Review

Stählerne Neuauflagen

Es ist eine sehr gute Zeit für alle Fans des Stählernen und solche, die es noch werden wollen. Jüngst präsentierte Panini Comics bereits Neuauflagen zu den Superman-Klassikern „Secret Origin“ sowie „Ein Held fürs ganze Jahr“. Und nunmehr liegt mit „Superman: Peace on Earth“ (bzw. auf Deutsch „Superman – Friede auf Erden“) der nächste Meilenstein aus der Welt des Mannes von Morgen vor – erstmals auf Deutsch im übergroßen Originalformat. Und das ist in der Tat ein übergroßes Format, das etliche Schränke und Regale der Comic-Sammler an ihre Grenzen bringen wird.

Das Comic-Dreamteam aus Paul Dini („Dark Night – Eine wahre Batman-Geschichte“) und Alex Ross („Marvel Comics 1000“) tat sich Ende der 1990er-Jahre zu einem Großprojekt zusammen. In einer – nicht zusammenhängenden – Albenreihe widmeten sich die beiden Künstler den ihrer Meinung nach größten Superhelden des DC-Pantheons mit einem jeweils überschaubaren Umfang von rund 70 Seiten. Inhaltlich geht es dabei jeweils um die Auseinandersetzung mit dem Mythos der Figur und insbesondere Fragen nach den wesentlichen Charaktereigenschaften und den besonderen Wesensmerkmalen. Es geht mithin darum, pointiert aufzuzeigen, was die Quintessenz der Figur ausmacht.

Gegen den Welthunger

Es ist die Vorweihnachtszeit. Mit großer Freude frönt Superman einer alljährlichen Tradition: Er stattet seine Heimatstadt mit einem riesengroßen Weihnachtsbaum aus. Die Menge jubelt ihm zu.

Doch das weihnachtliche Hochgefühl wird jäh ausgebremst. Superman entdeckt inmitten der Menge eine junge Frau, die sich kaum auf den Beinen halten kann. Auch in einer amerikanischen Großstadt gibt es einen nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung, der unterhalb der Armutsgrenze lebt und Hunger leidet. Der Mann aus Stahl, der selbst keinen Hunger verspürt, ist über diesen niederschmetternden Anblick in Metropolis schockiert. Superman beschließt, sich einem weltweiten Problem zu widmen: Dem des Welthungers und der Mangelernährung.

Die politischen Eliten reagieren zunächst – gelinde gesagt – reserviert auf den Plan; doch der Mann von Morgen kann schnell erste Erfolge verzeichnen. Zahlreiche Augen blicken erwartungsvoll gen Himmel. Doch Supermans Aufgabe scheitert an der Natur des Menschen; er sieht sich konfrontiert mit Tyrannei, Grausamkeit, blindem Egoismus und unmoralischem Machtwillen.

Ein Supermann ist nicht genug

Im Gegensatz zu den oben bezeichneten Superman-Klassikern geht es hier nicht (grundlegend) um die Entstehungsgeschichte von Superman; wir haben es auch nicht mit einer klassischen Coming-of-Age-Geschichte zu tun. Die elterliche Erziehung durch die liebevollen Kents und ihre Bedeutung für die Entwicklung von Clark Kent zum Superman klingen aber natürlich auch hier an.

Mehr noch und vor allem destillierter geht es vorliegend indessen um die Wesensmerkmale und die typischen Eigenschaften von Superman. In seinem grenzenlosen Altruismus und angesichts der erlebten Notlage in Metropolis versucht Superman, Frieden auf Erden heraufzubeschwören, dem Welthunger Einhalt zu gebieten und Glück für die gesamte Menschheit zu schaffen.

Wären da nicht die Menschen. So trifft der letzte Kryptonier auf seiner Reise um den Globus zwar durchaus auf Dankbarkeit, vor allem aber auf den einen oder anderen Stolperstein. Es sind engstirnige Machthaber, machtgierige Despoten, aber auch verzweifelte Menschenmengen, die die Mission behindern und schließlich zum Stehen bringen. Der Mann aus Stahl muss lernen, dass angesichts der gravierenden Instabilität und globalen Krisen ein Mann allein – und sei es auch ein Supermann – nicht ausreicht. Allerdings kann auch ein Mann den Menschen ein leuchtendes Beispiel sein. Ein Mann kann beweisen, dass sich größte Probleme bewältigen lassen; mit unbändiger Willensstärke und Aufopferung, solidarisch und gemeinschaftlich.

Supermans Einzigartigkeit aus geradezu naiver Hilfsbereitschaft und Selbstaufgabe sowie gottgleicher Macht könnten nicht besser in Szene gesetzt sein als durch die bildgewaltigen, überwältigenden Arbeiten von Ausnahmekünstler Alex Ross. Diese kommen durch das übergroße Originalformat nunmehr besonders zur Geltung. Und während mir der Zeichenstil und das gemalte Artwork von Alex Ross – gerade wegen der Realitätsnähe und Komplexität – sonst nicht immer zusagen, speziell wenn ich Lust auf ein Comic-Buch habe, so muss man hier festhalten: Diese Kombination ist ideal. Ross verbindet gekonnt das Menschliche und das Übermenschliche und versieht eine tragische, humanistische Geschichte mit einem in jeder Hinsicht würdigen Artwork.

Fazit

Wenn man durch dieses Album blättert, dann hat man das Gefühl, man würde durch ein Museum streifen und dürfte Gemälde der großen Meister bewundern.

Ein zu Recht ausgezeichneter, zeitloser Comic-Klassiker.


Superman: Friede auf Erden

Inhalt

Der Superman-Klassiker in Neuauflage!

Trotz aller großen Schlachten, die er schlagen muss, wird Superman auch immer wieder mit den Nöten konfrontiert, die insbesondere die Armen und Schwachen auf unserer Welt plagen. Entschlossen, eines der größten Probleme auf der Erde zu beseitigen, beschließt der Mann von Morgen, nicht mehr zuzulassen, dass Menschen auf unserem Planeten verhungern, während andere im Überfluss leben. Doch nach ersten Erfolgen drohen der Argwohn, die Habgier und der Zynismus der Menschen sein großes Projekt zum Scheitern zu bringen. Ist dies eine Aufgabe, vor der selbst der stählerne Held kapitulieren muss?

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Paul Dini
(*1957 in New York City) ist ein US-amerikanischer Fernsehproduzent animierter Cartoons.

Er ist bekannt als Produzent und Autor für mehrere Warner Bros./DC-Comics-Serien.

(Quelle: Wikipedia)

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Details

Format: Hardcover
Veröffentlichung: 14.09.2021
Originalausgaben: Superman: Peace on Earth
Seitenzahl: 76
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Comics



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)