Review

Kindsköpfe

Um das hinter „Spider-Man: Werwolf-Wahnsinn“ stehende Konzept zu erläutern, erlauben wir uns, aus dem einführenden Vorwort von Christian Endres aus besagtem Paperback zu zitieren:

Eine so verrückte und abgefahrene Spider-Man-Geschichte wie in diesem Einzelband habt ihr seit Langem, vielleicht sogar noch nie gelesen. Das liegt daran, dass das nicht allzu streng auf die Marvel-Kontinuität achtende Abenteuer aus Peter Parkers Vergangenheit von verschiedenen Kreativteams gestaltet wurde, die im sogenannten Round-Robin-Modus gearbeitet haben. Demzufolge begann ein Autor/Zeichner-Gespann (in diesem Fall: Jonathan Hickman und Chris Bachalo) diese absolut unberechenbare Netzschwinger-Geschichte mit seinem Eröffnungskapitel und ließ selbiges in einem möglichst krassen Cliffhanger „enden“. Hier übernahm das nächste kreative Duo (also Gerry Duggan und Greg Smallwood) und musste ohne Absprache mit Hickman und Bachalo, aber auch ohne Kontakt zu den nächsten bereitstehenden Teams (Nick Spencer und Mike Allred sowie Kelly Thompson und Valerio Schiti etc.) sehen, was sie auf ihren Seiten aus der von Hickman und Bachalo geschaffenen Situation machen und wie sie die Story möglichst verrückt und abenteuerlich fortsetzen

Zitiert aus dem Vorwort zu „Spider-Man: Werwolf-Wahnsinn“, Panini Comics

Für dieses verrückte Wandkrabbler-Abenteuer hat sich also eine ganze Riege namhafter Marvel-Autoren wie Gerry Duggan, Jason Aaron, Jonathan Hickman und Nick Spencer sowie -Zeichner wie Chris Bachalo, Greg Smallwood, Mark Bagley und Mike Allred versammelt. Das Ziel war es dabei, sich gemeinsam völlig freizuschwimmen, sich mit verrückten und unberechenbaren Einfällen gegenseitig zu übertreffen und am Ende des Tages eine Geschichte abzuliefern, die mit einigen übertriebenen Kapriolen aufwarten kann.

Ob das Ganze aber auch dem Leser Spaß macht, erzählen wir euch hier.

Amazing Spider-Man: Full Circle

Die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft erwacht völlig ahnungslos in einer Forschungsstation mitten im Weltall – nicht gerade die typische Umgebung für den Held von nebenan. Gemeinsam mit Nick Fury und Agenten von S.H.I.E.L.D. soll der Netzschwinger eine Art Geheimwaffe von A.I.M. sichern. Die Mission gerät jedoch völlig außer Kontrolle.

Nach seiner Rückkehr auf die Erde landet Spidey in einem Kinder-Freizeitpark, wo nunmehr das absolute Chaos ausbricht: Fury und die Spinne werden von Werwölfen attackiert. Ja, genau, Werwölfen.

Kurz darauf verwandelt sich – mehr oder weniger – die gesamte Menschheit in Werwölfe; auch Peter Parkers Familie, sprich Tante May und Mary Jane. Und das an Tante Mays Geburtstag – schönes Schlamassel. Wie hatte es so weit kommen können? Noch dazu wird der Netzschwinger von einem unbekannten Fremden scheinbar verfolgt, hat Wahnvorstellungen, in denen sein schweinischer Wandkrabbler-Kollege Spider-Ham auftaucht, und verwandelt sich kurzfristig selbst in einen Werwolf. Die einzig richtige Lösung für ein solch weltumgreifendes Problem kann immer nur eine Zeitreise sein – oder doch nicht?

Story mit schrägen Ideen und einigen handfesten Macken

Zugegebenermaßen fragt sich der geneigte Leser nach der Lektüre von „Spider-Man: Werwolf-Wahnsinn“ schon: Was zum Geier habe ich da gerade gelesen?

Leseprobe aus „Spider-Man: Werwolf-Wahnsinn“. (Copyright: Panini Comics)

Die erfahrenen Autoren-Kollegen um Gerry Duggan, Nick Spencer, Jason Aaron & Co. drehen hier einmal völlig ab. Mit der üblichen Marvel-Kontinuität hat dieser Sammelband herzlich wenig am Hut. Werwölfe, Spider-Schweine, Weltraumstationen – die Kreativen lassen nichts aus, um den Wahnsinn und die Story-Entwicklungen auf die Spitze zu treiben. Dass die Geschichte dabei entstanden ist, ohne dass sich die Macher hinsichtlich des Handlungsbogens abgesprochen hätten, merkt man indes zügig an allen Ecken und Enden. Das improvisierte Projekt kommt ziemlich verschwurbelt, verworren und streckenweise wie regelrechtes Stückwerk daher. Lediglich das Ende der Story wurde dann von den Autoren zusammen ausgearbeitet.

Nichtsdestotrotz ist die abgefahrene Spider-Man-Geschichte eine kreuzsympathische Angelegenheit. Die Prämisse, dass die bekannten Kreativ-Teams sich einem solchen Projekt hingeben, erinnert dabei irgendwie an erwachsene Männer, die Fantasy-Football oder Ähnlichem gemeinsam nachgehen. Am Ende des Bandes ist passenderweise ein Chatverlauf abgedruckt, der veranschaulicht, wie die Arbeit der Autoren hinsichtlich des Endes abgelaufen ist.

Die hochkarätigen Zeichner wie Mike Allred, Mark Bagley oder auch Valerio Schiti sorgen darüber hinaus in visueller Hinsicht dafür, dass das Buch ein echter Augenschmaus ist.

Fazit

Die eigentliche Story von „Spider-Man: Werwolf-Wahnsinn“ verdient ganz sicher nicht das Prädikat „besonders wertvoll“. Das verrückte und sympathische Konzept sowie die starken Zeichnungen erlauben aber dennoch die Bewertung: Empfehlenswertes Lesevergnügen.

Inhalt

Ein verrückter Einzelband von Top-Künstlern, die unabhängig voneinander an einer Story gearbeitet haben!

Was passiert, wenn mehrere Autoren und Zeichner an einer einmaligen Spider-Man-Story zusammenarbeiten, ohne sich über die Handlung abzusprechen, und einfach improvisieren? Dann kommt ein so abgefahrenes und unberechenbares Spidey-Abenteuer wie in diesem Band heraus – mit Nick Fury, Tante May, Mary Jane, Spider-Schweinen, Werwölfen und Weltraumstationen!

(Quelle: Panini Comics)

Details

Format: Softcover
Veröffentlichung: 14.07.2020
Originalausgaben: Spider-Man: Full Circle
Seitenzahl: 108
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Comics



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)