Review

Jagd nach einem mystischen Artefakt

Der junge Shaolin Weiße Wolke lebt in einem abgelegenen und idyllischen Shaolin-Tempel auf einer Anhöhe inmitten der reichen Natur. Der problemgeplagte Schüler der Kampfkunst wird von finsteren Visionen heimgesucht. Während die Jungen seines Alters ihn daher für einen seltsamen Sonderling halten und ihn damit zum Außenseiter degradieren, sehen die ehrwürdigen Meister des buddhistischen Mönchsordens in ihm scheinbar eine große Hoffnung.

In der weiten Welt außerhalb des beschaulichen Shaolin-Klosters hat unterdessen die Jagd nach einem mysteriösen und mystischen Artefakt begonnen. Ein feudaler Machthaber ist in den Besitz der sogenannten „Bernsteinkammer“ gelangt, einer kleinen und besonders wertvollen Kugel. Rein optisch zwar unscheinbar, zieht der geheimnisvolle Gegenstand doch prompt Aufmerksamkeit auf sich. Eine Reihe von maskierten Kriegern ist bereit zu sterben, um die Bernsteinkammer in ihren Gewahrsam zu nehmen.

Der gut betuchte Herrscher-Haushalt beauftragt indessen eine ebenso fähige wie mysteriöse Assassinin zum Schutz des umkämpften Objekts.

Fremde Welten und ferne Länder

Dass sich Autor Jean-François Di Giorgio mit großem Interesse und Leidenschaft fernöstlichen Comic-Abenteuern, fremden Kulturen und exotischen Kulissen widmet, haben wir bereits in etlichen Besprechungen zu seinen Werken herausgearbeitet (vgl. „Samurai Gesamtausgabe 1 (Bd. 1-3)“, „Samurai Gesamtausgabe 2 (Bd. 4-6)“ oder „Senseï – Die Schule der einsamen Wölfe (Band 1)“).

Während die Serie „Samurai“ mit dem schweigsamen Ronin Takeo – freilich – ein  japanisches Abenteuer verhandelt, spielte bereits die Reihe „Senseï“ mit einer weiblichen Ronin (aus Japan) vor dem exotischen Hintergrund des historischen kaiserlichen China.

Hier setzt auch der Auftakt zu Di Giorgios neuem Asia-Fantasy-Hit„Shaolin 1: Das Kind des Schicksals“ – an, das als Protagonisten und Helden der Geschichte den sensiblen und zurückhaltenden jungen Shaolin-Eleven Weiße Wolke präsentiert. Mit allerhand Liebe zum Detail widmet sich der Konzipient abermals den historischen Begebenheiten fernöstlicher Kultur und Geschichte und verbindet diese mit fantastischen Elementen.

Leseprobe aus „Shaolin 1: Das Kind des Schicksals“. (Copyright: Splitter Verlag)

Das erste Album bleibt dabei vom Gesamteindruck noch recht expositorischer Natur. Die wesentlichen Figuren und Konflikte werden vorgestellt und nach einem Blick auf den geruhsamen Shaolin-Tempel wendet sich der Blick hin zu der Hetzjagd nach der „Bernsteinkammer“. Bislang stellt sich diese als klassischer MacGuffin dar. Bedeutung und Funktion bleibt gegenwärtig vollkommen unklar. Indes löst die kleine Kugel die maßgeblichen Kampfhandlungen aus und ist offenkundig der Katalysator, der die Heldenreise für Weiße Wolke in Gang bringt. Von den düsteren Visionen des Helden erhalten wir allenfalls andeutungsweise einen Eindruck; im Übrigen bleiben dessen besondere Fähigkeiten noch im Verborgenen.

Die erzählerische Darstellung und die Figuren dieser Asia-Fantasy werden ein Stück weit klischeehaft und archetypisch ausgelegt. Herauszuheben ist womöglich die weibliche Assassinin – eine tödliche Schönheit in diesem historischen Setting.

Die besondere Liebe zum Detail findet ihren Niederschlag im Artwork von Zeichner Looky, der sich hier richtig austoben kann. Ein Wort wie „detailbesessen“ kommt den Leser:innen vorliegend noch unzureichend vor. Die exotischen Landschaften und Kulissen, die Figuren, die dynamischen Kämpfe – alles ist hier mit unglaublicher Akribie und Detailverliebtheit in Szene gesetzt. Womöglich gibt es hier (gegenwärtig noch) keine allzu tiefgründigen Charaktere; allerdings kann man dieses Album allein wegen der prächtigen Schauwerte genießen.

Fazit

Jean-François Di Giorgio legt den nächsten gelungenen Auftakt in ein exotisches Abenteuer vor historischem fernöstlichem Hintergrund vor und hat mit Looky den richtigen Partner an der Seite, um diese Serie eindrucksvoll auf den Seiten zu verewigen.


Shaolin. Band 1: Das Kind des Schicksals

Inhalt

Düstere Visionen von Tod und Gewalt suchen den jungen Shaolin-Eleven Weiße Wolke heim. In den Augen seiner Kameraden ist er ein Träumer und ein Schwachkopf, aber der ehrwürdige Meister Huo erkennt seine Gabe, denn die Augen von Weiße Wolke sehen mehr als nur unsere physische Wirklichkeit. Als verschlagene Ninja ein mächtiges, verfluchtes Artefakt stehlen, das große Gefahren birgt, sieht Huo die Stunde der Wahrheit gekommen. Plötzlich lastet das Schicksal der Welt auf den Schultern von Weiße Wolke …

(Quelle: Splitter Verlag)

Autor

Jean-François Di Giorgio
ist ein französisch-belgischer Comicautor, geboren (1961) in Besançon.

(Quelle: Wikipedia)

Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 15.12.2021
Seitenzahl: 48
Band: 1 von 3
ISBN: 978-3-96792-129-8
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)