Review

Es gibt Momente, da beginnt man nichts ahnend und ohne nennenswerte Erwartungen ein Buch und entdeckt damit eine wahre Perle in einem Genre, das derzeit vor Veröffentlichungen nur so überquillt. So ergeht es dem Leser mit Susanne Schmidts erotischen Roman „In einem glühend blauen Sommer“.

Liest man sich zunächst den Klappentext durch, so hält sich dieser ziemlich zurück mit inhaltlichen Details, die einen in dem 288-seitigen Buch erwarten mögen. Von Gewittern ist die Rede, aber auch von traumhaften Tagen. Eine Protagonistin wird erwähnt, die sich an der Geselligkeit im Kreise ihrer Freundinnen erfreut, jedoch den Stress des Alltags und Berufs nicht abschütteln kann und gefährliche Affären eingeht. Und letztlich von einem Sommer, der nicht nur ihr Leben ändern wird.
Das klingt zunächst alles sehr blumig, vage und schwammig, entpuppt sich bei und nach dem Lesen von „In einem glühend blauen Sommer“ jedoch als Highlight.

Insbesondere liegt dies daran, dass sich Autorin Susanne Schmidt nicht nur auf eine profane Liebesgeschichte oder die erotische Komponente der Lektüre beschränkt, sondern es versteht, beides harmonisch miteinander zu verbinden und um weitere interessante Elemente zu bereichern.  So verpasst sie ihrem Roman etwa durch das eingebundene Thema Stalking einen spannenden und teilweise dramatischen Anstrich, während philosophische Ansätze und Fragestellungen (wie zum Beispiel „Was ist Liebe?“) dem Buch sehr viel Tiefe verleihen.

Dazwischen bietet Schmidt ihren Lesern durch die Darstellungsweise der Hauptfigur Julia viele Identifikationsmöglichkeiten.
Diesbezüglich ist es ein kluger Schachzug, den Roman in tagebuchartiger Form verfasst zu haben, denn durch diesen Stil lässt sich „In einem glühend blauen Sommer“ zum einen sehr leicht und schnell lesen, zum anderen wirkt die Ich-Erzählperspektive äußerst direkt und persönlich. Das Seelenleben der Protagonistin wird dadurch nach außen gekehrt und dem Leser zugänglich gemacht. Somit bleiben die Verhaltensweisen und Entscheidungen der Hauptfigur stets schlüssig und nachvollziehbar.

Und das auch, obwohl die Erzählreihenfolge nicht chronologisch angelegt ist. Während sich die gesamte Handlung in geraffter Form über einen Zeitraum von knapp vier Jahren (2010-2014) erstreckt, springt die Figur mit ihren „Tagebucheinträgen“ innerhalb dieser Zeit hin und her. Aufmerksame Leser werden dabei jedoch keinerlei Probleme haben, ihren Schilderungen zu folgen.

Auch die erotischen Sequenzen, die Schmidt durch ihre Figur Julia beschreibt, gestalten sich authentisch, sie sind im Vergleich zu anderen erotischen Romanen jedoch eher rar gesät. Darüber hinaus – und das ist sehr positiv – verzichtet die Autorin auf eine auffallend vulgäre Sprache, um der Erotik Ausdruck zu verleihen. Vielmehr findet sie Worte, die der Leser selbst gebrauchen würde, was weiteres Identifikationspotenzial schafft. Gleichzeitig bringt dies einen Nachteil mit sich, denn das Prickelnde, Knisternde solcher Textpassagen will sich nicht einstellen. Diesbezüglich springt der Funke nicht auf den Leser über. In Anbetracht des gelungenen und tiefgründigen Inhalts ist dies jedoch durchaus zu verschmerzen.

„In einem glühend blauen Sommer“ ist insgesamt betrachtet weit davon entfernt, als stumpfe erotische Unterhaltungsliteratur abgetan zu werden. Obwohl sich der Roman schnell zwischendurch lesen lässt, hinterlässt er einen nachhaltigen Eindruck und fällt in der Masse an genregleichen Publikationen auf. Wer sich für erotische Literatur begeistern kann, der sollte hier mal einen Blick riskieren.

Handlung

Julia ist Ende zwanzig, frei und ungebunden wendet sie sich ihrer beruflichen Karriere zu. Sie lebt in Wohngemeinschaft mit einer Freundin, hat eine Affäre mit einem älteren Mann, Andy, mit dem sie die Freuden der Lust zwischen Berlin und Stuttgart genießt. Sie begehrt ihn, sehnt sich manchmal nach mehr, doch er entzieht sich ihr immer wieder. Sie lässt sich auf das erotische Abenteuer zwischen Lust und Sehnsucht ein, auch wenn sie sich in einigen wenigen Momenten doch nach einer festen Bindung sehnt, genießt sie ihre Unabhängigkeit. Als Andy eine Auszeit nimmt, lässt sie sich in neue Abenteuer ein, einen alten Studienfreund, einen gefährlichen Ferienflirt. Ein glühend blauer Sommer, gemacht für heißen Sex. Bis Felix in ihr Leben tritt. Plötzlich fahren ihre Gefühle Achterbahn und ihr Liebesleben gerät durcheinander. Dann gerät sie in Gefahr.

(Quelle: konkursbuch Verlag)

Autorin

Susanne Schmidt

bei Frankfurt geboren, studierte in Berlin und lebt jetzt bei Stuttgart.
Sie veröffentlichte Beiträge u.a. im Jahrbuch der Erotik „Mein heimliches Auge“ sowie ein E-Book mit Erzählungen.
„In einem glühend blauen Sommer“ ist ihr erster Roman.

(Quelle: konkursbuch Verlag)

Details

Format: Klappenbroschur, Fadenheftung
Vö-Datum: 00.01.2015
Seitenzahl: 288
ISBN: 978-3-88769-736-5
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: konkursbuch Verlag Claudia Gehrke

Copyright Cover: konkursbuch Verlag



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde