Review

„Ich wusste, dass du kommst, Norrin Radd. Und ich weiß auch, was du als nächstes tust. Ich bin das Beinahe. Das Demnächst. Ich bin die Königin des Nimmer. Und wie bei allen anderen, die vor dir scheiterten, kenne ich die vielen Umstände deines Todes.“ (Die Never Queen – Silver Surfer)

Dass Panini Comics der neuen „Silver Surfer“-Serie eine eigene Sonderband-Reihe spendiert, ist schon was Besonderes. Als eine der Figuren, die noch von den Altmeistern Jack Kirby und Stan Lee geschaffen wurden, kam der Weltraumabenteurer mit dem Silberschimmer in deutschen Landen mit seinen Veröffentlichungen meist immer etwas zu kurz. Doch nun hat sich kein geringerer als Dan Slott, der seit Jahren fast seine gesamte Schaffenskraft in die Abenteuer unserer geliebten Spinne aus der Nachbarschaft investiert, dem silbernen Helden vom Planeten Zenn-La angenommen und startet zusammen mit Mike Allred die neuste Serie des Silver Surfers.

Norrin Radd, der Zenn-Lavianer, der vom Weltenfresser Galactus zum Dasein als einer seiner Herolde verdammt und damit beauftragt wurde, neue Planeten zu finden, die zum Verzehr durch Galactus geeignet waren. In silberner Gestalt, auf silbernem Surfbrett, ausgestattet mit der kosmischen Kraft, wandte er sich jedoch von seinem tyrannischen Herren ab und durchstreift seitdem die Weiten der Galaxien.

Der erste Band der neuen Serie beinhaltet gleich zwei Story-Bögen und beginnt mit der Reise des Surfers nach Impericon, wohl eines der bekanntesten Reiseziele der Galaxie und Dreh- und Angelpunkt für Tourismus und Unterhaltung. Dort trifft er auf den „Zweifelnden-Zed“, der Norrin um Hilfe bittet, da Impericon von der „Never-Queen“ bedroht wird. Um dem Ganzen etwas Nachdruck zu verleihen, setzt Zed den „Motivator“ ein. Eine Maschine, die schlicht eine Person entführt, die dem potenziellen Helden nahe steht, um ihn erpressen zu können, den Kampf gegen die „Never-Queen“ aufzunehmen. Zur Verwunderung des Surfers entführt die Maschine das junge Erdenmädchen „Dawn“, eine Person, die er nie zuvor gesehen hat … die ihm aber offenbar näher steht, als er selbst noch erahnen kann.

Dan Slott auf der New York Comic Con 2012 (Copyright: Luigi Novi / Wikimedia Commons)

Dan Slott auf der New York Comic Con 2012 (Copyright: Luigi Novi / Wikimedia Commons)

Dan Slott, der Mann, der wohl die meisten Spider-Man Hefte überhaupt geschrieben hat, lebt in seiner neuen Silver Surfer Serie seine Affinität für Retro-Science-Fiction und Doctor Who aus. Diese Reminiszenzen quillen förmlich aus den Sprechblasen. Wie wir es aus seinen Storys über den blau-roten Netzschwinger kennen, bevorzugt er Geschichten, die sich vom Alteingesessenen abheben und Veränderungen mit sich bringen. So etabliert er mit der jungen Dawn kurzerhand eine zweite Hauptfigur, die neben dem Surfer eine enorm wichtige Rolle im Plot spielt und dem Anschein nach auch noch spielen wird. Dies ist neu, so war der Surfer abgesehen von seiner engen Verbundenheit zu den Fantastic Four, Dr. Strange oder dem Hulk doch immer ein Einzelgänger und bekommt nun einen gleichwertigen Protagonisten an die Seite gestellt. Slott schreibt mit viel subtilem Witz, abgedrehten Ideen und einer gehörigen Portion klassischem Comic-Plotting.

Dies alles würde aber nur halb so gut funktionieren, wäre da nicht Mike Allreds umwerfendes Pop-Art-Artwork, welches so wunderbar mit dem Stil der Erzählung harmoniert. „Madman“ Schöpfer Allred ist ein erfahrener Zeichner, der in Deutschland bisweilen aber recht unbekannt geblieben ist. Das mag an seinem speziellen Stil liegen, wer weiß. Man fühlt sich förmlich in die überdrehten 60er zurückversetzt, mit dezenten Psychedelic-Ansätzen, bunten Farben, fast schon flachen Witzen und vielen tollen Zeilen, die man sich gern mehrmals durchliest.

Panini Comics veröffentlicht die Reihe als schickes Paperback im Klappcover und eine Leseprobe gibt es gleich hier. Überraschenderweise wirkt der Surfer in dieser Form so klassisch wie auch erfrischend und stellt so einen exzellenten Neustart dar, dem man definitiv eine Chance geben sollte. 3 1/2 Punkte für die tolle Story und einen halben oben drauf für das großartige Artwork.

Inhalt

Die neue großartige Silver-Surfer-Solo-Serie von Dan Slott (SPIDER-MAN) und Mike Allred! Erst geht es für den Surfer auf einem Vergnügungs-Planeten rund, dann trifft er Dawn, eine ungewöhnliche junge Erdenfrau. Das ungleiche Paar kreuzt den Weg der Guardians of the Galaxy und gerät mit Dr. Strange und Hulk in eine Welt voller Albträume …

Mit den Guardians of the Galaxy!

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Dan Slott
ist ein US Amerikanischer Comic-Autor, der vor allem durch seine Arbeit an „The Amazing Spider-Man“, „Superior Spider-Man“, „She-Hulk“ sowie „Avengers: The Initiative“ Bekanntheit erlangte.

(Quelle: Wikipedia)

Dan Slott – Homepage
Dan Slott – Twitter

 

Mike Allred
ist ein US Amerikanischer Comic-Zeichner, der besondere Popularität durch seine Independent-Comic Arbeit an „Madman“ erlangte. Sein Stil definiert sich speziell durch Anlehnungen an Pop-Art sowie Comic-Stile der 50er und 60er Jahre.

(Quelle: Wikipedia)

Mike Allred’s blog
Mike Allred – Twitter

Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 24.02.2012
Originalausgaben: US Silver Surfer (2014) 1-5, US All-New Marvel Now! Point One 1 (II)
Seitenzahl: 124
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics / Marvel Comics

Copyright Cover: Panini Comics / Marvel Comics



Über den Autor

Emu
“Only nothing is impossible.” - Grant Morrison