Review

Die Geschichte geht weiter

Am Anfang war das Wort. Und damit das Meisterwerk „Watchmen“ (mittlerweile auch auf Deutsch in prächtiger Deluxe-Variante) von Kult-Autor Alan Moore, großartig illustriert von Zeichner Dave Gibbons. Dabei handelt es sich schlechterdings um einen der bedeutendsten und besten Comics aller Zeiten; ein Phänomen der Kunst- und Popkultur.

So zog das Werk bereits die fantastische gleichnamige Verfilmung „Watchmen – Die Wächter“ von Zack Snyder nach sich – womöglich dessen beste Arbeit bis zum heutigen Tag (noch besser: der sog. Ultimate Cut); sowie eine TV-Serie von HBO, welche die Vorlage freier interpretiert und neu verhandelt.

Im Übrigen setzen auch die Verantwortlichen von DC Comics (in nicht unstreitiger Weise) die Vor- und Nachgeschichte der Watchmen in Comic-Form fort. Nach der Reihe „Before Watchmen“ und der jüngsten Miniserie „Doomsday Clock“, erscheint nunmehr der erste Band einer neuen Serie: „Rorschach 1“. Dieser Ableger des starken Batman-Stammautors Tom King (zuletzt: „Batman 8: Eisige Zeiten“ und „Batman 9: Flügel des Schreckens“) widmet sich – wie der Titel schon sagt – der fortgesetzten Mythologie des fiesen Verbrecherjägers im schmuddeligen Trenchcoat mit der sich ständig verändernden markanten Maske. Ob wir es hier eher mit einem simplen Rip-off oder einem eigenständigen Watchmen-Beitrag zu tun haben, verraten wir euch im Folgenden.

Vorbilder und Nachahmer

Rorschach hat sich seinerzeit geopfert, um die Welt zu retten. Als ein strahlender Held in Liedern verewigt zu werden, war indessen nicht das Bestreben des versifften Ermittlers. Der grimmige Mitternachtsdetektiv der Watchmen hatte seine eigenen gnadenlosen Methoden.

Trotz der – vermeintlich – geringen Strahlkraft des Verbrecherjägers haben dessen Taten offenbar bleibenden Eindruck hinterlassen – auch 35 Jahren nach dessen Ableben im Rahmen einer angeblichen Alien-Invasion. Ein Nachahmungs-Rorschach mit billiger Maske und eine junge Komplizin werden bei einem versuchten Attentat auf einen US-Präsidentschaftskandidaten erschossen. Die Motive unklar. Diese gefährliche Gemengelage allein erhitzt die Gemüter.

Ein erfahrener Kriminalist, ein versierter Ermittler, soll den Fall aufklären. Und das möglichst schnell und geräuschlos. Die Ermittlungen führen ihn auf die Spur eines seltsamen und vereinsamten Mannes, eines Comic-Zeichners, der im Leben anscheinend nicht viel Glück gehabt hatte. Im Übrigen wirft der Leser einen Blick in die Vergangenheit der jungen Komplizin, deren Kindheit offenkundig alles andere als normal und unbeschwert war. Die Ereignisse aus „Watchmen“ haben sich erheblich auf die Welt und die Menschen ausgewirkt.

Erster Eindruck

Bislang ist der Ansatz von Autor Tom King am ehesten mit der HBO-TV-Serie zu vergleichen. So setzt er die Watchmen-Mythologie, den dortigen Zeitstrang und insbesondere die finalen Ereignisse zwar als grundsätzlich bekannt voraus. Allerdings ist die Geschichte – jedenfalls gegenwärtig – als eigenständiger Krimi zu betrachten, der sich auch für Neueinsteiger und Gelegenheitsleser grundsätzlich eignet, da er sich nicht an den „Watchmen“ abarbeitet. So ist von Rorschach und einigen anderen Figuren die Rede, aber eher beiläufig, als dass dieser Aspekt in den Vordergrund gerückt worden wäre.

Leseprobe aus „Rorschach 1“ von Tom King und Jorge Fornés. (Copyright: Panini Comics)

Ebenso wie der ermittelnde Detective weiß der geneigte Leser noch recht wenig über die Hintergründe und Motive der Täter/Täterinnen sowie die erheblichen Konsequenzen der Taten des eiskalten Genies Adrian Veidt alias Ozymandias auf die gesamte Welt. Bislang ist es vor allem eine spannende Figurenzeichnung, die den Auftakt der Serie lesenswert macht. So spielen hier einerseits persönliche Frustration, Zurückweisung und Resignation (des Comic-Zeichners), aber auch alternative Fakten und Verschwörungstheorien (die Kindheit der Komplizin) eine maßgebliche Rolle.

Wir sind gespannt, wo sich dieser Watchmen-Kriminalfall am Ende des Tages noch hin entwickelt. Potenzial und Erfahrung sollten fraglos da sein, immerhin arbeitete King lange bei der CIA, bevor er sich intensiv den Comics widmete.

Die Zeichnungen von Jorge Fornés gefallen ausgesprochen gut. Dabei werden die düsteren, erwachsenen und zurückhaltenden Bilder harmonisch durch die gedämpften und nüchternen Farben des brillanten Dave Stewart abgerundet.

Fazit

Alan Moores „Watchmen“ wird auf alle Zeiten ein für sich stehender Klassiker bleiben. Daran kann keine Vorgeschichte, Nachgeschichte oder sonstige Geschichte aus dem DC-Kosmos etwas ändern.

Dennoch gelingt Tom King – gemeinsam mit Jorge Fornés – hier der Beginn eines Noir-Krimis, der den Geist des Comic-Klassikers einfängt und dabei scheinbar eigene Wege gehen will.


Rorschach: Bd. 1 (von 4)

Inhalt

Ein Ableger des Megabestsellers WATCHMEN!

Der Bestseller WATCHMEN von Alan Moore und Dave Gibbons gilt als eines der wichtigsten Werke der Comic-Literatur und erlebte in den letzten Jahren mehrere Sequels, eine erfolgreiche Kinoverfilmung und eine TV-Serie.

In dieser neuesten Graphic Novel widmen sich Bestsellerautor Tom King (Heroes in Crisis) und BATMAN-Zeichner Jorge Fornés ganz der Figur Rorschach, dem düstersten und beliebtesten der Watchmen! Dessen Gehilfin verübt einen Attentatsversucht auf einen US-Präsidentschaftskandidaten, und diese Irrsinnstat hat scheinbar mit einem alten Comic-Künstler zu tun!

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Tom King
ist ein amerikanischer Autor und Comicbuchschreiber und Ex-CIA-Officer.

Tom King – Facebook | Tom King – Twitter

Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 17.08.2021
Originalausgaben: Rorschach 1-3
Seitenzahl: 76
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)