Review

Endlich scheinen sämtliche Hüllen gefallen zu sein, dennoch bringt die Reihe „Ghost Tower“ immer wieder neue Abgründe sowie Personen hervor, die doch nie ganz die zu sein scheinen, die sie vorgeben. Auch das Geheimnis um Tetsuo, der sein wahres weibliches Dasein als Reiko nach dem Mord an seiner Mutter aufgegeben hat, lenkt den vierten Band in eine neue Richtung, während Protagonist Taichi, obwohl er nun mehr Vertrauen aufbauen konnte, immer weiter in Unwissenheit abzudriften scheint. Und auf dem Weg zum letzten Akt landen die beiden ausgerechnet in einem Dorf, in dem die Zivilisation nie angekommen zu sein scheint …

Man muss diese Reihe schon loben. Obwohl es immer wieder Schwierigkeiten im Aufbau des Plots gibt, bleibt die gesamte Story nie langweilig. Vielleicht ist es gerade diese Unklarheit, die „Ghost Tower“ nach jedem Band bei den Lesern hinterlässt, die dafür sorgt, dass man am Ball bleibt. Die ersten beiden Kapitel des vierten Bandes sind jedenfalls grandios inszeniert. Zwar nicht allzu actionlastig, verschaffen Taro Noziakas Bilder trotzdem suggestiv Einblicke in Charaktere und die Umwelt dieser kleinen Welt.

Tatsächlich gibt es zwei Hauptelemente der Story, die sowohl eine Menge Potenzial der Reihe ausschöpfen als auch ihre Schwächen aufzeigen.
Wir haben hier einmal den optischen Geschlechtertausch von Tetsuo und Taichi. Da sie nun auf der Flucht sind und des Mordes beschuldigt werden, müssen sie sich so unauffällig wie möglich fortbewegen. Dies bringt einerseits interessante neue Seiten der Protagonisten zum Vorschein, andererseits zeigt sich eine nette Herangehensweise an das Verhalten der beiden. Natürlich kommen hier auch die aufgezeigten Vorurteile beider Geschlechter gegenüber zum Vorschein.

Dieses Schauspiel zieht sich durch den gesamten Band und das ist auf Dauer stark ermüdend. Nicht unbedingt, weil es ungewohnt wirkt, sondern aufgrund der Einleitung dieser „Verwandlungen“. Wäre es nicht als anfänglicher Gag aufgezogen worden, wäre das Ganze sicherlich deutlich authentischer beim Leser angekommen. So hofft man eigentlich nur auf einen vorübergehenden Zustand.

Die Story wirft Taichi und Tetsuo unfreiwillig in ein Dorf, in dem die Tradition über allem steht und in dem sie festgehalten werden. Was zunächst sehr klischeebehaftet wirkt, entwickelt sich zu einer Krimi-Story. Es ist schön zu sehen, dass „Ghost Tower“ diesen Einfluss nicht ganz aus den Augen verloren hat.
Auf der einen Seite ein düsterer Ausflug und auf der anderen Seite ein stark in die Länge gezogener Plot bis zum Finale. Viel zur Hauptstory wird hier nämlich leider nicht beigetragen, außer vielleicht ein paar Anekdoten. Dieses Dorf entpuppt sich als Füller, der sich auch noch über mehrere Tage hinstreckt.

Aber vor allem liest sich das Ganze wieder gut in einem durch, was besonders an der qualitativen Präsentation der Zeichnungen liegt; etwas weniger Horror-Momente, dafür viele optische Metaphern und ein wenig Wahnsinn. Es heißt also: Dranbleiben, denn „Ghost Tower“ scheint gerade erst so richtig in Fahrt zu kommen.

Handlung

Eine Stadt in Japan, 1952: Ein geheimnisvoller Uhrturm wird Tatort eines schaurigen Mordes und eine junge Frau beschuldigt, ihre Adoptivmutter auf grausame Weise umgebracht zu haben.

Zwei Jahre später meiden die Bewohner der Stadt diesen Ort. Es heißt, dort würde es ruhelose Geister geben, die nach Rache dürsten … Und tatsächlich wird der „Spukturm“ zum Schauplatz eines Verbrechens, als der junge Mann Taichi Amano dort herumstöbert. Jemand bzw. „etwas“ greift ihn an.
Als er wieder zu Bewusstsein kommt, findet er sich ganz ähnlich gefesselt vor wie die Tote vor zwei Jahren an den Zeigern der Turmuhr – und jede Minute droht ihm der Tod! Diesem kann er nur entrinnen, als ihn Tetsuo, ein geheimnisvoller junger Mann, rettet.

Dieser sucht nach dem Schatz, der angeblich beim Spukturm versteckt sein soll und er bittet den gerade geretteten Taichi ihn dabei zu unterstützen.
Taichi macht mit, denn sein Leben bietet ihm kaum Perspektiven. Zudem ahnt er nicht, was für Gefahren auf ihn und seinen mysteriösen Partner noch lauern …
Ein Fehler, der ihn noch einiges kosten wird!

(Quelle: Carlsen Verlag)

Details

Format: Großtaschenbuch
Veröffentlichung: 22.03.2016
Seitenzahl: 224
ISBN: 978-3-551-79294-5
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Carlsen Verlag

Copyright Cover: Carlsen Verlag



Über den Autor

Christopher