Review

Stumptown Investigations

Die Frau auf dem Cover mit dem wunderschönen Namen Dexedrine „Dex“ Parios ist eine hervorragende Privatdetektivin; aber auch eine sporadische Trinkerin und eine exzessive Spielerin. Beim Glücksspiel hat sie allerdings wenig Glück. In ihrem heimischen Casino steht sie mit rund 18 Tausend Dollar in der Kreide. Die Casinobetreiberin und Matriarchin Sue-Lynne ist allerdings bereit, auf die Eintreibung der Schulden zu verzichten, wenn Dex im Gegenzug ihre Enkelin zurückbringt, die kürzlich spurlos verschwunden ist.

Doch die Privatschnüfflerin ist offenbar nicht die einzige, die die junge Frau aufspüren soll. Und so gerät Dex in einen Fall, der sich schon bald zu einer gefährlichen Gemengelage entwickeln soll.

Greg Rucka in Hochform

Dass Greg Rucka wie kaum ein anderer Comic-Autor realitätsnahe und glaubwürdige Protagonistinnen sowie toughe Frauenfiguren schreiben und in Szene setzen kann, hat er bereits ein ums andere Mal unter Beweis gestellt. Und die Liste dieser – immer wieder – unabhängigen und starken Frauenfiguren ist mittlerweile sehr lang. So sind ebenfalls beim Splitter Verlag die Comic-Reihen „Lazarus“, „Black Magick“ oder auch „The Old Guard“ erschienen; letztere zog bereits den mit Charlize Theron von Netflix verfilmten Science-Fiction-Action-Film nach sich. Für DC Comics hat Rucka Geschichten um die toughe Reporterin „Lois Lane“ und die Prinzessin der Amazonen „Wonder Woman“ geschrieben. Darüber hat der Könner für das Haus der Ideen „Black Widow“ geschrieben. Allesamt hartgesottene Frauen in realistischen Szenarien, die ihre Entschlossenheit – auf die eine oder andere Art – unter Beweis stellen.
Nicht anders verhält sich das mit dem Auftakt zu den „Stumptown“-Detektiv-Comics, „Stumptown 1: Der Fall des Mädchens, das sein Shampoo mitnahm (und seinen Mini zurückließ)“, der hierzulande bei Splitter veröffentlicht worden ist.

Die Protagonistin Dex Parios und ihr Detektivbüro „Stumptown Investigations“ erinnern dabei – auch mehr als nur unerheblich – an die im Jahr 2001 von Bestseller-Autor Brian Michael Bendis und Zeichner Michael Gaydos in das Marvel-Comic-Universum eingeführte toughe Privatdetektivin Jessica Jones und ihre Detektivagentur „Alias Investigations“. Und auch wenn eine gewisse Huldigung vorliegend sicherlich nicht von der Hand zu weisen ist, so weisen die Figuren doch maßgebliche charakterliche Unterschiede und menschliche Eigenschaften auf. So ist Dex freilich nicht derart dem Alkohol zugeneigt wie Jessica, sie hat eine stärker ausgeprägte menschliche Seite und keine erstaunlichen Superkräfte und ist am Ende des Tages womöglich noch unstrukturierter und chaotischer.

Als Kind aus dem Ruhrgebiet erkennt man hier etliches wieder: Die Geschichte und die Figuren sind authentisch und bodenständig, aber – gelinde gesagt – auch schnörkellos. Und so wirkt auch Dex ein Stück weit wie eine moderne, entschärfte Schimanski-Variante bzw. eine Ruhrpott-Kommissarin – das Herz auf der Zunge tragend, irgendwie burschikos und unbekümmert.

Die Fernsehserie

Dass nicht jeder/jede in der Lage ist, eine glaubhafte und realistische Privatdetektivin zu schreiben, beweist ausgerechnet die mit Cobie Smulders als TV-Serie adaptierte „Stumptown“-Variante.

Leseprobe aus „Stumptown 01: Der Fall des Mädchens, das sein Shampoo mitnahm (und seinen Mini zurückließ)“. (Copyright: Splitter Verlag)

Nur 20 Minuten Laufzeit der Pilotfolge reichen aus, um festzustellen, dass eine starke Frauenfigur mit Ecken und Kanten offenbar für das Fernsehen nicht ausreicht.

Hinzugedichtet wird unmittelbar zu Beginn – eine an sich unnötige – militärische Vergangenheit; und natürlich darf auch die obligatorische Liebesgeschichte bzw. die verflossene Liebschaft hier nicht fehlen.

Offenkundig erfordern eine zeitgemäße oder auch moderne Figurendarstellung eine gewisse Schulung. Langjährige Comic-Leser wissen mittlerweile nur zu gut, dass die Buch-Vorlagen oftmals besser sind als die entsprechenden TV- und Filmadaptionen.

Matthew Southworth

Zurück zu Band 1. Auch das Artwork passt ausgezeichnet zur Sprüche klopfenden Privatdetektivin und ihrer urbanen Heimat in Portland, Oregon, bzw. Stumptown.

Die Zeichnungen von Matthew Southworth sind mitunter ebenso unangepasst und widerborstig wie Dex Parios; und in der Stadt ist es scheinbar immer dunkel, was durch den großzügigen Einsatz und die Kombination von Grau- und Blautönen akzentuiert wird.

Fazit

Wenn wir in Deutschland etwas zur Genüge haben, dann sind das abendfüllende Krimis und Krimiserien. Ausnahme-Autor Greg Rucka gelingt es allerdings abermals, eine derart lebendige und greifbare Protagonistin in einem realitätsnahen Setting zu servieren, dass man auch diesen Fall nur allzu gerne verfolgt.


Stumptown. Band 1: Der Fall des Mädchens, das sein Shampoo mitnahm (und seinen Mini vergaß)

Inhalt

Magnum kann in Rente bleiben!

Dex Parios steckt jeden sprücheklopfenden Privatdetektiv locker in die Tasche, und Bestseller-Autor Greg Rucka beweist einmal mehr, dass toughe Frauen in realistischen Szenarien genau sein Metier sind. Kein Wunder, dass »Stumptown« inzwischen auch als TV-Serie mit Cobie Smulders (»Avengers«) in der Hauptrolle verfilmt wurde.

Dex Parios ist Chefin und einzige Angestellte des Detektivbüros „Stumptown Investigations“ in einer der, sagen wir, wenig gentrifizierten Gegenden von Portland. Als Schnüfflerin ist Dex ein As, beim Würfeln eher nicht. Seit ihrem letzten Besuch am Spieltisch ist sie mehr als pleite – sie schuldet dem Casino schlappe 18 Mille. Glücksspielmatriarchin Sue-Lynne wäre aber bereit, auf das Geld zu verzichten, wenn Dex ihre Enkelin zurückbringt kann, die spurlos verschwunden ist. Bedeutet das, dass Dex‘ Blatt sich wendet, oder wurde ihr eine noch miesere Hand ausgeteilt?

(Quelle: Splitter Verlag)

Autor

Greg Rucka
(*29. November 1969) ist ein US-amerikanischer Autor von Kriminalromanen und Comics. 

(Quelle: Wikipedia)

Greg Rucka – Homepage | Greg Rucka – Facebook | Greg Rucka – Twitter

Details

Format: Hardcover
Veröffentlichung: 28.04.2021
Seitenzahl: 160
Band: 1 von 4
ISBN: 978-3-96792-026-0
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)