Review

Gamer Verse

„Marvel’s Spider-Man“ vom US-Entwicklerstudio Insomniac Games und Herausgeber Sony Interactive Entertainment ist 2018 erschienen und womöglich das beste Superhelden-Videospiel seit der (größtenteils) hervorragenden „Batman: Arkham“-Reihe. Mit Spidey durch die Straßen von New York zu schwingen, hat sich nie zuvor so gut und frei angefühlt. Auch das Kampfsystem und die große Auswahl an Spider-Man-Anzügen lassen für Fans keine Wünsche offen.

Dessen ungeachtet profitiert der Videospiel-Hit von einer ausgezeichneten Handlung, die aus der Feder der Autoren Jon Paquette, Benjamin Arfmann und Kelsey Beachum stammt, die wiederum von den Langzeit-Spidey-Veteranen Christos Gage und Dan Slott („Spider-Man: Spider-Verse“) unterstützt werden. So bedienen sie sich bestimmter Versatzstücke des kulturellen Erbes der Spinnenhelden-Mythologie, reichern diese aber durch eigene und frische Ansätze, kleinere und größere Abweichungen sowie am Ende des Tages eine Neuinterpretation des beliebten Helden an.

City at War

Während sonst eher die Comics das jeweilige Videospiel inspirieren, so führt die multimediale Wechselwirkung hier dazu, dass Autor Dennis „Hopeless“ Hallum mit Spider-Man: Kampf um New York“ den ersten Comic zum Videospiel-Hit vorlegt.

Auch in dieser Welt ist der junge Peter Parker als Spider-Man der Beschützer seiner Stadt New York. Allerdings ziert hier eine große weiße Spinne das Kostüm des Netzschwingers. Die Beziehung zu seiner Freundin Mary Jane Watson kriselt auch hier immer wieder. MJ ist in der Realität des Marvel-Games kein Fotomodel oder Schauspielerin, sondern eine aufstrebende furchtlose Reporterin. Auch Polizistensohn Miles Morales stammt hier nicht aus einer anderen Realität des Spider-Verse, sondern wohnt wie Pete in NYC. Weitere Unterstützerin des Wandkrabblers ist die Polizistin Yuri Watanabe.

Die Stadt wird derweil von allerhand Verbrechern bedroht, wie dem brutalen Wilson Fisk alias Kingpin, Mister Negative Martin Li, Electro, Rhino, Shocker, Scorpion und nicht zuletzt Dr. Octopus.
In „Marvel’s Spider-Man“ ist das (noch nicht verrückte) Genie Dr. Otto Octavius allerdings zunächst Mentor und Förderer von Peter Parker, der zu ihm aufschaut und ihn verehrt. Die Rivalität mit Norman Osborne treibt den Erfinder mit Verantwortungsgefühl jedoch in den Wahnsinn …

Bewertung

Wer Fan des Netzkopfes ist, sollte sich das Videospiel – wie bereits dargelegt – keinesfalls entgehen lassen.

Artwork aus „Spider-Man: Kampf um New York“ von Michele Bandini & Luca Maresca. (Copyright: Panini Comics)

Von der wunderbaren Geschichte, den leicht abgewandelten Figuren und Perspektiven profitiert auch „Spider-Man: Kampf um New York“. Die „Zocker“ unter den Lesern werden jedoch zügig feststellen, dass Dennis „Hopeless“ Hallum die Handlung weniger um neue Aspekte erweitert, als dass er diese vielmehr nacherzählt. Dabei bleibt die Story hinter dem Erlebnis der Neuinterpretation des Spidey-Mythos im Videospiel zurück. Wer das Spiel gar nicht gespielt hat, wird die Geschichte eher als dünn empfinden, und Game-Fans werden sich im Zeitraffer nochmals durch die Handlung gejagt fühlen.

Dabei ist „Marvel’s Spider-Man: City at War“ sicherlich kein schlechter Comic, aber der doppelte Umfang hätte ihm gutgetan, um die Tiefe des Games zu erreichen.

Das Artwork von Michele Bandini und Luca Maresca ist hingegen tadellos und wird der wunderbaren Videospiel-Vorlage in jeder Hinsicht gerecht.

Fazit

„Spider-Man: Kampf um New York“ jagt den Leser – ohne größere Verschnaufpause – durch die Handlung von „Marvel’s Spider- Man“. Dabei gelingt Dennis Hallum immer noch ein solider Comic, der allerdings wenig (bis nichts) zu der Videospiel-Neuinterpretation hinzuzufügen hat.

Da im Januar/Februar aber eine ganze Armee von Titeln rund um den Wandkrabbler erschienen ist, haben Freunde des Spinnenhelden ohnehin die Qual der Wahl und können sich auch für eine andere oder weitere Serie entscheiden.

Trailer

Inhalt

Der erste Comic über die Welt des Videogame-Hits „Marvel’s Spider-Man“. Erweitert das Game um neue Perspektiven, Elemente, Charaktere und Szenen!

Auch in der Realität der Marvel-Videospiele beschützt Spider-Man die Stadt und stellt sich Wilson Fisk, Mr. Negative und Dr. Octopus. Unterstützt wird der Held von seiner Ex, Reporterin Mary Jane Watson, und dem jungen Miles Morales …

(Quelle: Panini Comics)

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 07.01.2020
Originalausgaben: Spider-Man: City at War 1-6
Seitenzahl: 140
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)