Review

„Quietus war der erste Ort, an dem meine Familie Wurzeln schlug. Ich war seit Jahren nicht mehr dort, aber ich weiß noch genau, wie Mom den Geruch beschrieb. Wie Passivrauchen bei ihrer ersten Liebe.“ (Saga, Kapitel 13)

Brian K. Vaughan zählt wohl nicht erst seit „Saga“ zu den Superstars des amerikanischen Comics. Seine Arbeit an Serien wie „Y – The Last Man“, „Ex Machina“, aber auch den X-Men oder Batman, seine preisgekrönte Graphic Novel „Die Löwen von Bagdad“, bis hin zu seinem Mitwirken an TV-Serien wie „Lost“, ließen ihn nach ganz oben auf der Leiter des Comic-Olymps klettern. Mit seiner neuen Serie „Saga“ sorgt er mittlerweile nicht nur für begeisterte Kritiker und entflammte Fanboy-Herzen, sondern auch für eine Vitrine voller EISNER- und HUGO-Awards.

Brian K. Vaughan (Copyright: Brian K. Vaughan)

Brian K. Vaughan (Copyright: Brian K. Vaughan)

Im dritten Band von Cross Cults neuster Top Serie geht es weiter mit der wilden Weltraum-Odyssee um Alana, Marko und ihrem ungeplanten Sprößling. Mithilfe des bizarren Baumraumschiffes wird der Planet Quietus erreicht, die Heimat des Autors D. Oswald Heist, der einst den vermeintlichen „Schundroman“ verfasste, der Alana und Marko in die gesellschaftlich nicht erwünschte Beziehung zueinander trieb. Zwischen den Zeilen des Buches schienen sie eine Wahrheit für sich entdeckt zu haben, über die sie mehr erfahren wollten. Und die Antworten sollen vom Autor selbst kommen. Das Problem an der Geschichte ist nur, Alana, Marko und die kleine Hazel sind nach wie vor auf der Flucht vor erbarmungslosen Regierungsvertretern, einem recht sympathischen Kopfgeldjäger, einer gefährlichen Ex-Freundin und mittlerweile auch der Boulevardpresse.

Vaughan greift klassische und fast simple Shakespeare’eske Handlungsstränge auf und zentralisiert das Thema Liebe als Mittel der Konfliktlösung. Das Science-Fiction Genre bietet ihm dafür grenzenlose Möglichkeiten, bekannte Erzählungen im frischen neuen Glanz zu präsentieren und mit dem zu würzen, was ihm gerade beliebt. Dabei tänzelt die Erzählung geradezu leichtfüßig durch ernste Themen wie Kollateralschäden bei Kriegseinsätzen, Pazifismus in Kriegszeiten, dem Verlust eines Lebenspartners oder auch dem Missbrauch von Kindersklaven. Durch seine bizarren und teils grotesken Ideen entwickelt sich ein Humor, der dem Lesefluss förmlich Flügel verleiht.
Bis in die kleinsten Nebenrollen werden Charaktere in die Tiefe geführt, sodass der Leser selbst zum abstraktesten Wesen eine Beziehung aufbauen kann. In unterschiedlichen Episoden verfolgt man so nicht nur die beiden Hauptcharaktere, sondern verschiedene Protagonisten eines verrückten Road-Trips durchs All, während die kleine Hazel erzählend aus dem „Off“ begleitet.

Fiona Staples (Copyright: Fiona Staples)

Fiona Staples (Copyright: Fiona Staples)

Für Zeichnerin Fiona Staples dürfte mit „Saga“ der große Durchbruch gekommen sein. Obwohl sie bereits einige One-Shots mit Brian Wood („Northlanders“ – DC Vertigo, in Deutsch bei Panini Comics) oder Jimmy Palmiotti („Jonah Hex“ – DC Comics) erarbeiten konnte, stellt „Saga“ wohl ihr bisher größtes und ambitioniertestes Werk dar. Ihr anfänglich doch noch etwas verhaltener Stil scheint von Panel zu Panel zu reifen, sauberer zu werden und einfach immer öfter den Punkt zu treffen. Ihr leicht verschrobener und stellenweise dezent an Jeff Lemire erinnernder Stil wirkt wie geschaffen für die bizarren und absurden Darstellungen von Vaughans Geschichten.

Cross Cult ist für die Veröffentlichung von „Saga“ vom regulären A5 Format abgewichen und hat eine etwas größere Ausgabe verwendet (16×24), was der Darstellung des Comics mehr als dienlich ist. Das wie immer sehr hochwertige Hardcover beglückt den Leser außerdem noch mit einem passenden Steckbrief zu Kopfgeldjägern im Science-Fiction Genre sowie diversen Skizzen und Convention Arbeiten von Fiona Staples in der Bonussektion.

Um „Saga“ ist ein großer Hype entbrannt und wie jeder Hype zieht dies nicht nur Bewunderung, sondern auch quengelnde Kritiker wie Flöten die Ratten aus den Gassen. So auch bei „Saga“. Nicht alles ist Gold, aber irgendwo zwischen Shakespeare, „Star Wars“ und Douglas Adams gelingt es Vaughan und Staples, ein Märchen voller Wahnsinn, abstrusen Ideen und „What-The-Fuck?“-Momenten, die sich die Hände reichen, zu schaffen, was in der Summe nichts anderes als großartige Popcorn-Unterhaltung ist. Elementare Kunst schwebt gewiss in anderen Sphären, aber diese kann man selten so frisch und unbeschwert genießen, wie diese 160 Seiten voll von charakterstarken und kreativen Momenten. „Saga“ ist subjektiv betrachtet einer der heißesten Titel auf dem immer weiter wachsenden Comic-Markt, sodass man Cross Cult am liebsten für die nächsten zehn Bände im Voraus bezahlen möchte.

Inhalt

Im neuesten Band der besten Comicserie des Jahres 2013 kommen sich Verfolger und Verfolgte immer näher, und der große Zusammenprall ist unvermeidlich. Werden Alana und Marko je den Augenblick erleben, da ihr kleines Mädchen ihre ersten eigenen Schritte machen wird?

(Quelle: Cross Cult)

Autor

Brian K. Vaughan

Brian K. Vaughan ist ein US-amerikanischer Comic- und Fernsehautor, der durch seine Arbeiten für die Verlage Marvel Comics und DC Comics sowie an den Fernsehserien Lost und Under the Dome bekannt geworden ist.

Während eines Filmstudiums an der New York University knüpfte er über einen Workshop Kontakte zur Comic-Industrie und konnte seine ersten Geschichten bei Marvel veröffentlichen. In den folgenden Jahren schrieb er für einige der bekanntesten Serien der Verlage Marvel und DC wie X-Men, Spider-Man, Batman und Green Lantern. Ab dem Jahr 2002 konzentrierte Vaughn sich auf abgeschlossene Geschichten mit eigenen Figuren wie Ex Machina, Y: The Last Man und die Graphic Novel Die Löwen von Bagdad, die auf dem DC-Imprints Vertigo und Wildstorm erschienen. Für diese Arbeiten erhielt er in den Folgejahren mehrmals den renommierten Eisner Award.

2006 zog Vaughn nach Los Angeles, um sich geplanten – aber bisher nicht realisierten – Filmadaptionen seiner Comicwerke Ex Machina und Y – The Last Man für New Line Cinema zu widmen. Da der Drehbuchautor und Produzent Damon Lindelof von seinen Veröffentlichungen beeindruckt war, bot sich Vaughn die Chance zur Mitarbeit an der erfolgreichen Fernsehserie Lost. In den Jahren 2007 bis 2009 fungierte er von der dritten bis zur fünften Staffel als Ko-Autor und Ko-Produzent.

2011 wählte Steven Spielberg Brian K. Vaughan aus, den Roman Die Arena von Stephen King als Fernsehserie zu adaptieren. In der ab September 2013 unter dem Originaltitel Under the Dome im deutschsprachigen Raum ausgestrahlten Serie ist Vaughn als Drehbuchautor, Showrunner und Executive Producer tätig. 2012 wandte er sich auch wieder den Comics zu. Für den Independent-Verlag Image Comics schuf er zusammen mit der kanadischen Zeichnerin Fiona Staples die Science-Fiction-Serie Saga, für die er erneut Preise wie den Eisner Award sowie den Hugo Award Best Graphic Story für eine Geschichte in gezeichneter Form erhielt.

(Quelle: Wikipedia)

Brian K. Vaughan – Image Comics

Fiona Staples – Tumblr

Details

Format: 16×24, Hardcover
Vö-Datum: 27.08.2014
Originalausgaben: US Saga 13 – 18
Seitenzahl: 160
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Cross Cult / Image Comics

Copyright Cover: Cross Cult / Image Comics



Über den Autor

Emu
Emu
“Only nothing is impossible.” - Grant Morrison