Review

Jenseits der Erde

Jüngst musste Superman Kal-El alias Clark Kent feststellen, dass seine übermenschlichen Kräfte mehr und mehr schwinden. Sein Sohn Superboy Jonathan „Jon“ Kent hat indessen in der Zukunft des 31. Jahrhunderts erfahren, dass sein ebenso ruhmreicher wie mächtiger Vater Superman sterben muss („Superman Special: Infinite Frontier“).

Nur ungern vernimmt der Super-Spross daher die Kunde, dass der Senior ein neues Super-Team rund um zwielichtige Gesellen wie Manchester Black, Enchantress und Midnighter versammelt, um ins All zur Warworld aufzubrechen („Superman und die Authority“). Denn einerseits bedeutet das, dass der Tod von Superman immer näher rückt; andererseits jedoch auch, dass der gerade noch heranwachsende Superboy nunmehr aus dem Schatten treten und zur größten Helden-Ikone der Erde aufsteigen muss. Ein gewisser Druck ist da nicht von der Hand zu weisen.

Der Mann für die Zeit danach

Bereits die Geburt des kryptonisch-menschlichen Nachwuchses schürt unbescheidene Erwartungen. Nicht weniger als der größte Held der Erde könnte der Sohn von Lois Lane und Clark Kent werden. Doch nun ist die Schonzeit vorüber. Jetzt muss der Sohn aus Stahl in die übergroßen Stiefel und das Cape des berühmten Vaters hineinwachsen.

Unmittelbar nachdem Superman und die Authority in die Tiefen des Weltalls aufgebrochen sind, wird das Landhaus der Familie Kent aus der Luft attackiert. Hinter dem heimtückischen Angriff steckt offenbar ein gewisser Henry Bendix, seines Zeichens Despot des Inselstaates Gamora. Der hat es nicht nur auf das Leben des neuen Manns von Morgen abgesehen; vielmehr züchtet er auf seinem Hoheitsgebiet Superwesen, mit denen er unmenschliche Experimente durchführt.

Um es mit einem ganzen Staat aufzunehmen, bedarf selbst ein mit scheinbar unermesslichen Superfähigkeiten ausgestatteter junger Held Hilfe. So kann sich Jon auch in dieser schweren Zeit auf seine Mutter Lois, seinen besten Freund und Batmans Sohn Damian Wayne alias Robin sowie neuerdings auf den Betreiber des unabhängigen Nachrichtenformats „Die Wahrheit“, Jay Nakamura, verlassen. Mit Letzterem bahnt sich überdies eine vorsichtige Liebesbeziehung an.

Der ehemalige Superboy

Es ist an dem umtriebigen DC-Autor Tom Taylor („Batman: Equilibrium“), den gereiften Jonathan „Jon“ Kent („Superman Sonderband 2: Super-Söhne“) in die neue Infinite Frontier-Ära („Infinite Frontier Special“) zu führen.

Der neue Mann aus Stahl zeigt sich dabei überwiegend durchaus gewohnt als Symbol für Hoffnung, Freiheit und Gerechtigkeit. Der Sohn zweier Welten tritt sein Vermächtnis als Beschützer der Erde zwar selbstkritisch, indes vor allem selbstbewusst an.

Leseprobe aus „Superman: Sohn von Kal-El 1“. (Copyright: Panini Comics)

Dass wir es hier dennoch nicht mit dem übermächtigen Vater zu tun haben, offenbart sich etwa an den deutlichen Coming of Age-Bezügen, wie der Suche nach der eigenen Identität und Rolle sowie dem Erblühen einer jungen Liebe. Erfrischend ist in diesem Zusammenhang, wie unverkrampft Taylor die homosexuelle Identität seiner Hauptfigur in die Geschichte einbindet. Kritisieren mag man allenfalls, dass die erste Annäherung der beiden jungen Männer ein wenig aus dem Nichts kommt; ein eingehender Aufbau oder eine längere Entwicklung wird diesbezüglich nicht geleistet.

Der Schurke Henry Bendix wird bislang insbesondere diabolisch und geheimnisvoll skizziert. Dessen wahre Absichten liegen noch im Verborgenen. Ob diese erste Superman-Story einer neuen Zeit eine außergewöhnliche wird, hängt freilich auch davon ab, wie interessant die Motivation des Schurken tatsächlich ist.

Das fantastische Artwork von John Timms wird leider für die US-Ausgabe #4 von Daniele Di Nicuolo harsch unterbrochen; die dortigen Illustrationen fallen qualitativ erheblich ab.

Fazit

Das Cover für den neuen Superman suggeriert bereits ein überaus klassisches Abenteuer. Folgerichtig sehen wir in „Superman: Sohn von Kal-El 1“ (US-Ausgaben: „Superman: Son of Kal-El #1–6“) einen jungen Helden, der die Werte seines berühmten Vaters mit Leidenschaft vertritt.

Ein frischer Superman für eine neue Zeit ist dieser Comic dennoch aufgrund der (Rand-)Themen für eine heranwachsende Leserschaft sowie der sexuellen Orientierung des ehemaligen Superboy.


Superman: Sohn von Kal-El 1

Inhalt

Eine neue Ära beginnt, als Jon Kent zum Mann aus Stahl wird und damit die Rolle des größten aller Superhelden übernimmt. Nun lasten die Erwartungen einer ganzen Welt auf den Schultern des jugendlichen Stählernen, und dies gedenkt Henry Bendrix, Diktator des Inselstaats Gamora, auszunutzen …

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Tom Taylor
Der preisgekrönte und #1 New York Times Bestselling-Comic-Book-Autor ist vor allem durch seine Arbeiten an „The Example“, „The Deep: Here Be Dragons“, „Injustice: Gods Among Us“, „Erde 2“ sowie „Star Wars“ bekannt.

(Quelle: Wikipedia)

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Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 10.05.2022
Originalausgaben: Superman: Son of Kal-El 1–6
Seitenzahl: 156
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)