Review

Seitdem der amerikanischen Autorin Sylvia Day mit ihrer „Crossfire“-Reihe der große internationale Durchbruch als Schriftstellerin gelungen ist, gibt es scheinbar kein Halten mehr für sie; die Ideen sprudeln nur so aus ihr heraus, sodass mit „Begehren“ bereits der zweite Teil ihrer neu gestarteten „Dream Guardians“-Reihe vorliegt.

Die wenigen 320 Seiten des Romans schüren allerdings die Vermutung, dass die derzeitige Erfolgswelle Days durch eine Masse an Veröffentlichungen, nicht jedoch unbedingt durch Qualität eben jener ausgenutzt werden will. Und ist man am Ende des zweiten „Dream Guardians“-Bands angekommen, so bestätigt sich dieser Eindruck.
Dies wundert nicht, berücksichtigt man die Tatsache, dass Sylvia Day innerhalb nur eines Jahres neun Bücher veröffentlicht hat. Bei dieser hohen Anzahl erstaunt es fast schon, dass die Autorin es dann doch noch schafft, den Überblick über ihre Handlungen und Figuren zu wahren.

Und das tut sie, wenngleich es beidem in „Begehren“ an Tiefe fehlt.
Immer dann, wenn nicht nur an der Oberfläche gekratzt wird, bricht Day ihre diesbezüglichen Gedankengänge abrupt ab.
Eventuell will sie damit Erwartungen und Neugier beim Leser hervorrufen, vielleicht auch noch nicht alle Geheimnisse lüften und offene Fragen beantworten, denn es sind ja schließlich noch weitere Teile der Serie in Planung. Verständlich und nachvollziehbar ist dieses Vorgehen daher in der Theorie, den Lesegenuss fördert dieser Umstand allerdings nicht. Und so ist es wenig akzeptabel, dass der Inhalt sehr kurzweilig und die Figuren eher lieblos kreiert erscheinen.

Sylvia Day (Copyright: Ian Spanier Photography)

Sylvia Day (Copyright: Ian Spanier Photography)

Insbesondere die Charakterausarbeitung hätte mehr Zeit und Details vertragen, ja, geradezu benötigt.
Was in „Verlangen“, dem ersten Teil der Serie, noch recht gut gelang, will in „Begehren“ einfach nicht funktionieren.
Obwohl die nun zu Protagonisten gewordenen Charaktere Stacey Daniels und Connor Bruce aus dem ersten Band als Nebenfiguren keine Unbekannten mehr sind, wird ihnen hier nicht die Ehre zuteil, den Leser zu berühren oder an Format zu gewinnen.
Ob nichtssagende, teils rohe und meist knappe Dialoge oder der dabei zum Vorschein kommende fehlende Zusammenhang innerhalb ihrer Gespräche und Interaktionen – es will alles nicht so richtig zusammenpassen. Ob dies der Übersetzung anzukreiden ist oder ob sich Sylvia Day tatsächlich so wenig Mühe beim Schreiben gegeben hat, kann ich nicht beurteilen. Fakt ist aber, dass dies zusammengenommen einen faden Beigeschmack hinterlässt.

Das letztlich folgende offene Ende war abzusehen und enttäuscht daher auch nicht. Was aber frustriert, ist der immense Zeitsprung, der gegen Ende präsentiert wird und dadurch quasi eine einzige große Leerstelle abgibt. So erspart sich Day natürlich die Ausarbeitung der Charakterentwicklung und das stetige Vorantreiben der Handlung. Inwieweit es jedoch gut ist, dem Leser derart viel eigene Fantasie zu gewähren, ist Geschmackssache, wenn ich aber auf diese Weise auf mich allein gestellt bin, bräuchte ich mir eigentlich auch kein Buch kaufen, sondern könnte mich selbst daran machen, eine Geschichte auszudenken.

Der Veröffentlichungsturnus der Autorin mag gerade für ihre Fans ein Pluspunkt sein, vorteilhafter wäre es aber, zukünftig dabei die Qualität der Romane nicht aus den Augen zu verlieren. Somit ist die inhaltliche Idee, die hinter der „Dream Guardians“-Reihe und damit auch in der Fortsetzung „Begehren“ steckt, immer noch sehr gut, rein schriftstellerisch sind jedoch andere Werke der Autorin weitaus besser gelungen, sodass „Begehren“ zwar Lust auf den Fortgang der Serie macht, es aber trotzdem das bisher schwächste von mir gelesene Day-Buch darstellt.

Klappentext

Als Stacey Daniels den attraktiven Bad Boy Connor Bruce begegnet, kann sie es kaum glauben: Zum ersten Mal in ihrem Leben verliebt sie sich Hals über Kopf, zum ersten Mal in ihrem Leben erfährt sie, was wahre Leidenschaft bedeutet. Doch Connor stammt aus einer anderen Welt – einer Welt, die dunkel und gefährlich ist, und mit der nun auch Stacey in Berührung kommt …

(Quelle: Heyne Verlag)

Autor

Die Nummer-1-Bestsellerautorin Sylvia Day stand mit ihrem Werk an der Spitze der New York Times-Bestsellerliste sowie 21 internationaler Listen. Sie hat über 20 preisgekrönte Romane geschrieben, die in mehr als 40 Sprachen übersetzt wurden. Weltweit werden ihre Romane millionenfach verkauft, die Serie CROSSFIRE ist derzeit als TV-Verfilmung in Planung. Sylvia Day wurde nominiert für den Goodreads Choice Award in der Kategorie bester Autor.

(Quelle: Heyne Verlag)

Sylvia Day – Homepage
Sylvia Day – Facebook
Sylvia Day – Twitter

Reihe

„Dream Guardians“-Reihe:

01 Dream Guardians – Verlangen
02 Dream Guardians – Begehren

 

– weitere Veröffentlichungen –

„Crossfire“:

01 Crossfire. Versuchung
02 Crossfire. Offenbarung
03 Crossfire. Erfüllung
04 Crossfire. Hingabe (in Planung)

 

Einzelromane:

01 Geliebter Fremder
02 Sieben Jahre Sehnsucht
03 Stolz und Verlangen
04 Eine Frage des Verlangens
05 Spiel der Leidenschaft
06 Ihm ergeben – erscheint demnächst (08.12.2014)
07 Im Bann der Liebe – erscheint demnächst (12.01.2015)
08 Reizende Verlockung – erscheint demnächst (09.02.2015)

Details

Format: Taschenbuch (Klappenbroschur)
Vö-Datum: 12.05.2014
Seitenzahl: 320
ISBN: 978-3-453-53456-8
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Heyne Verlag

 

Copyright Cover: Heyne Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde