Review

Man sollte sich nicht von dem kitschigen Cover dieses Mangas täuschen lassen, denn hinter dem dritten Band von „Ghost Tower“ steckt viel mehr, als man auf den ersten Blick vermuten mag. Taro Nogizaka führt seine Protagonisten zurück zum gespenstischen Uhrturm, der all die Gerüchte, die sich um ihn ranken, ums grausamste übertrifft.

Diejenigen, die die Reihe schon länger verfolgen, dürfen sich über eine Menge aufklärender Elemente freuen inklusive kurzer Flashbacks und nach außen getragener Emotionen, wie z.B. von Figur Tetsuo. Von dem Klischee des verrückten Wissenschaftlers aus Band 2 weg, zurück in den Geisterturm. Dort, wo viele Fäden zusammenlaufen und noch mehr Opfer gefordert werden.

Der Horror wird hier abermals hochgehalten. An vielen Stellen scheint es so, als hätte sich der Autor an klassischen Elementen aus älteren Horrorfilmen bedient. Die künstlerische Visualisierung der Szenen vollbringt dabei Punktlandungen. Besonders die Arbeit mit Licht und Schatten sowie gruselige Close-ups gilt es an dieser Stelle positiv hervorzuheben.

Auch was die Gewaltdarstellung angeht, zeigt man sich nicht zimperlich. Es wird aber keine Szene allzu übertrieben dargestellt, vielmehr setzt man auf Panels ohne jegliches Lettering, die für sich selbst stehen.
Zudem findet man keine übermäßigen Verzerrungen in den Zeichnungen oder dick aufgetragenes Inking für mehr Ausdruck, sondern grundsätzlich eine nüchterne Visualisierung vor.

„Ghost Tower“ findet in Band 3 auf jeden Fall seinen roten Faden wieder, obwohl dieser durch einen arg erzwungenen Handlungsstrang hervorgerufen wird. Inhaltlich wirkt alles aufeinander ein, sodass viele Schlüsselszenen in dem Ganzen unterzugehen drohen. Oft muss man die vorherigen Werke noch einmal nachschlagen, um die verschiedenen Plot-Elemente für sich selbst zu reflektieren. Erst dann entfalten die emotionalen Parts ihre volle Wirkung, von denen es überraschend viele gibt.

Um nicht zu viel verraten zu wollen, aber als Leser von „Ghost Tower“ darf man am Ende der dritten Ausgabe keinen wirklichen Cliffhanger erwarten. Im Gegenteil, der Plot wird noch einmal komplett umgedreht und erhöht den Sympathiefaktor gegenüber den beiden Hauptfiguren Taichi und Tetsuo enorm. Es ist so, als ob der intentionale Fokus, der die ganze Zeit über angestrebt wurde, endlich zum Tragen kommt.

Am Ende bleibt zu sagen, dass hier viel Unterhaltung auf den Leser zukommt – hauptsächlich in Hinblick auf das Horror- und Thrillergenre, welche einen Großteil des Bandes einnehmen. Es fehlt allerdings immer noch an einer gewissen runden Sache, die das Lesen nicht ständig so holprig gestaltet. Aufgrund des Endes kann man im Nachfolger jedoch einige Punkte mehr erwarten.

Handlung

Eine Stadt in Japan, 1952: Ein geheimnisvoller Uhrturm wird Tatort eines schaurigen Mordes und eine junge Frau beschuldigt, ihre Adoptivmutter auf grausame Weise umgebracht zu haben.

Zwei Jahre später meiden die Bewohner der Stadt diesen Ort. Es heißt, dort würde es ruhelose Geister geben, die nach Rache dürsten … Und tatsächlich wird der „Spukturm“ zum Schauplatz eines Verbrechens, als der junge Mann Taichi Amano dort herumstöbert. Jemand bzw. „etwas“ greift ihn an.
Als er wieder zu Bewusstsein kommt, findet er sich ganz ähnlich gefesselt vor wie die Tote vor zwei Jahren an den Zeigern der Turmuhr – und jede Minute droht ihm der Tod! Diesem kann er nur entrinnen, als ihn Tetsuo, ein geheimnisvoller junger Mann, rettet.

Dieser sucht nach dem Schatz, der angeblich beim Spukturm versteckt sein soll und er bittet den gerade geretteten Taichi ihn dabei zu unterstützen.
Taichi macht mit, denn sein Leben bietet ihm kaum Perspektiven. Zudem ahnt er nicht, was für Gefahren auf ihn und seinen mysteriösen Partner noch lauern …
Ein Fehler, der ihn noch einiges kosten wird!

(Quelle: Carlsen Verlag)

Details

Format: Großtaschenbuch
Veröffentlichung: 26.01.2016
Seitenzahl: 224
ISBN: 978-3-551-79293-8
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Carlsen Verlag

Copyright Cover: Carlsen Verlag



Über den Autor

Christopher