Review

Erfolgreiche Serien verführen zu ausuferndem Merchandise, wenig verwunderlich also, dass es zu „Game of Thrones“ einen ganzen Haufen davon gibt. Manches ist genial, manches Geldschneiderei. Stefan Servos schrieb mit „Gewalt, Götter und Intrigen. Die Welt von Game of Thrones“ ein 336 Seiten starkes Buch, das irgendwo zwischen diesen Extremen hängt.

Zunächst sei gesagt: Servos, der bereits zu anderen Fandoms entsprechende Bücher verfasste, beschränkt sich hier nicht auf eine Erscheinung wie Buch, Serie, Spiel oder ähnliches, sondern widmet sich dem gesamten Universum. Ein äußerst umfangreiches Unterfangen, vor dem man bereits vor dem Lesen den Hut zieht.

So sympathisch wie sein umgänglicher, manchmal umgangssprachlicher Schreibstil stellt der Autor im Vorwort sein Interesse vor, und das nicht ohne eine Spoilerwarnung! Allerdings können alle Leser dort erst mal Aufatmen, wer vor kurzem die 5. Staffel sah und bis zum 10. (deutschen) Buch gelesen hat, ist auf der sicheren Seite, zumal das Manuskript bereits 2014 fertiggestellt wurde.

Nach diesem Vorwort geht es dann gehörig zur Sache, denn in 19 großen Kapiteln werden ganz unterschiedliche Elemente des Hypes untersucht. Dabei geht es von der deutschen Übersetzung der Bücher, zu George R. R. Martin selbst, über die Inhalte von Buch und Serie sowie Spezifika der TV-Adaption, zu anderen Adaptionen und wieder zurück zu Details wie Sprachen und Kostümen. Wow! Was für eine thematische Vielfalt, die hier nicht im Detail wiedergegeben werden kann.

Daher seien drei Komplexe stellvertretend vorgestellt. Bemerkenswert ist zunächst das Kapitel „Weltenschöpfung – von der Historie inspiriert“. Hier wird aufgezeigt, welche Parallelen die Figuren und Familien zu realen, historischen Persönlichkeiten aufweisen. Frappierend ist beispielsweise die Ähnlichkeit zwischen Margaery Tyrell und Anne Boleyn, zumal beide Frauen in Fernsehformaten von der gleichen Schauspielerin dargestellt wurden. Servos konzentriert sich bei diesem und den übrigen Vergleichen auf wesentliche Aussagen, um auch anderen Themen noch Raum zu geben. Für diesen Rahmen ist die Ausarbeitung insgesamt angemessen.

Das kann man leider nicht vom nächsten Beispiel behaupten. In „Sexismus vs. Emanzipation – Frauendarstellung“ wagt sich der Autor an ein schwieriges Feld. Zum einen ist dieses Thema generell schwer zu fassen – mit Pauschalisierungen und Floskeln kommt man diesem Thema definitiv nicht bei -, zum anderen ist natürlich die Darstellung bei Martin auch höchst problematisch. Während es dem Autor hier immerhin gelingt, die Diskussion abzubilden, scheinen seine Erklärungen für die guten Absichten von Martin so fadenscheinig wie das allererste Kleid von Daenerys.

Stefan Servos (Copyright: Stefan Servos)

Stefan Servos (Copyright: Stefan Servos)

Dabei zeigt er später, beispielsweise im Kapitel „Valar Morghulis – Die Sprachen von Westeros“, dass man kein Profi sein muss, um ein Thema gut und verständlich an den Leser zu bringen.

Inhaltlich gibt es also durchaus Unterschiede in der Qualität der einzelnen Kapitel. Außerdem hätte es sicherlich eine Variante gegeben, in der statt einer recht organischen Gliederung eher ein komplexeres Ordnungssystem Verwendung hätte finden sollen, denn es lassen sich durchaus Schwerpunkte ausmachen.

Dennoch lässt sich „Gewalt, Götter und Intrigen“ insgesamt gut lesen und liefert allen Fans anschaulich zusammengetragene Informationen. Einzig etwas mehr Eigenständigkeit würde Servos noch gut stehen, denn auch bei einem so erfolgreichen Epos muss nicht alles immer perfekt sein. In diesem Sinne: Mut zur Kritik!

Inhalt

Mit seiner Romanreihe DAS LIED VON EIS UND FEUER hat George R. R. Martin das Tor zu einer bisher ungekannten Fantasywelt aufgestoßen. Die gesellschaftlichen Intrigen und politischen Ränkespiele zwischen den Königshäusern sind unübertroffen perfide und grausam. Dabei verstößt Martin gegen alle gängigen Regeln der Fantasy-Erzählkunst: Hunderte von Charakteren und Dutzende Erzählstränge sowie die plötzlichen Tode beliebter Hauptcharaktere machen es nicht einfach, der Handlung zu folgen. Spätestens mit der Umsetzung als aufwändige Fernsehserie durch HBO hat GAME OF THRONES einen weltweiten Kult ausgelöst, wie es vorher nur Tolkien mit DER HERR DER RINGE geschafft hat.

Aber was ist so faszinierend an diesem finsteren Epos? Welche Rolle spielen Sex, Macht und Gewalt in Westeros? Und auf welchen historischen und religiösen Grundlagen basiert die Erzählung wirklich?

Journalist und Autor Stefan Servos ist dem Geheimnis des Mythos GAME OF THRONES auf die Spur gegangen.

(Quelle: Cross Cult)

Autoren

Stefan Servos (Autor)
geboren 1975, entdeckte schon in Kindertagen seine Leidenschaft für das fantastische Genre. Neben seiner hauptberuflichen Arbeit als Fernsehredakteur (WDR, SWR, KABEL 1, RTL) schreibt der Diplom-Journalist regelmäßig für diverse Online- und Printmedien, unter anderem für das Magazin Geek!.

(Quelle: Cross Cult)

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Details

Format: Broschiert
Vö-Datum: 29.09.2014
Seitenzahl: 360
ISBN: 978-3-86425-436-9
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Cross Cult

Copyright Cover: Cross Cult



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer