Review

Mit Lee Bermejos „Suiciders – Kampf ums Überleben“ stellt der Autor ein von dystopischen Zügen gestaltetes Los Angeles vor. Seine Figuren sprechen immer noch von dem „großen Beben“, das Teile der Metropole zerstörte und zahlreiche Menschen in den Tod riss. Das Ergebnis: eine Mauer, die die Massenarmut von der wiederaufgebauten Stadt „New Angeles“ trennt. Doch der Fokus des Comics liegt auf dessen Entertainment-Industrie, die einzig darin besteht, dass sich modifizierte „Suiciders“ in der Arena zur Unterhaltung der Bewohner gegenseitig abschlachten.

In der Geschichte dreht sich alles um einen dieser Gladiatoren, der von New Angeles mit dem Namen „Saint“ getauft wurde. Dabei springt die Handlung zwischen seinem aktuellen und seinem früheren Leben hin und her. Beide sind geprägt von Gewalt, Intrigen, aber auch von Zuneigung und Verwirrung.

Im Laufe der Seiten wird einem als Leser immer bewusster, wie entbehrlich ein Menschenleben in „Suiciders – Kampf ums Überleben“ ist. Interessant hierbei ist die klare Abgrenzung der Menschen durch körperliche „Makel“, denn der Ersatz von Gliedmaßen und sogar die komplette Generalüberholung des menschlichen Körpers sind in dieser Zeit längst Alltag.

Trotz der actiongeladenen Szenen und der gewissen Endzeit-Atmosphäre muss man dennoch feststellen, dass sich der Plot dieses Comics immer wieder vorhersehbar gestaltet – mit einer Menge kitschigen Sequenzen, die auch in etlichen Actionfilmen schon ihre Anwendung fanden und die Story immer wieder in neue Richtungen lenken sollen. So etwas kann man sich an zehn Finger abzählen, ohne auf den Ausgang gespannt zu sein. Natürlich behält man sich hier noch viel Unterhaltung vor, aber einen Durchbruch in Sachen Innovation schafft die Handlung im ersten Band nicht.

Lee Beremjo (Copyright: Wikipedia)

Lee Bermejo (Quelle: Wikipedia)

Generell kann man sagen, dass er viel mehr von seinen Zeichnungen lebt, denn diese sind einfach fantastisch. Zunächst einmal werden die beiden zeitlich versetzten Handlungsstränge in zwei verschiedenen Grundfarben dargestellt, welche dadurch einen starken Kontrast zueinander sowie die Veränderung des Protagonisten darstellen. Aber auch ohne Farbe versteht es Bermejo, mit realitätsnahen Strichen des Stiftes seinen Bildern Dynamik und Stimmung einzuflößen. Auch das Design der Arena profitiert von diesem Talent. Nicht nur müssen sich die „Suiciders“ auf ihren Gegner konzentrieren, sondern auch noch auf eine Menge Maschinen, die – mit verschiedenen tödlichen Waffen ausgestattet – die Stimmung zusätzlich anheizen. Nebenbei laufen diese Spiele auch im Armenviertel, in dem sich eine eigene Liga gebildet zu haben scheint, welche gleichzeitig noch als eine Art Casting der Oberklasse fungiert.

Es gibt Szenen in „Suiciders – Kampf ums Überleben“, die sich zwischendurch mal von der generischen Story abheben. Hinzu kommen kurze Ausflüge zu den Schleuserbanden, welche den Eindruck eines Krisengebiets zusätzlich verstärken.
So kann man abschließend sagen, dass mit diesem Comic die Action an erster Stelle steht und die Story ein wenig hinterher hinkt. Doch im exklusiven Interview am Ende des Bandes lässt Lee Bermejo kurz durchleuchten, dass es das noch nicht gewesen ist. Man darf also gespannt sein und hier gerne zugreifen.

Inhalt

Das große Erdbeben hat LA gespalten. Nun gibt es New Angeles, die abgeriegelte Stadt für die Reichen, und Lost Angeles, das Ghetto, in dem das Verbrechen regiert. Das Einzige, was die Stadt noch eint, ist Suiciders, ein extrem populärer Reality-Sport, in dem alles erlaubt ist. Dies ist die Geschichte von zwei Kämpfern, die es ganz nach oben schaffen wollen.

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Lee Bermejo ist ein professioneller Illustrator und Comicbuch-Zeichner. Er arbeitete u.a. für Marvel und DC Comics, Men’s Health, Max Mara, Top Cow Productions und Wizard Entertainment.

(Quelle: Lee Bermejo, Blog)

Lee Bermejo – Blog
Lee Bermejo – Twitter

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 22.03.2016
Originalausgaben: US Suiciders 1-6
Seitenzahl: 164
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics / Vertigo

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Christopher