Review

Eine Geschichte von unheimlichen Gefahren und grausamen Monstern im Wald 

Es sollte eine harmlose Partie Wahrheit oder Pflicht werden. Doch als der junge James aus dem beschaulichen Archer’s Peak seine Freunde in den dunklen Wald führt, erweist sich das Ganze für die Mitspieler als tödlicher Ernst. Denn mitten in den Schatten des dichten Waldes lauern schreckliche Monster. Und die zerreißen die US-Teenager – im wahrsten Sinne des Wortes – in der Luft. Lediglich James gelingt es, das Gehölz unversehrt und in einem Stück wieder zu verlassen.

Zurück in der Zivilisation glaubt man dem schüchternen Jungen freilich kein Wort. Schließlich weiß jeder, dass es keine Monster gibt, richtig?

Seine Mitschüler bezichtigen ihn des Mordes, während die Kleinstadtpolizisten sich weigern, auch nur eine Sekunde zu glauben, so etwas könnte sich in ihrem beschaulichen Städtchen abspielen.

Doch die Gemengelage ändert sich erheblich, als eine junge Frau in Archer’s Peak aufschlägt. Die hartgesottene Blondine Erica Slaughter mit den großen giftgrünen Augen ist Monsterjägerin von Beruf. Und Kinder vor Monstern aus Wäldern zu schützen, ist quasi ihre Spezialität.

Die örtlichen Polizisten sowie die verstörten Bewohner der Kleinstadt begegnen der Fremden mit Argwohn und Misstrauen. Doch eine Frau wie Erica lässt sich von Kleingeistern nicht in die Schranken weisen.

Die abgeklärte Monsterjägerin dringt tief in den Wald ein und erschlägt eine brachiale und seltsame Kreatur. Allerdings treiben auch die Sprösslinge des Monsters im nahen Wald ihr Unwesen. Zu allem Überfluss muss sich Erica Slaughter dann auch noch mit einem Agenten aus dem Hause Slaughter, einem Mitglied vom Orden des Heiligen Georg, herumärgern. Bekanntlich kann dich nichts wahnsinniger machen als die eigene Familie …

Fesselnde Mystery-Geschichte

James Tynion IV kennen wir hierzulande vor allem als Batman-Autor, da er zuletzt über längere Zeit die Serie „Detective Comics“ für DC als Autor realisiert hat (Ende der Saga: „Batman – Detective Comics 7: Batmen Eternal“).
Darüber hinaus entwickelte er bereits etliche Plots zusammen mit dem renommierten Autor Scott Snyder („Batman: Der letzte Ritter auf Erden“).

Mit seiner neuen eigenständigen Reihe, deren zweiten Band „Something is killing the Children 2“ wir uns hier vorgenommen haben, widmet sich der Autor dem Genre Mystery bzw. Horror.

Rein thematisch könnte man sich diese vortrefflich unter dem Banner des DC-Imprints Hill House Comics von Horror-Ikone Joe Hill vorstellen (dort z.B. „Joe Hill: Ein Korb voller Köpfe“, „Joe Hill: Das Puppenhaus“). So ähnelt „Something is killing the Children“ auf den ersten Blick dem Buch „Joe Hill: Im tiefen, tiefen Wald“; hier wie dort ist Handlungsschauplatz einer Horror-Mystery-Geschichte eine beschauliche Kleinstadt, wobei in den Wäldern jeweils bizarre und gefährliche Kreaturen hausen.

Im Übrigen erinnert der Inhalt – im Fokus steht schließlich eine junge weibliche Monsterjägerin – an Joe Kellys und Ken Niimuras einfühlsamen und tiefgründigen Hit „I Kill Giants“ (hier der gleichnamige Release des Films: „I Kill Giants“).

Trotz dieser eventuellen inhaltlichen Überschneidungen und Verknüpfungen ist der Überraschungshit von James Tynion IV natürlich ein eigenständiges Werk mit einem völlig anderen Konzept. Im nahen Wald von Archer’s Peak lauert das grauenvolle Böse. Der Autor verhandelt und beleuchtet – meines Erachtens als eines der Kernthemen – das Behördenversagen angesichts jahrelang unaufgeklärter schlimmster Verbrechen. „Hier passieren solche Dinge einfach nicht. (zitiert aus: „Something is killing the Children 1“). So drängt sich vorliegend der Eindruck auf, dass die Untätigkeit der Ermittlungsbehörden Methode hat. Erica Slaughter kommt vorbei und räumt auf, wenn die Ermittlungen ins Leere gehen, insbesondere wenn Indizien und eindeutige Beweise schlicht übersehen werden. Der mehr um den Ruf eines Städtchens als um ein Kinderleben besorgte Freund und Helfer steht als Institution am Pranger; wird als menschliches Individuum aber auch verteidigt. Als deutscher Leser kommt man nicht umhin, an den Missbrauchsfall Lügde und den damit zusammenhängenden Polizeiskandal zu denken.

Leseprobe aus „Something is killing the Children 2“.
(Copyright: Splitter Verlag)

Anzumerken ist allerdings, dass dem Leser hier einiges an Interpretationsarbeit zugemutet wird. Tynion IV spricht solche Gedanken nicht aus, er gibt kaum Motive der Ermittler oder von Handlungen an – schon gar nicht nimmt er Wertungen vor. Dies sorgt dafür, dass der Leser ein Stück weit im Ungewissen tappt. Ist dies hier primär ein packendes Mystery-Horror-Erlebnis oder gibt es doch tiefgründige und schwierige menschliche Fragestellungen zu entdecken? Das wird die Zeit zeigen müssen.

Dennoch zeichnet sich die Reihe nach bislang zwei Bänden durch feinsten Comic-Horror sowie Vielseitigkeit und Abwechslung aus. Erica Slaughter ist ferner eine Protagonistin mit einer gewissen Unverfrorenheit zum Gernhaben und immenser Tatkraft. Auch visuell zeichnet sich die dynamische Heldin durch eine ganz besondere Wiedererkennbarkeit aus.

Auch im Übrigen zeigt sich die Serie visuell eigenständig. Skizzenhaft illustriert von Zeichner Werther Dell’Edera und blass-düster untermalt von Kolorist Miquel Muerto werden die Abenteuer in Archer’s Peak beachtlich in Szene gesetzt.

Fazit

Die überschaubare Handlung von „Something is killing the Children“ aus der Feder von James Tynion IV und Werther Dell’Edera passt bislang auf einen Bierdeckel. Die Reihe verlangt nach einem Leser, der gewillt ist, aus diesem Buch mehr zu machen als den bloßen Inhalt unhinterfragt und unreflektiert hinzunehmen. Dessen ungeachtet funktioniert die Publikation natürlich auch als schlichter Horror-Comic recht gut und punktet durch das eigenwillige Artwork.


Something is killing the Children. Band 2

Inhalt

Erica Slaughter mag die Monster getötet haben, die Archer’s Peak terrorisierten, aber das Grauen ist noch lange nicht vorüber. Während der seltsame Mann, der behauptet ihr Manager zu sein, hinter Erica aufräumt und die verstörten Bewohner der Kleinstadt beruhigt, dringt Erica tiefer in den Wald ein. Denn das Monster, das sie getötet hat, war ein Weibchen. Und jetzt müssen seine Kinder dran glauben.

(Quelle: Splitter Verlag)

Autor

James Tynion IV
ist ein amerikanischer Comicbuch-Autor. Er ist vor allem für seine Arbeit an Batman bekannt.

(Quelle: Wikipedia)

James Tynion IV – Twitter

Details

Format: Hardcover, Bookformat
Veröffentlichung: 24.03.2021
Seitenzahl: 144
ISBN: 978-3-96219-558-8
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)