Review

Sex sells. Ein einfaches Prinzip, das durch die Bank viele Branchen belebt. Manchmal wird die erotische Komponente geschickt eingeflochten, manchmal wird es einfach nur plump und peinlich, aber gerade die Verbindung von Erotik und Thriller ist schon immer ein Klassiker.

Daher lag es für die Macher der erfolgreichen Krimireihe „Mord in Serie“ nah, das Portfolio um genau so eine Produktion zu erweitern: Die Idee zu „Sex in Serie“ war geboren.

In der ersten anregenden Hör-Stunde namens „Spiel der Begierde“ verwirklicht als Autor wieder Markus Topf seine Ideen.
Es geht um die Eheleute Michaela und Andreas. Während er durch seinen Wahlkampf in der Lokalpolitik mehr als eingespannt ist (und darüber den Hochzeitstag vergisst, ein weiterer Klassiker), fehlt es ihr an Aufmerksamkeit in jeglicher Hinsicht. Doch statt hier das Klischee nach einem oder einer Geliebten zu bedienen, setzt der Autor auf die Offenheit seiner Figuren: Michaela bekommt von einer Kollegin den Besuch eines Swingerclubs empfohlen und die Idee des Partnertausches scheint direkt auf fruchtbaren Boden zu fallen. Die Eheleute lassen also nichts anbrennen und verabreden sich über das Internet mit zwei weiteren Pärchen für ein prickelndes Wochenende am Meer. Dort angekommen geht es heiß zur Sache, anscheinend kommt jeder gut auf seine Kosten. Doch Mutti hat schon gesagt, dass man Fremden aus dem Internet nicht trauen soll … Und als Michaela am nächsten Tag die Leiche einer Teilnehmerin entdeckt, offenbaren sich die grausamen, wahren Gesichter ihrer Gespielen: Niemand will die Polizei rufen, nicht einmal ihr Mann Andreas. Stattdessen dominiert eine Mauer des Schweigens zu dieser schrecklichen Tat und es werden Pläne geschmiedet, wie die Leiche verschwinden soll.

Während bis dahin die Story flüssig läuft, offenbaren sich an dieser Stelle – strategisch ungünstig – zwei Schwächen: Zunächst ist die Enthüllung, dass der Täter vermutlich aus den eigenen Reihen stammt, nicht besonders offensichtlich. Das muss sich der Zuhörer aus kleineren Anhaltspunkten zusammensetzen, bis dahin dienen nur die Karrieren als nicht besonders gute Ausrede; und gerade der Jurist unter den Figuren sollte sich von so etwas doch nicht beirren lassen? Darüber hinaus bleibt im Dunkeln, warum die fünf Swinger nicht einfach die Polizei rufen.
Für einige Hörer liegen die Beweggründe auf der Hand, andere werden über die unklaren Motivationen ins Grübeln geraten und so kurzzeitig durch eigene Gedanken aus der Handlung gerissen. Nichtsdestotrotz lässt sich „Spiel der Begierde“ aber dennoch spannend weiter hören.

Markus Topf (Copyright: Sandra Then-Friedrich)

Markus Topf (Copyright: Sandra Then-Friedrich)

Dafür muss mal wieder der Sprecherriege applaudiert werden, die wie immer bei Contendo Media hochkarätig ist. Ein herausragendes Schmankerl: Viktor Neumann, der dem verrückten „The Walking Dead“-Charakter Rick Grimes seine Stimme leiht, würzt Politiker Andreas mit einer spritzigen Note Wahnsinn.

Also uneingeschränkt spannendes Hörvergnügen? Spannend auf jeden Fall! Allerdings verträgt „Sex in Serie“ mehr Emanzipation von der „Mord in Serie“-Reihe, denn die erotischen Anteile sind erstens unerwartet gering und zweitens noch nicht richtig aufregend, dabei bietet die akustische Palette auch in Sachen Erotik noch mehr als nur Gestöhne.

Schwer wiegt neben diesem kleineren Kritikpunkt eigentlich nur das Ende des Krimis:
Als der Täter sich, den Tathergang und das Tatmotiv offenbart, wird es aus vielen Gründen unschön, die hier aber nicht im Detail verraten werden können, ohne die überraschende Wendung vorwegzunehmen.

Alles in allem liefert „Spiel der Begierde“ schon eine solide Leistung ab, die Genrefans gefallen wird, vor allem, wenn sie schon „Mord in Serie“ hören. Aber die Geschichten sollten noch mehr Eigenständigkeit gewinnen – und zwar ohne dass das Storytelling darunter leidet.

Inhalt

Das Sexleben von Michaela und Andreas lässt schon seit geraumer Zeit zu wünschen übrig. Um Schwung in ihre Beziehung zu bringen, entschließen sie sich zum Partnertausch. Dazu verabreden sie sich mit zwei fremden Paaren in einem Strandhaus an der Lübecker Bucht. Doch das erotische Wochenende entwickelt sich schnell zum Albtraum, als ein Mord geschieht. Denn nur einer von ihnen kann der Täter sein…

Lust, Liebe und Leidenschaft. Lassen Sie sich fesseln von knisternder Erotik in packenden Thrillern, filmreif mit bekannten und beliebten Synchronstimmen in Szene gesetzt und gewohnt aufwändig vertont. Ein einmaliges Hör-Vergnügen für Erwachsene!

(Quelle: Contendo Media)

Autor

Markus Topf
studierte Germanistik in Bonn und arbeitete anschließend im Bereich der TV- und Hörspielproduktionen. Seit 2010 ist Topf freier Autor und Formatentwickler TV.

Markus Topf – Homepage

Serie

01 Spiel der Begierde
02 Eiskalte Leidenschaft

Details

Format: Hörspiel
Veröffentlichung: 15.01.2016
Spielzeit: ca. 51 Minuten
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Contendo Media

Copyright Cover: Contendo Media



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer