kultur.

Der Stil

Ganz klar ersichtlich ist die computerbasierte Illustration an vielen Stellen dieses Comics. Es sind glatte Colorgradings, perfekte Linien und Schattierungen mithilfe eines dunkleren Tons derselben Farbe zu sehen. Indem die vielen Tattoos sehr detailliert dargestellt und die Rückblenden in der Geschichte mit der für Mangas so typischen Rasterfolie schattiert werden, kreiert der Zeichner Toledano einen stilistischen Spagat zwischen westlicher Moderne und japanischer Tradition.

Leseprobe aus „Tebori 1“. (Copyright: Cross Cult)

Auch die Anspielung auf Kanagawas „große Welle“ auf dem Cover sowie jene ganz eigene Interpretation auf dem Rücken des Protagonisten zeugt von ebendiesem Aufeinandertreffen der Weltansichten. Sehr schön, dass es auch der Autor Robledo in seiner Handlung so angelegt hat und diese Thematik hoffentlich in den folgenden zwei Bände auserzählen wird. Die zwei Künstler arbeiten spürbar eng zusammen und schaffen einen stimmigen Comic.

Fazit

Mit seinen nur 45 Seiten eigentlicher Handlung ist dieser Comic ziemlich kurzweilig. Das Albumformat mag für viele ein besonderer Anreiz sein, diesen Comic zu kaufen. Den künstlerisch gestalterischen Raum hätte es für diesen Comic jedoch nicht im Großformat gebraucht, da der Stil dann in der Summe doch eher wenig aufregend ist. Positiv anzumerken sind die sehr umfangreichen Charakterstudien, Umgebungen, Tattoos und vieles mehr am Ende des Comics.

Auch die Handlung hat aufgrund der Kürze des Bandes leider noch nicht so viel Tiefe erhalten. Der Konflikt ist jedoch gründlich exponiert, die Figuren wurden sauber eingeführt und ihre Motivationen sind klar und nachvollziehbar. Vielleicht wird der zweite Band den Eindruck des ersten „Tebori“ rumreißen und es wird zu einer Geschichte, die nicht nur atmosphärisch gekonnt einen Tätowierer im Yakuza-Milieu begleitet.


Tebori 1

Inhalt

Gefährliche Tätowierungen und dunkle Geheimnisse

Der rebellische Teenager Yoshi wird von seinem Großvater zu Seijun, einem hochangesehenen Tätowierer, geschickt. Entgegen allen Erwartungen beherrscht der Junge die Kunst des Tätowierens wie kein zweiter und kann sogar die komplizierte Tebori-Technik meistern. Zehn Jahre später verrät Seijun seinem Lehrling ein großes Geheimnis: Seine Kunden sind die Yakuza, die gefürchtete japanische Mafia. Jede ihrer Tätowierungen hat eine spezifische Bedeutung im Zusammenhang mit den Morden, die sie begangen haben. Takeshi ist einer dieser Kunden mit einer Tätowierung, die seinen ganzen Rücken bedeckt und eine seltsame Kreatur darstellt, von der man sagt, sie sei ein Vorzeichen für eine Katastrophe …

(Quelle: Cross Cult)

Autor

José Robledo
wurde 1979 in Madrid geboren. Obwohl er zunächst Philosophie studierte und an einem Kurs für das Schreiben von Filmen teilnahm, erwarb er schließlich einen Abschluss in Bildender Kunst an der Complutense Universität in Madrid. Dort lernte er 2001 Marcial Toledano kennen, mit dem er in den kommenden Jahren noch viele Male zusammenarbeiten sollte. In Frankreich hatten sie großen Erfolg mit der Serie „Ken Games“, und Anfang 2016 begannen beide die Arbeit an dem japanischen Mafia-Thriller „Tebori“.

(Quelle: Cross Cult)

Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 28.05.2021
Seitenzahl: 72
ISBN: 978-3-966583-54-1
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Cross Cult

Copyright Cover: Cross Cult



Über den Autor

Lars Hünerfürst
Musiker, Texter und Mensch, lebend in Berlin.