Review

Und noch einmal mit Schwung

Ein letztes Mal widmen wir uns den vier handverlesen Spider-Man-Meilensteinen, die anlässlich des Blockbuster-Feuerwerks „Spider-Man: No Way Home“ erschienen sind und diesen maßgeblich mitgeprägt und inspiriert haben („Spider-Man: Enthüllt“, „Spider-Man: Happy Birthday“ und „Spider-Man: Nur noch ein Tag“).

Den Abschluss dieser Hardcover-Neuauflagen macht bei uns „Spider-Man: Ein besonderer Augenblick“ (US-Titel: „One Moment in Time“). Diese Storyline ist zwar erst einige Zeit nach „Spider-Man: Nur noch ein Tag“ erschienen, rekurriert aber inhaltlich-thematisch unmittelbar auf diesen. Die hiesige Besprechung könnte daher naturgemäß für einige Leser:innen Spoiler enthalten. Wer „One More Day“ noch gänzlich unbehelligt lesen möchte, sollte einstweilen vom Weiterlesen Abstand nehmen und zu einem späteren Zeitpunkt hierher zurückkehren.

Lieblos, ehelos, kinderlos

Nach Peters aufsehenerregender Demaskierung im ersten Superheldenkrieg „Civil War“ kannte alle Welt Spideys Identität – auch die Superschurken aus seinem Umfeld.

Und was er jahrelang lediglich abstrakt befürchtet hatte, trat ein. Eine Kugel, die für Spider-Man gedacht war, traf seine geliebte Tante May. In seiner Verzweiflung wandte sich Peter an Tony Stark, aber auch den Meisterzauberer Dr. Strange; niemand konnte ihm helfen.

Schließlich gingen Mary Jane und Peter – wortwörtlich – ein Teufelsbündnis mit Mephisto ein. Dieser würde der im Sterben liegenden May das Leben retten, wenn er im Gegenzug des Netzschwingers Freude, Kraft, Leidenschaft und Glück bekäme. Der höllische Mephisto forderte Peters Liebe – seine Ehe mit MJ. Mary Jane gelang es noch, den Preis zu drücken, denn die Welt sollte auch vergessen, dass Peter Parker Spider-Man ist.

Tante May wurde gerettet. Die Ehe von Mary Jane und Peter Parker wurde annulliert. Ein folgenschwerer und erheblicher Eingriff in die Kontinuität des Marvel-Kosmos wurde vollzogen.

Nach etlichen frischen und einsteigerfreundlichen Abenteuern einer neuen Ära für Spider-Man (insbesondere „Spider-Man: Ein neuer Tag“ von Dan Slott & Co.) taten sich Joe Quesada und Paolo Rivera zusammen, um zu offenbaren, wie sich diese Rückgängigmachung konkret auf das Leben von MJ und Peter sowie vor allem auf den Tag der Hochzeit ausgewirkt hat.

Diese verrückte Retrospektive führt uns zu dem vorliegenden Sammelband.

Ein kompletter Lebensabschnitt

Mit „Spider-Man: Ein besonderer Augenblick“ endet dieser Rückblick auf die Spider-Man-Meilensteine in der chronologischen Veröffentlichungsreihenfolge. Bei diesen Sammelband-Neuauflagen hat man bei Panini Comics ein sehr gutes Händchen bewiesen, da sich insgesamt eine strukturierte und kohärente Spidey-Saga über einen langen Zeitraum ergibt.

Von diesen Neuauflagen weiß die hiesige meines Erachtens was am wenigsten gut zu gefallen. Von der erzwungenen Rückgängigmachung bzw. einem erzwungenen Spider-Man-Neustart kann und konnte man halten, was man will. Nun werden die vorliegenden Kapitel genutzt, um die folgenschweren Veränderungen – den neuen Status quo – ausgiebig zu erklären.

Offenbar gab es hierfür seinerzeit ein besonders großes Bedürfnis in der Leserschaft.

Erst 2010 tat sich Marvels oberster Kreativer Joe Quesada mit Zeichner Paolo Rivera zusammen, um den neuen Status quo genau zu erklären. Letztlich ging es darum, den noch immer schockierten Spidey-Fans deutlich zu machen, dass Peter und MJ lange ein Paar gewesen sind und das meiste von dem erlebt haben, was in den Comics zu lesen war – allerdings waren sie in der neuen Geschichtsschreibung nach NUR NOCH EIN TAG dabei eben nicht verheiratet.“

(aus dem Vorwort von Christian Endres zu „Spider-Man: Ein besonderer Augenblick“,
Panini Comics)

Zu Beginn dieser Ausgabe steht MJ mit einer Flasche Wein vor der Tür von Peter Parker. Es soll eine große Aussprache zwischen Peter und Mary Jane, aber mittelbar auch zwischen den Marvel-Kreativen und den Spidey-Fans stattfinden.

Leseprobe aus „Spider-Man: Ein besonderer Augenblick“. (Copyright: Panini Comics)

In allerhand – zugegebenermaßen clever konstruierten – Rückblicken sehen wir, welchen Einfluss die tragische Rückgängigmachung auf die Spidey-Historie hatte. Was ist gleichgeblieben, was hat sich seit dem Eingriff in die Kontinuität geändert? Hier werden diesen blinden Flecken enträtselt und Geheimnisse gelüftet. Teilweise wird die Geschichte hier Bild für Bild nachinszeniert – bisweilen mit nur nuancierten Unterschieden. Meines Erachtens fühlen sich die Kapitel rund um die – nun im Kanon gültige – Trennung von Peter und MJ allerdings sehr nach „Erklärbär“ an. Während gerade der letzte Sammelband durch Herz und Leidenschaft punkten konnte, ist dieser oftmals eher anschaulich als fesselnd oder emotional packend.

Die Zeichnungen und unterschiedlichen Stile der Künstler sind überwiegend gelungen, wenn auch nicht auf absolutem Marvel-Top-Level. Insbesondere die visuelle Darstellung von Mary Jane wirkt bisweilen sehr untypisch und wesensfremd.

Fazit

Spidey-Fans, die die vorgestellten Sammelbände noch nicht kennen, sollten sich diese Lektüre nicht entgehen lassen. Auch wenn die übrigen Ausgaben nach meinem Dafürhalten noch faszinierender und besonderer waren als dieser besondere Augenblick in der Spider-Man-Historie.


Spider-Man: Ein besonderer Augenblick

Inhalt

Ein besonderer Augenblick der Spider-Man-Historie in einem Band!

Um die Folgen von Spideys Demaskierung rückgängig zu machen, muss die Realität umgeschrieben werden. Aber was geschah nun damals, am Tag der Hochzeit von MJ und Peter? Und was haben Tony Stark, Dr. Strange und Reed Richards damit zu tun?

(Quelle: Panini Comics)

Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 11.01.2022
Originalausgaben: Amazing Spider-Man 638-641
Seitenzahl: 156
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)