Review

Ein ganz spezieller Science-Fiction-Held

Insbesondere in den letzten Jahren hat sich der kosmische Silver Surfer, der dereinst von Jack Kirby und Stan Lee, den Urvätern des Marvel-Universums, erschaffen worden ist, einen gewissen Sonderstatus erarbeitet. Weniger in fortlaufenden Serien, als vielmehr in einzelnen Werken (z.B. „Silver Surfer: Requiem“, „Silver Surfer: Parabel“) bzw. abgeschlossenen Miniserien kann der intergalaktische Wellenreiter in der Regel auf sich aufmerksam machen.

In jüngster Vergangenheit prägten vor allem der langjährige Spidey-Autor Dan Slott („Spider-Man: Spider-Verse“) und Pop-Art-Genie Michael Allred die Welt von Galactus‘ ehemaligen Herold Silver Surfer, der auf den bürgerlichen Namen Norrin Radd hört und von dem Planeten Zenn-La stammt, der einst vom gigantischen Weltenverschlinger Galactus bedroht wurde. Das künstlerische Team nahm sich den typischerweise grüblerischen Surfer und erschuf unvergessliche Abenteuer, in denen sich der Surfer in seine irdische Begleiterin Dawn Greenwood verliebte. Eine ungewohnt gefühl- und humorvolle Geschichte, die ihren Abschluss in dem überragenden „Silver Surfer Megaband: Was Surfer wollen“ fand.

Donny Cates und der kosmische Held Silver Surfer

Dieses schwere Erbe tritt nunmehr Marvels neuer Vielschreiber und Star-Autor Donny Cates („Thanos Megaband 2: Herrscher des Universums“) an, der sich zuletzt auch schon an die Symbionten-Mythologie der Klyntar aus Venoms Kosmos gewagt hat. Kürzlich inszenierte Cates darüber hinaus den neuerlichen Auftakt für Marvels kosmische Helden mit „Guardians of the Galaxy 1: Die neuen Guardians“. Da bietet es sich an, dass der Autor weiter munter auf Weltraumpfaden wandelt und sich dem Schicksal des Silbernen annimmt.

In der Miniserie „Silver Surfer: Black – Gott der Finsternis“ muss Norrin Radd auf die Gesellschaft seiner außergewöhnlichen jungen Frau von der Erde, Dawn Greenwood, verzichten und abermals als einsamer Held den Kosmos durchstreifen.

Für Neueinsteiger und Gelegenheitsleser sollte folgender Aspekt aus Cates‘ „Guardians of the Galaxy“-Auftakt beachtet werden:

In GUARDIANS OF THE GALAXY 1 von Autor Donny Cates, Zeichner Geoff Shaw und Co. kam der Surfer mit vielen anderen zusammen, um den letzten Willen von Thanos zu erfahren. Die Black Order griff jedoch an und öffnete ein schwarzes Loch, das den Surfer, Thors früheren Waffenbruder Beta Ray Bill und weitere Helden einsog.

(„Silver Surfer: Black – Gott der Finsternis“, Panini Comics, Vorwort von Christian Endres)

Mehr muss man für das neuerliche Abenteuer des galaktischen Wellenreiters schlicht und ergreifend nicht wissen.

Die Weiten des Universums 

Nachdem der Silver Surfer durch ein schwarzes Loch in die Finsternis der Unendlichkeit gefallen ist, landet er schließlich – jenseits von Raum und Zeit – auf einer fremden Welt am Anbeginn der Zeit. Dort trifft er auf den von Donny Cates erschaffenen finsteren Gott der Symbionten der Klynta, Knull. Zunächst flieht der ehemalige Herold von Galactus und erlebt dabei eine verrückte Reise, die ihn erst quer durch das All und später zu sich selbst führen soll. Auf seinem Weg trifft Norrin Radd seine frühere Geliebte Shalla-Bal, den kosmischen Beobachter Uatu, den lebenden Planeten Ego sowie seinen einstigen finsteren Begleiter, den gewaltigen Weltenverschlinger Galactus. Schließlich muss sich der Surfer dann aber doch Knull, dem Gott der Finsternis, stellen.

Wenn wir jeden Kampf aufgäben, weil die Chancen schlecht stehen, gäbe es keine Tapferkeit.“

(Eine große Hommage von Autor Donny Cates an Stan Lee, in „Silver Surfer: Black – Gott der Finsternis“, Panini Comics)

Highlight in Wahnsinnsbildern

Der Trend, dass Surfer-Comics etwas ganz Besonderes sind, reißt auch unter der kreativen Führung von Autor Donny Cates nicht ab.

Leseprobe aus „Silver Surfer: Black – Gott der Finsternis“ von Star-Autor Donny Cates und Zeichner Tradd Moore. (Copyright: Panini Comics)

Wie das schwarze Loch den Silver Surfer, saugt auch die Story von Cates den Leser in die Seiten und überwältigt ihn mit einer packenden Weltraum-Story. Dabei widmet sich Marvels neuer Vielschreiber Donny Cates gekonnt der Vergangenheit von Norrin Radd, seiner Liebe zu Shalla-Bal und seiner Heimat Zenn-La, sowie der schweren Last, als Herold von Galactus diverse Planeten für den Untergang bestimmt zu haben. Doch nicht nur die tragische Herkunftsgeschichte des Silbernen spielt eine Rolle, sondern auch dessen Zukunft. Cates‘ Story ist für den Helden eine Reise zum Ich, eine reinigende Selbstfindung.

Im Gegensatz zu Dan Slott ist hier für Humor jedoch kein Platz. Der Surfer ist wieder der bedächtige und grüblerische Einzelgänger. Damit einhergeht, dass Cates eine sehr komplexe und vielschichtige Story entwirft, die bisweilen etwas verkopft und kryptisch wirkt. Dan Slotts Abenteuer waren da sicherlich etwas bekömmlicher und leichter verdaulich.

Wie zuvor Michael Allred, glänzt auch vorliegend Zeichner Tradd Moore mit einem ganz speziellen Pop-Art-Artwork. Wie die Geschichte von Donny Cates, ist jedoch auch die Kunst von Moore deutlich kantiger und düsterer und erinnert zuweilen an Größen wie Picasso oder auch Salvador Dalí. Abgerundet werden die Wahnsinnsbilder von den spektakulären Farben von Kolorist Dave Stewart.

Fazit

Der Silver Surfer auf einem temporeichen und farbenfrohen Trip durch die Galaxis. Jack Kirby und Stan Lee, J. Michael Straczynski und Esad Ribic, Dan Slott und Michael Allred: Donny Cates und Tradd Moore müssen sich vor ihren namhaften Vorgängern nicht verstecken.

Inhalt

Der Silver Surfer wird in ein schwarzes Loch gesaugt und landet auf einer Welt am Anbeginn der Zeit. Hier lauert ein grausamer Gott des Bösen, der den silbernen Helden zu einer verhängnisvollen Symbiose zwingen will.

(Quelle: Panini Comics)

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 25.02.2020
Originalausgaben: Silver Surfer: Black 1-5
Seitenzahl: 116
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)