Review

Ungebrochene Kraft

Neben dem kanadischen Spezialisten für ausgefallene Comics, Jeff Lemire („Black Hammer 4: Age of Doom Buch 2“, „Berserker Unbound“), ist der amerikanische Autor und Zeichner Rick Remender („Deadly Class 4: Stirb für mich!“, „Black Science 7: Auslöschung ist die Regel“) derzeit einer der spannendsten Akteure auf dem internationalen Comic-Markt.

Eines der heißen Eisen, die der Tausendsassa Remender gegenwärtig schmiedet, ist die opulente Fantasy-Saga „Seven To Eternity“. Leserinnen und Leser, die Gefallen an der ebenso atemberaubend schönen, wie gnadenlos finsteren Story gefunden haben, mussten sich aufgrund eines schleppenden Veröffentlichungsrhythmus‘ zuletzt allerdings in Geduld üben („Seven to Eternity 1: Der Gott des Flüsterns“, „Seven to Eternity 2: Ballade des Verrats“).
Nunmehr liegt mit „Seven to Eternity 3: Aufstieg und Fall“ die neueste Auskopplung der Reihe in deutscher Sprache vor, wobei diese auf der letzten Seite direkt offenbart, dass (wohl) nur noch ein weiteres Album folgen wird („Finale folgt“).

Vorgeschichte bis jetzt

Der Gott des Flüsterns, Garlis Sulm, der Schlammkönig, hat eine allgegenwärtige Paranoia in jeden Winkel des Königreichs Zhal verbreitet. Die Spione des Königs verstecken sich allerorts und verbreiten Misstrauen und Furcht.
Adam Osidis, ein sterbender Krieger, Vater und Ehemann aus einem in Ungnade gefallenen Hause, muss sich entscheiden, ob er sich einer hoffnungslosen Bande von Magiern und Kämpfern anschließt, um die Welt von dem bösen Gott zu befreien, oder ob er dessen Angebot annimmt, Adam alles zu geben, was sein Herz begehrt. Dabei ist der vor ihm liegende Weg alles andere als leicht.

Die Stadt in den Wolken

Adam Osidis hat sich entschieden, mit dem Schlammkönig Garlis Sulm zu paktieren, um sein Leben zu retten und die Existenz seiner Familie zu sichern. Gemeinsam streifen die ungleichen Partner durch die Wildnis und lernen sich dabei auf eine Art kennen, die ihnen bis dahin verborgen geblieben war. Doch die Phase währt nur kurz, denn Garlis wird von Angreifern in die Luft entführt – in die himmlische Stadt Skod. Dort herrscht kein anderer als der Skylord Volmer, Garlis‘ ungeliebter und rachsüchtiger Sohn, der einst mit seinem Volk vom Boden Zhals verbannt worden war. Der Schlammkönig wird von seinem eigenen Fleisch und Blut brutal gefoltert und Adam Osidis muss nun den Mann beschützen, der seinerzeit seinen Vater ermordet hat. In den Wolken entbrennt ein unerbittlicher Krieg um die Vorherrschaft in der Familie und im Reich.

Bewertung

Das lange Warten hat sich gelohnt.

Leseprobe aus „Seven to Eternity 3: Aufstieg und Fall“. (Copyright: Cross Cult)

Zeichner Jerome Opeña und Kolorist Matt Hollingsworth saugen den Leser von Beginn an wieder hinein, in diese fast vergessene Welt. Das Artwork ist nach wie vor atemberaubend und strotzt von der überbordenden Fantasie der Künstler, die Remenders Saga mit kraftvollen, farbenfrohen und ungemein fantasievollen Bildern in Szene setzen. Genau für solche Fantasy-Geschichten werden Comics gemacht.

Rick Remender etabliert in dieser Ausgabe weitere Schauplätze und Charaktere. Insbesondere Garlis‘ Sohn Volmer nimmt hier eine bedeutende Rolle ein und steht sinnbildlich für eine Familie, deren Gesichter zu hasszerfressenen Masken verzerrt sind. Gewaltige Fortschritte macht die Handlung dabei weniger, sondern lebt vielmehr von den interpersonellen Begegnungen und der einstweiligen Zusammenarbeit der Akteure.

Mehr noch als in den Vorgängern wird vorliegend der unterschwellige politische Subtext offenkundig. So ist die Geschichte auch ein Kommentar zu „Trumps Amerika“ sowie zum gegenwärtigen globalen Erstarken der Rechten und zum völkischen Denken.

Das zeigt sich beispielsweise hier:

Zu lange hatte es zu viel Wohlstand gegeben. Ein Krieg war unausweichlich.

Menschen müssen sehr grausam zueinander gewesen sein, um das Miteinander wertzuschätzen.

Nur so lernen sie zu begreifen, dass der Preis für ein friedliches, ruhiges Leben… damit beginnt, verschiedene Standpunkte zu tolerieren.

Wir alle waren festgefahren in frommer Ideologie… alles heruntergebrochen auf ein „Sie“ und ein „Wir„… und „Sie“ hatten immer Unrecht. „Sie“, das waren alle Fremden, die es zu hassen galt. […]

dass es schwarz und weiß gibt… und sonst nichts. Aber wenn es nichts dazwischen gibt… bleiben nur noch Extreme übrig.“

Quelle: „Seven to Eternity 3: Aufstieg und Fall“, Cross Cult, imagecomics

Fazit

Mit Spannung erwarten wir das Finale einer komplexen und aufwendigen sowie farbenprächtigen und düsteren Fantasy-Saga, die auch in visueller Hinsicht Maßstäbe setzt.

Inhalt

Adam Osidis wandelt einen undurchsichtigen Pfad, übersät mit furchtbaren Entscheidungen und herzzerreißenden Kompromissen. Um geheilt zu werden, geht Adam ein Bündnis mit dem Schlammkönig ein – und muss nun den Mann beschützen, der seinen Vater ermordet hat. Wie weit wird er gehen, um sich und seine Familie zu retten?

(Quelle: Cross Cult)

Autor

Rick Remender
ist ein amerikanischer Comicautor und Künstler, geboren am 06. Februar 1973. Zu seinen bekanntesten Werken zählen Marvels Uncanny Avengers, die Uncanny X-Force und Venom.

(Quelle: Wikipedia)

Rick Remender – Homepage | Rick Remender – Twitter

Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 20.02.2020
Seitenzahl: 128
ISBN: 978-3-959813-55-6
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Cross Cult

Copyright Cover: Cross Cult



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)