Review

„Mein Weg der Unterwerfung“, also nicht meiner, sondern jener von Sandra Leonie, wird in dem Buch, welches den Untertitel „Sehnsucht nach männlicher Dominanz“ trägt und auf einer wahren Begebenheit beruht, beschrieben.

Leonie selbst ist es, die sich auf 216 Seiten zu Wort meldet und den Leser an ihren eigenen persönlichen und sehr intimen Erfahrungen teilhaben lässt.

Schnell wird dem Leser aber klar, dass nicht jeder, der etwas zu erzählen hat, gleichzeitig auch das Talent besitzt, Bücher zu verfassen, die der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Denn rein sprachlich-stilistisch liegt mit „Mein Weg der Unterwerfung“ kein Meisterwerk vor. Vielmehr merkt man, wie eine ganz normale Frau ohne schriftstellerisches Geschick ihre Gedanken stichwortartig notiert hat und in Romanform schließlich für ihre Leser ausformuliert wiedergibt. Es ist nicht gerade anstrengend, Leonies Buch zu lesen, aber eine Bereicherung in der Masse an derartigen oder ähnlichen Veröffentlichungen ist es leider auch nicht.

Der Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag selbst, bei dem auch „Mein Weg der Unterwerfung“ erschien, hält eine Fülle Bücher parat, die sich mit der SM-Thematik beschäftigen und sowohl authentische Erzählungen als auch fiktive Romane oder sachbuchähnliche Leitfäden von SMern für SMer umfassen. Ein Beispiel dafür ist u.a. das Werk „Liebe auf den ersten Hieb – Ein SM-Leitfaden für Paare“ von Devina Weiss und Dominik Schenk.
Zwar liegt der Schwerpunkt in Leonies Veröffentlichung nicht auf der Familienverträglichkeit oder Paartauglichkeit von SM, was zu vermuten wäre, angesichts dessen, dass die Verfasserin Mutter zweier Kinder ist, während ihr Mann Marco eine wichtige Rolle in ihrem Leben und ihrer sexuellen Entwicklung spielt, sondern vielmehr auf ihrem Weg von einer 22-jährigen Jungfrau zu einer verheirateten Frau, die ihre sexuelle Erfüllung u.a. im SM, genauer gesagt in der Unterwerfung findet; im Vergleich zu ähnlichen Veröffentlichungen überzeugt diese spezielle Autobiografie allerdings nicht und gibt nur wenig Lese- bzw. Kaufanreiz.

Sandra Leonie selbst erklärt die Entstehung der Idee zum Buch wie folgt:

„Am Anfang meiner Ausbildung zur Sub habe ich alles, was ich erlebt habe, für mich und meinen Mann Marco in Stichpunkten aufgeschrieben, damit wir uns auch später noch an diese spannende Zeit erinnern können.
Doch je mehr ich erlebt habe, desto mehr kam mir die Idee, es als Geschichte zusammenzufügen und auch andere an meinen Gedanken und Erlebnissen teilhaben zu lassen.“
(Quelle: Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag)

Dies ist plausibel und nachvollziehbar, zuweilen deutlich an der Sprachwahl erkennbar, rechtfertigt aber nicht den Grund oder Kauf des Werkes. Denn liest man sich durch das kompakte Buch, so denkt man stellenweise, dass es beispielsweise auch ein einfacher Blogeintrag getan hätte.

Man möchte nicht zu dem Buch rein inhaltlich Kritik äußern, denn immerhin wird in „Mein Weg der Unterwerfung“ eine sehr persönliche, ja sogar intime Entwicklung beschrieben, mit der sich durchaus auch andere Frauen identifizieren könnten. Und es wäre falsch, sich anzumaßen, über das Leben anderer zu urteilen. Was allerdings kritikwürdig ist, ist die Tatsache, dass das Buch damit beworben wird, Ähnlichkeiten mit dem ehemaligen Skandalbuch und jetzigen Klassiker „Die Geschichte der O“ zu besitzen.
Leonie selbst äußert sich auf ihrer Homepage wie folgt dazu:

„Es geht […] um meine reale Unterwerfung und Ausbildung zur „O“, die ich so aufgeschrieben habe, wie ich alles erlebt habe.
Einige von Ihnen werden jetzt vielleicht nicht wissen, was damit gemeint ist. Eventuell sagt ihnen das Kürzel SUB etwas mehr. Eine „O“ (Sub) ist eine devote Frau, die sich einem Herren (Dom) unterwirft mit aller Hingabe. Das „O“ steht für den Namen einer devoten Frau, aus dem Roman „Die Geschichte der O“ (erschienen 1954 von Anne Desclos, die aber bekannter ist als Dominique Aury). […] Meine Ausbildung zur „O“ kommt diesem Roman sehr nahe…“
(Quelle: Sandra Leonie)

Mitnichten möchte man meinen, wenn man „Mein Weg der Unterwerfung“ beendet und ebenfalls in der Vergangenheit „Die Geschichte der O“ gelesen hat.
Wer also meint, eine moderne oder neue Ausgabe dieses bekanntesten sadomasochistischen Buches durch Leonies Erfahrungsschatz in Form von „Mein Weg der Unterwerfung“ vorliegen zu haben, der wird enttäuscht sein. Zwar lassen sich hier vereinzelte Elemente wiederfinden, was nicht wundert, da die Idee zur sexuellen Devotion Leonies nach der Lektüre des Klassikers entstand, damit erschöpfen sich aber auch schon die Gemeinsamkeiten. Somit ist „Die Geschichte der O“ wohl das letzte Buch, was dem Leser als Vergleich in Bezug auf Leonies Veröffentlichung einfällt.

Sandra Leonie (Copyright: Sandra Leonie)

Sandra Leonie (Copyright: Sandra Leonie)

Es ist durchaus mutig von Sandra Leonie, mit ihren Erfahrungen an die Öffentlichkeit getreten zu sein und auch ihre diesbezüglichen Erlebnisse sind ihr weder abzusprechen noch zu beurteilen; da derartige Berichte und Memoiren allerdings schon zahlreich erschienen sind, „Mein Weg der Unterwerfung“ somit nicht viel Neues beinhaltet, sich nur die Sichtweise und die jeweiligen Umstände der Autorin von anderen Autobiografen in diesem Bereich unterscheiden, was dazu führt, dass sich auch nur ein Bruchteil der Leserschaft mit ihren Ausführungen identifizieren kann, ist das Lesen des Buches eigentlich reine Zeitverschwendung. Zeit, in der die das Werk lesende Frau von heute zahlreiche eigene Erfahrungen hätte machen können.

Daher bleibt mit „Mein Weg der Unterwerfung“ ein Buch, das durchaus für die Autorin selbst und ihren Mann eine nette Erinnerung und Zusammenfassung dessen bietet, was ihnen bisher in sexueller Hinsicht widerfahren ist.
Ob und inwiefern außenstehende Leser davon partizipieren, ist aber fraglich, gibt es doch weit bessere Publikationen in diesem Bereich.

Klappentext

Sandra ist mit Marco verheiratet, einem deutlich älteren und viel erfahreneren Mann. Von Anfang an gestalten sie ihre Beziehung sehr offen – vor allem in sexueller Hinsicht.
Marco will jedoch nicht der einzige Mann in Sandras Bett bleiben und ist sich sicher, dass sie irgendwann den Wunsch verspüren wird, auch mit anderen Männern Erfahrungen zu sammeln, schließlich hatte sie bisher noch keinerlei intimen Kontakt außerhalb ihrer Ehe.
Tatsächlich sehnt sich Sandra mehr und mehr nach männlicher Dominanz. Gemeinsam mit Marco findet sie einen Weg, beides miteinander zu vereinbaren – ihre Lust auszuleben und trotzdem eine erfüllte Ehe zu führen. Von nun an begibt sie sich in fremde Hände, lernt Schmerz in intensive Lust umzuwandeln und stößt dabei immer wieder an ihre Grenzen.
Doch Sandra befindet sich oft im Zwiespalt und fragt sich, ob sie den richtigen Weg geht. Es ist für sie die Erfüllung, aber gleichzeitig auch eine Gratwanderung zwischen Realität und Fantasie.

(Quelle: Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag)

Autor

Sandra Leonie wurde 1982 in Norddeutschland geboren und wuchs dort auf. Mit 22 Jahren verschlug es die bis dahin noch jungfräuliche Frau aus Liebe ins katholische Bayern. Sie heiratete bald darauf und gründete eine kleine Familie. Gemeinsam mit ihrem Mann entdeckte sie, dass tief in ihr mehr als nur die brave, anständige Ehefrau und Mutter schlummert.

(Quelle: Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag)

Sandra Leonie – Homepage

Details

Format: Taschenbuch
Label: Lust & Liebe
Veröffentlichung: 15.07.2014
Seitenzahl: 216
ISBN: 978-3-86265-372-0
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag

Copyright Cover: Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde