Review

Seit ihrem Auftritt in dem Event „Spider-Verse“ aus der bei Panini momentan laufenden Serie Spider-Man ist ein regelrechter Hype um die junge Frau mit der weißen Kapuze entstanden. Doch nicht nur aufgrund ihrer modischen Erscheinung verlangten die Fans mehr von Spider-Gwen. Es ist schon etwas Besonderes, wenn ein so beliebter, vermeintlich toter Charakter wieder auf der Bildfläche erscheint und gleichzeitig auch noch den Platz des Spider-Mans in ihrer Welt eingenommen hat.

Geboren auf Parallelwelt Erde-65 widerfuhr Gwendolyne Stacy das gleiche Schicksal wie einst Peter Parker auf so vielen anderen Erden. Der Biss einer verstrahlten Spinne verlieh ihr all die Fähigkeiten, für die wir den Netzkopf beneidet haben: Überproportionale Stärke, Spinnensinn und senkrechte Wände mühelos erklimmen zu können. Allerdings haben sich in ihrer Welt einige Dinge schwerwiegend verändert. Beispielsweise arbeitet Frank Castle (aka The Punisher) als Captain bei der Polizei und Matt Murdock (aka Daredevil) als gewissenloser Anwalt des Kingpin.

Einen Peter Parker gibt es allerdings auch. Zumindest gab es den. Und hier finden wir auch schon den ersten Kritikpunkt, denn die genauen Hintergründe zum Plot erfährt man nur durch den Sonderband 1 zu „Spider-Man: Spider-Verse“. In diesem Band werden die Ereignisse um Gwen und Peter Parkers Tod auf der ersten Seite nur kurz zusammengefasst. Als Einstieg für die Serie ein wirkliches Problem, da es dadurch wirklich schwerfällt, emotionale Empathie für die Protagonistin aufzubringen.

Denn um Gwens Lage, als Spider-Woman missverstanden und von der Polizei gejagt, steht es alles andere als rosig. Aber so wie es sich nicht ändert, dass der Geier immer noch als Verbrecher unterwegs ist, steht Gwens Vater Captain Stacy bei der Polizei immer noch für die Gerechtigkeit ein. Ein umso größerer Schock für ihn ist es, herauszufinden, dass ausgerechnet seine Tochter hinter der Maskerade steckt. Es kommen also harte Zeiten auf Gwen zu, zwischen durchgedrehten Widersachern und dem Gesetz im Nacken auch noch das eigene Leben auf die Reihe zu bringen.

Spider-Gwen bei der täglichen Arbeit, wenn auch mit weniger Schwierigkeiten als erwartet. (Copyright: Panini Comics)

Spider-Gwen bei der täglichen Arbeit, wenn auch mit weniger Schwierigkeiten als erwartet. (Copyright: Panini Comics)

Gwen verkörpert mit ihrer sympathischen Art die Frische dieses Comics; selbst beim Netzschwingen immer das Smartphone am Anschlag und als Schlagzeugerin der Band „The Mary Janes“ (ja, Mary Janes Träume vom Schauspielern haben sich hier geändert). Dazu das Konzept des Outfits in Form von Hoodie, Leggins und Chucks. Fließender Übergang zur ohnehin schon bunten Erscheinung des Comics, welcher flippig und an vielen Stellen sehr sketchy wirkt. Es spiegelt irgendwie all das wider, was Gwen Stacy eigentlich nie sein kann. Dennoch soll man nicht denken, dass Zeichner Robbi Rodriguez es nicht schafft, auch die dunkleren Szenerien entsprechend einzufangen.

Nicht alles läuft bei „Spider-Gwen – Drahtseilakt (Band 1)“ glatt – bei Weitem nicht. Die Story scheint jedes Mal komplett aus dem Ruder zu geraten und man merkt Gwen die Unerfahrenheit und Überforderung mit ihrem neuen Job an. Immer wieder findet sie sich in unangenehmen Situationen wieder, wobei wohl die Stellen die Spinnen-Fans am meisten schlucken lassen werden, die Gwens Nachbarn May und Ben Parker betreffen. Der jugendliche Charakter des Plots hat gefühlt viel gemeinsam mit dem der Reihe „Der Ultimative Spider-Man“ von Brian Michael Bendis.

Wie bereits erwähnt, muss man sich die Gegebenheiten irgendwie versuchen vor Augen zu halten, zumal diese in Band 1 nur mangelhaft angeschnitten werden. Abgesehen davon bringt die Serie viele neue Ansätze, die einem das Spider-Man Universum mal aus einem anderen Blickwinkel betrachten lassen. Gwen Stacy ist sowieso die sofortige Sympathieträgerin, vor allem weil sie nicht zu aufgesetzt wirkt und besonders Fans verstehen werden, warum sie Peter Parkers erste und vielleicht einzig wahre Liebe war.

Inhalt

Auf der Erde-65 ist Gwen Stacy die Heldin Spider-Woman. Sie gibt sich selbst die Schuld am Tod von Peter Parker. Das tun die Cops auch und jagen die Netzschwingerin. Allen voran: der obsessive Frank Castle. Darüber hinaus muss Spider-Gwen es mit dem Geier, dem diabolischen Matt Murdock und Black Cat aufnehmen.

Die Abenteuer der Netzschwingerin aus „Spider-Verse“

(Quelle: Panini Verlag)

Autor

Jason Latour ist ein amerikanischer Comic-Autor und -Zeichner, bekannt für seine Werke bei Image, Dark Horse, Marvel und DC Comics wie beispielsweise Scalped, Wolverine, B.P.R.D., Winter Soldier, Django Unchained.

(Quelle: Wikipedia)

Jason Latour – Homepage
Jason Latour – Twitter

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 24.11.2015
Seitenzahl: 116
Original-Storys: Spider-Gwen 1-5
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics / Marvel Comics

Copyright Cover: Panini Comics



Über den Autor

Christopher