Review

Netzschwinger-Klassiker

Anlässlich des nostalgischen Blockbuster-Feuerwerks „Spider-Man: No Way Home“ (Das große Spider-Man-Ranking) bringt Panini Comics hierzulande allerhand Comic-Klassiker (erneut) auf den Markt, die den neuen Spidey-Film maßgeblich geprägt und inspiriert haben. Diese erscheinen zeitgleich sowohl als besonders formschöne Sammel-Box (Spider-Man Graphic Novel Collection Box), aber auch als Einzelbände – im einen wie im anderen Fall als edle Hardcover-Ausgaben.

Wir stellen euch alle vier dieser handverlesen Spider-Man-Meilensteine vor und orientieren uns dabei an der chronologischen Veröffentlichungsreihenfolge der jeweils umfassten US-Originalausgaben.

Den Auftakt macht dementsprechend der Sammelband „Spider-Man: Enthüllt“. Dieser beinhaltet die US-Ausgaben #12, #87, #105-106 von Autor Stan Lee und den Zeichnern Steve Ditko, John Romita senior und Gil Kane, Heft #169 von Len Wein und Ross Andru sowie schließlich die Ausgaben #532-533 von J. Michael Straczynski und Ron Garney.

Man sieht auf den ersten Blick: Hier gibt sich ein „Who is who“ von Spider-Man-Künstlern ein Stelldichein.

Demaskiert

Ein wesentlicher Aspekt der Prämisse zu „Spider-Man: No Way Home“ ist, dass Spidey demaskiert worden ist. Die ganze Welt weiß, dass Peter Parker Spider-Man ist. Derartige Storys gab es freilich zuvor zuhauf in den einschlägigen Comic-Büchern.

In den älteren Ausgaben aus den 60er und 70er Jahren sind es vor allem Superschurke Dr. Octopus sowie Professor Smythe, aber auch Spidey-Hasser und Zeitungsherausgeber J. Jonah Jameson, die versuchen, Spider-Mans Identität offenzulegen. Während Otto Octavius den jungen Wandkrabbler im Duell bezwingen will, verwenden die Letzteren Überwachungskameras und die ominösen Spider-Slayer, um das Gesicht hinter der Maske zu offenbaren.

Die moderneren Hefte stehen ganz im Zeichen des Beginns des Marvel-Mega-Crossovers „Civil War“ aus den Jahren 2006 und 2007. Nach einem tragischen Superhelden-Vorfall verlangt die US-Regierung, dass sich Superwesen staatlich registrieren lassen, um deren Handlungen besser überwachen und ahnden zu können. Auf Wunsch von Iron Man Tony Stark macht Peter Parker den Anfang, obwohl er zuvor jahrzehntelang alle Mühen auf sich genommen hat, um seine Identität und letztlich seine Familie zu beschützen.

Wenn die Maske fällt

Wer sich für diesen Sammelband entscheidet, der erhält Spidey-Geschichten aus den verschiedensten Epochen der Comic-Historie. Dementsprechend gibt es vorliegend eine große Vielfalt an Stilrichtungen bzw. eine Vielfalt an Erzählweisen und visuellen Stilen. So ist einerseits die Chance recht groß, dass für jeden etwas dabei ist; andererseits besteht bei solchen Stilwechseln natürlich auch die Chance, dass Leser:innen die eine oder andere Art und Weise überhaupt nicht gefällt.

Ich kann die unterschiedlichen Herangehensweisen in Bezug auf die Figur Spider-Man Peter Parker – unter Einordnung in ihren gesellschaftlichen und zeitlichen Kontext – durchaus immer schätzen und diesen etwas abgewinnen. Gerade bezüglich älterer Ausgaben schadet es sicherlich nicht, diesen gegenüber etwas milder gestimmt zu sein. Diese wählten oftmals eine kindlichere Erzählweise oder bemühten konstruiert wirkende Wendungen. Dies im Begleitbewusstsein habend kann man diese Hefte auch heutzutage wunderbar genießen, da sie einen ganz eigenen liebevollen Charme ausstrahlen. Im Fokus stehen hier durchgehend unfreiwillige Demaskierungen, aus denen sich Spidey – mehr oder weniger clever konstruiert – herauswindet und seine Geheimidentität doch bewahrt.

Leseprobe aus „Spider-Man: Enthüllt“. (Copyright: Panini Comics)

Aufgrund des MCU-Films „The First Avenger: Civil War“ ist etlichen Marvel-Fans – jedenfalls fragmentarisch – die zugrunde liegende Comic-Vorlage bekannt. Dieses Comic-Crossover begann mit einem Paukenschlag: der freiwilligen Demaskierungen von Spider-Man.

Im ersten ideologischen Krieg der Superhelden (vgl. auch „Civil War II 1“) erlässt der US-Kongress – nach einer schrecklichen Tragödie – das Superwesenregistrierungsgesetz. Es folgt ein mittlerweile (popkulturell berüchtigter) Konflikt der HeroenPeter war damals Tony Starks Protegé und Iron Man war Befürworter des entsprechenden Gesetzes; insbesondere Captain America Steve Rogers war gegen das Gesetz. Unter Zurückstellung sämtlicher Bedenken in Bezug auf seine Frau MJ und seine Tante May entschloss sich Peter, unverzüglich Folge zu leisten und sein Gesicht zu offenbaren. Eine besonders packende Situation, in der Peters Gewissenskonflikt und sein innerer Zwiespalt großartig herausgearbeitet werden.

Fazit

Ein bunter Strauß Spidey-Storys, die im Hinblick auf das Ende von „Spider-Man: Far From Home“ bzw. die Grundsituation von „Spider-Man: No Way Home“ ohne Weiteres als Wegbereiter und Katalysator betrachtet werden dürfen. Ein schöner Themen-Sammelband in zeitgemäßer und hochwertiger Aufmachung.


Spider-Man: Enthüllt

Inhalt

Ein Sammelband mit enthüllenden Spider-Man-Meilensteinen!

Was, wenn Spidey demaskiert wird? Sei es im Kampf mit Dr. Octopus, durch die Pläne von Netzschwinger-Hasser J. Jonah Jameson, auf Gwen Stacys Geburtstagsparty oder im Superhelden-Bürgerkrieg? Dann werden die Dinge für Peter Parker kompliziert.

(Quelle: Panini Comics)

Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 11.01.2022
Originalausgaben: Amazing Spider-Man 12, 87, 105-106, 169, 532-533
Seitenzahl: 164
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)